Berufsbild

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen in der Journalismus-Branche ist zuletzt konstant angestiegen. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit weist für 2013 eine Zahl von 77.234 sozialversicherungspflichtig angestellten Publizisten aus. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen in der Journalismus-Branche ist, nach einem Rückgang im Jahr 2010, damit zuletzt konstant angestiegen [1].

Die von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte Zahl der Freien Journalisten lag im Jahr 2011 bei 74.000. Im Vergleich zum Jahr 2001 (46.000) entspricht dies einem Zuwachs von 61 Prozent.

Die Statistik der Künstlersozialkasse meldet für Anfang des Jahres 2014 eine Zahl von 43.126 Versicherten im Bereich „Wort". Die Anzahl der hier Versicherten ist über die letzten Jahre hinweg sukzessive gestiegen. Im Jahr 2009 lag sie noch bei 40.778.

Der Beruf "Journalist" hat Tradition. Seine Wurzeln datieren auf den Anfang des 17. Jahrhunderts, als die ersten regelmäßig erscheinenden Zeitungen in Antwerpen und Straßburg publiziert wurden.

Zu den Haupttätigkeiten eines Journalisten gehören Recherchieren, Dokumentieren, Formulieren, Redigieren, Präsentieren, Organisieren und Planen. Dazu werden immer häufiger Kenntnisse der Betriebswirtschaft und der IT gefordert. Fachkenntnisse und ein universales Bildungsniveau sind Voraussetzungen für guten Journalismus.[2] Doch von Journalisten wird heute oft nicht nur die klassische Redaktionsarbeit erwartet. Sie bloggen, produzieren Video-Berichte, etc. Soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook gehören mittlerweile in vielen Redaktionen zur digitalen Grundausstattung. Statistisch gesehen verbringen bspw. ein festangestellter Journalist 104 Minuten und ein freier Journalist 124 Minuten pro Tag mit Recherche, ca. 120 Minuten widmen sie sich dem Verfassen und Redigieren von Texten.[3]

Der Journalist übernimmt verschiedene Funktionen[4]: Journalisten informieren die Öffentlichkeit über Sachverhalte und Vorgänge, die von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung sind. Damit tragen sie zum Prozess der öffentlichen Meinungsbildung bei und erfüllen somit eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Sie artikulieren für die Öffentlichkeit Sachverhalte und Probleme. Um dieser Aufgabe als "Frühwarnsystem" und Kontrollinstanz der Gesellschaft gerecht werden zu können, stehen Journalisten besondere Recherchebefugnisse zu, welche die Pressegesetze der Länder unter den Begriffen "Auskunftsrecht" oder "Informationsrecht" regeln. Wichtige Aufgaben des Journalismus sind damit Kritik und Kontrolle: Manche Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind weniger für die Öffentlichkeit bestimmt, werden aber durch den Journalismus publik gemacht, was dem Gemeinwesen nützlich sein kann: "Durch die Furcht vor der Presse werden mehr Verbrechen, Korruption und Unmoral verhindert als durch das Gesetz."[5] Des Weiteren sind Journalisten daran beteiligt, die öffentliche Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen und Ereignisse zu lenken (Agenda Setting), um so die Tagesordnung des öffentlichen Lebens mitzubstimmen. Auch kann Journalismus eine reine Unterhaltungsfunktion übernehmen. Nicht zu unterschätzen ist zudem der bildende Wert des Journalismus: Ein Großteil der Allgemeinbildung wird immer noch durch Massenmedien vermittelt. Journalismus kann aber auch eine sozialisierende und erziehende Wirkung auf die Gesellschaft haben und Einfluss auf Ansichten und letztlich Verhaltensweisen ausüben.

Das Berufsfeld des Journalisten hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten entscheidend verändert. Im Zuge eines beschleunigten technologischen Wandels haben sich neue "Spielarten" (Online-Journalismus, Crossmedia, Mobile Journalismus etc.) und damit einhergehend neue (Recherche- und Präsentations-) Praktiken im Journalistenalltag entwickelt. Immer öfter werden integrative Formen von Journalismus angeboten, die verschiedene Medienkanäle einbeziehen; das Potenzial eines neuen Storytellings und die Möglichkeiten vernetzten Denkens und vernetzter Arbeit sind allerdings noch längst nicht ausgeschöpft.

Einen wichtigen Grundstein für diese neuen Herausforderungen an Journalisten legte die revolutionäre Erfindung des Internets: Niemals zuvor veränderte und verändert ein "neues" Medium das Leben der Menschen mit einer derartigen Geschwindigkeit. Heute ist das Internet Schmelztiegel für klassische Medien, welcher neue Präsentationsformen hervorbringt. Der Aktualitätsdruck auf Redaktionen hat durch das Internet zugenommen.[6] Dabei ist der Online-Journalismus unter anderem durch folgende Merkmale gekennzeichnet:[7] 
 

  • Online-Redaktionen haben (zumindest potentiell) permanent Kontakt zu ihren Lesern und erhalten direktes Feedback,
  • Online-Redaktionen gelangen an Informationen, die sie früher nie oder (zu) spät erhalten hätten,
  • Online-Redaktionen können und müssen Geschichten teilweise oft schneller veröffentlichen,
  • für Online-Redaktionen können sich Nischen öffnen, in denen sie sich positionieren können,
  • Leser von Online-Redaktionen stellen ein kontrollierendes Element dar.


