Arbeitsmarkt

Der weltweite Medienwandel hat auch in Deutschland zu erheblichen Veränderungen geführt. Personal-Einsparungen und die Einstellung ganzer Titel zeichneten und zeichnen das Bild. Verlage haben und hatten neben dem strukturellen Medienwandel durch die Wirtschaftskrise eine weitere Herausforderung zu bewältigen, die deutliche Spuren hinterlassen hat. Strategische Schritte haben viele Redaktionen weitreichend beeinflusst: Auslagerungen, Redaktionsfusionen mit Standortwechseln und Redaktionskooperationen waren und sind hier zentrale Maßnahmen.[1]

Die Zahl der arbeitslosen Journalisten und Redakteure nahm zwischen 2012 und 2014 jährlich zu. Für Mai 2014 weist die Statistik der Bundesagentur für Arbeit insgesamt 5304 arbeitslose Publizisten aus. Ein Rückgang der Arbeitslosenzahlen konnte zuletzt im Jahr 2011 verzeichnet werden. Eingeschlossen sind in dieser Berechnung auch Schriftsteller und Autoren, PR-Fachkräfte sind hingegen ausgeschlossen. (Vgl. Abbildung 1)

 

(Abb1)

(Abb.1 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, 2001-2010, 2011-2012, 2013-2014)

Gleichzeitig zeigen Statistiken, dass mehr Menschen als je zuvor publizistisch arbeiten.
Im Jahr 2011 gab es, laut Erhebung der Bundesagentur für Arbeit, eine Gesamtzahl von 166.000 erwerbstätigen Publizisten (sozialversicherungspflichtige und nicht sozialversicherungspflichtige) gegenüber 123.000 im Jahr 2001.

 

(Abb.2 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit)

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen in der Journalismus-Branche ist, nach einem Rückgang im Jahr 2010, zuletzt konstant angestiegen. So weist die Statistik der Bundesagentur für Arbeit eine Zahl von 77.234 sozialversicherungspflichtig angestellten Publizisten für das Jahr 2013 aus.

 

(Abb.3 Quelle: Statistik der Bundesagantur für Arbeit, 2008-2011, 2012, 2013)

Eine offizielle Erhebung zur Anzahl frei arbeitender Journalisten existiert derweil nicht.
Die von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte Zahl der Freien Journalisten lag im Jahr 2011 bei 74.000. Im Vergleich zum Jahr 2001 (46.000) entspricht dies einem Zuwachs von 61 Prozent.[2]

Die Statistik der Künstlersozialkasse meldet für Anfang des Jahres 2014 eine Zahl von 43.126 Versicherten im Bereich „Wort" mit einem Durchschnittseinkommen von EUR 18.553 pro Jahr. Die Anzahl der hier Versicherten ist über die letzten Jahre hinweg sukzessive gestiegen. Im Jahr 2009 lag sie noch bei 40.778.

 

Einen Überblick über die Entwicklung der Versichertenzahlen des vergangenen Jahrzehnts:

(Abb.4 Quelle: Künstlersozialkasse)

Viele Journalisten wählen ihre freiberufliche Tätigkeit bewusst, gleichermaßen haben die skizzierten Veränderungen aber auch dazu geführt, dass sich Journalisten "notgedrungen" zu diesem Schritt gezwungen sehen. In einigen Bereichen besteht ein Überangebot an Journalisten, was dazu führt, das Auftraggeber und Verlage immer wieder Honorare und Löhne drücken.

Gerade freie Journalisten sind, auch, aber nicht nur aufgrund dieser Tatsache, daher ebenfalls für andere Auftraggeber, zum Beispiel Institutionen, Verbände, Vereine oder Unternehmen tätig. Oft beispielsweise im Bereich der PR- oder Öffentlichkeitsarbeit, aber auch als Berater, Moderatoren oder als Dozenten bei Weiterbildungsinstituten.
Die Verdienstmöglichkeiten sind hier oft attraktiver.

Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass der Arbeitsmarkt für Journalisten krisenanfällig ist und unmittelbar mit wirtschaftlichen Entwicklungen zusammenhängt. Gleichzeitig öffnen sich neue Möglichkeiten für Journalisten.


Qualifikation und Qualität als beste Absicherung gegen Arbeitslosigkeit

(Angehende) Journalisten müssen vor allem bereit sein, crossmedial zu denken und zu arbeiten. Denn ein Trend zeichnet sich vor allen anderen ab: das Verschwimmen der Grenzen zwischen reinem Printjournalismus und neuen digitalen Möglichkeiten.

Dies gilt sowohl für Absolventen und Volontäre als auch für berufserfahrene Journalisten. Zudem erweist sich eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Ressort, Fachthema oder einen speziellen Gegenstand als sinnvoll. Gerade bei Fachmedien ist gleichfalls eine hohe Fach-
und journalistische Umsetzungskompetenz gefragt.

Es lohnt sich, sich zu qualifizieren. Denn durch den Erwerb gefragter Fähigkeiten können Journalisten, gerade Fachjournalisten, von der steigenden Nachfrage nach fachlich und qualitativ aufbereitetem Journalismus profitieren.

 

Fachjournalismus als Wachstumspfad

Der Bedarf an Fachkräften wächst. Und auch die Nachfrage von Lesern, Zuschauern und Zuhörern nach fachlich fundierten Beiträgen steigt, wie beispielsweise der Markt und die Ausdifferenzierung der Fachmedien zeigt. Die Honorare von Fachjournalisten liegen in der Regel zudem deutlich über denen von Allroundjournalisten.

Moderne Gesellschaften entwickeln sich weiter zu Wissensgesellschaften, in denen Wissen der zentrale Standort- und Wettbewerbsfaktor ist und wissensintensive Industrien den höchsten Anteil am Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften.

Wissensgesellschaften sind gekennzeichnet durch eine exponentielle Zunahme des Wissens bei seiner gleichzeitigen Fragmentierung. Das betrifft vor allem Fachwissen. Doch selbst das, was früher unter Allgemeinbildung (Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport usw.) gefasst wurde, differenziert sich immer mehr aus und kann schon heute kaum noch überblickt werden.

Der IAB-Bericht zur beruflichen Bildung 2010[3] besagt beispielsweise, dass das "Publizieren" zu den Dienstleistungsbereichen gehört, die bis 2025 am stärksten wachsen werden: "Noch nie hatten Journalisten ein größeres Publikum als heute, nach der digitalen Revolution."[4]

Auch die Publikation „Fachmedien in Deutschland 2013", ein Jahrbuch der Deutschen Fachpresse, beleuchtet diese Entwicklung.[5]

 


[1] Journalistische Qualität in der Wirtschaftskrise, (2010), Konstanz, K. Beck u.a. in Kooperation mit dem DFJV

[2] Der Arbeitsmarkt für Akademiker in Deutschland, BA für Arbeit (2010), Bonn, S. 84

[3] Beruf und Qualifikation in der Zukunft, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn, S. 52f.

[4] Niemand muss sich fürchten. Ein Gleitwort. In: Stephan Weichert, Leif Kamp, Hans-Jürgen Jakobs: Wozu noch Journalismus? Wie das Internet einen Beruf verändert. Vandenhoeck & Ruprecht. S. 7-10. Hier: S. 9.

[5] Verein Deutsche Fachpresse (Hrsg.) (2013): Fachmedien in Deutschland 2013. Deutsche Fachpresse Servicegesellschaft mbH.

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