Online-Journalisten haben, neben den weiter oben genannten klassischen Funktionen, zudem die Aufgabe, Nutzer durch das eigene Angebot zu navigieren und sie zudem auf thematisch relevante Informationen anderer Anbieter hinzuweisen. Außerdem treten sie als Archivare auf, indem sie das Nachrichten- und Meinungsangebot verwalten, welches kontinuierlich ergänzt wird und somit wächst. Schließlich fungieren Online-Journalisten als Moderatoren in der Kommunikation mit und zwischen den Nutzern.[8] 

Radio im Internet (Podcasts) und Fernsehen im Internet (Video-Journalismus) sind als neue Spielarten des Journalismus dazugekommen. So werden Podcasts bspw. inzwischen von etablierten Rundfunksendern genutzt, um Features, Hörspiele oder Reportagen zu senden.  Im Bereich Video-Journalismus ist ein umfangreiches Equipment (Kamera, Mikrophon, Kopfhörer, Laptop, Software zum Schneiden des Materials) erforderlich, es kann aber auch schon ein Smartphone ausreichen[9], um komplett geschnittene und getextete Videobeiträge zu liefern.

Eine neue Form, auch eigene journalistische Angebote zu publizieren, ist der oder das "Blog". Der Blog ist ein digitales Journal oder Tagebuch, das mindestens eine Person, ein so genannter "Blogger", kreiert. Misstrauen gegenüber Bloggern herrscht zuweilen immer noch insofern vor, als "die vierte Gewalt" (die Presse) "nun selbst kontrolliert"[10] wird. Vor den Blogs entschied eine Minderheit allein, was die Mehrheit wissen konnte. Allerdings darf die These bezweifelt werden, dass jeder einzelne Mensch sich allein durch Blogs nun besser informieren könne als je zuvor: Eine kritische Prüfung, die Sichtung, Gewichtung und Bewertung von Informationen, das sind immer noch wichtige Kernfunktionen des Journalismus.[11] 

Crossmediales Arbeiten gehört für die meisten Journalisten heute zum Berufsalltag. Unter "Crossmedia" ist eine Vernetzung verschiedener Medien auf Produktionsebene, Inhaltsebene und Markenebene zu verstehen, die das Ziel verfolgt, Synergieeffekte sowohl bei ihren Erzeugern als auch bei ihren Nutzern freizusetzen. Aufgrund der kontinuierlichen Veränderung der Technik stellt crossmediales Arbeiten eine besondere, jedoch auch notwendige Herausforderung für Journalisten dar. In diesem Zusammenhang ist immer häufiger vom so genannten integrativen Journalismus die Rede: alle arbeiten an einem und für ein Produkt zusammen, d. h. nicht nur Redakteure, sondern auch Entwickler, Designer, Infografiker, Techniker und Software-Entwickler sowie Bewegtbild-Spezialisten. Das Ziel ist aus Journalistensicht die Gewinnung neuer Erzählformen für eine sich immer schneller drehende technische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und auch sprachliche Welt.

Vor diesem Hintergrund haben sich schließlich auch neue Recherchepraktiken entwickelt: Neben der klassischen Bibliotheksrecherche ist die Recherche im Internet selbstverständlich geworden. Allerdings sollte gerade im Internet die Verlässlichkeit von Informationen und Quellen genau geprüft werden.

Der Zugang zum Berufsfeld des Journalisten ist offen, d. h. es gibt keine gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungswege. Dieser freie Berufszugang leitet sich aus Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen sowie analog aus Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland ab, der jedem Bürger das Recht zuspricht, "seine Meinung in Schrift, Wort und Bild frei zu äußern und zu verbreiten." Gleichwohl haben sich Ausbildungsstandards wie das journalistische Volontariat durchgesetzt.

Da der Beruf des Journalisten nicht durch übergeordnete Instanzen reguliert wird, diese Berufsgruppe aber gleichzeitig rechtliche Privilegien genießt, muss ein Journalist eine Reihe von persönlichen und fachlichen Anforderungen erfüllen, um seinen Beruf verantwortungsbewusst ausüben zu können. Zu diesen Anforderungen zählen unter anderem

  • gute Allgemeinbildung
  • Fachkenntnisse (insbesondere in allgegenwärtigen, wirtschaftlichen, juristischen und naturwissenschaftlichen Fragestellungen)
  • ausgeprägtes Sprachgefühl
  • analytisches Denken
  • schnelle Auffassungsgabe
  • gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein
  • persönliche Integrität
  • hohe Vermittlungskompetenz
  • Belastbarkeit und Kreativität
  • Arbeitsdisziplin
  • Selbstvertrauen
     

Zusammengefasst sollte ein guter Journalist fachliche Expertise und journalistisches Handwerk mitbringen. Bei rein fachlicher Vorbildung kann deshalb ein Volontariat oder eine Zusatzausbildung, bspw. an einer Journalistenschule, sinnvoll sein.


Die Arbeitsbelastung von Journalisten ist oft hoch. Dies liegt sowohl an Stellenkürzungen in den letzten Jahren als auch an der immer schnelleren Taktung der Berichterstattung. Trotzdem ist diese Berufsgruppe mit ihrem Beruf sehr zufrieden[12] und wertschätzt die Abwechslung, die die Tätigkeit oftmals mit sich bringt. Daher übt das Berufsziel "Journalist" nach wie vor eine hohe Anziehungskraft auf Berufs- und Quereinsteiger aus. Ausführliche Informationen zu Selbstverständnis, Arbeitsalltag und Berufszufriedenheit enthält der vom DFJV herausgegebene Report "Freie Journalisten in Deutschland".

Als freier Journalist ist es wichtig, sich ein gutes Kontaktnetz aufzubauen. Dabei können auch Agenturen, Verbände, Ministerien, Behörden und Unternehmen hinsichtlich der Bezahlung von Aufträgen gute Adressen darstellen. Ziel sollte es sein, zu einer eigenen Marke zu werden. (Mitgliedern des DFJV steht hier ein spezieller Leitfaden zum Thema Selbstvermarktung zur Verfügung.)

Journalismus ist ein professioneller Beruf wie der des Arztes, des Lehrers oder des Rechtsanwaltes. Dies lässt sich an verschiedenen Attributen festmachen:

  • Journalisten verfügen über eigenes berufliches Fachwissen und Fachkompetenzen. Hierzu zählen nicht nur handwerkliche Fähigkeiten wie Recherchieren, Schreiben oder Redigieren. Hinzu kommen medienspezifische Kompetenzen sowie Fachinhaltskompetenzen im jeweiligen Berufserstattungsfeld (z. B. Wirtschaft, Sport, Medizin etc.).
  • Die Ausbildung zum Journalisten darf zwar aufgrund der grundgesetzlich gebotenen Pressefreiheit und des damit verbundenen offenen Berufszugangs nicht durch eine Ausbildungsverordnung o. ä. reglementiert werden. Dennoch haben sich spezifische Ausbildungsformen herauskristallisiert, in denen die vorgenannten Kompetenzfelder vermittelt werden. Die meisten Journalisten sind Akademiker.
  • Es existieren ethische Normen, denen sich Journalisten freiwillig verpflichten. Auf individualethischer Ebene hat der DFJV als Vorreiter einen solchen Ethikkodex entwickelt. Eine ältere Tradition hat der institutionenethische Pressekodex, der für Verlage gilt.
  • Journalismus ist ein Beruf, der im besonderen Maße einen wichtigen Dienst für die Allgemeinheit leistet. Denn Journalisten informieren die Öffentlichkeit über Sachverhalte oder Vorgänge, die von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung sind. Sie leisten damit einen zentralen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung.
  • Journalisten arbeiten im hohen Maße eigenständig. Bei der Ausübung ihres Berufs sind sie weitgehend unabhängig von Dritten. Sie erschließen sich Inhalte selbstständig und tragen eine hohe Verantwortung, indem sie diese an ihre Rezipienten weitergeben.
  • Wie andere Berufe organisieren sich auch Journalisten in Berufsvertretungen. Der DFJV nimmt unter ihnen eine führende Rolle als Dienstleister ein.

 


[1] Bundesagentur für Arbeit

[2] Vgl. Schneider, W., Raue, P.-J. (2012): Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus. Rowohlt. S. 17 f.

[3] http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=397. Aufgerufen am 04.05.2012.

[4] Vgl. Ruß-Mohl, S. (2010): Journalismus. Das Lehr- und Handbuch. F. A. Z.-Institut für Management-, Markt- und Medieninformationen GmbH. S. 14 ff.

[5] Joseph Pulitzer, zit. N. Jeske, J. (2001): Joseph Pulitzer, in: F.A.Z. v. 18.4., S. 26.

[6]  Vgl. Ruß-Mohl, S. (2010), S. 174.

[7] Vgl. Schneider, W., Raue, P.-J. (2012), S. 35 ff.

[8] Vgl. Ruß-Mohl, S. (2010), S. 176 f.

[9] Vgl. Schneider, W., Raue, P.-J. (2012), S. 40 ff.

[10] Vgl. ibd., S. 46.

[11] Vgl. ibd.

[12] http://www.sueddeutsche.de/kultur/digitalisierung-der-medien-zufrieden-im-auflagenschwund-1.26617. Aufgerufen am 04.05.2012.

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