Historie

Der Politikjournalismus gilt als das älteste journalistische Ressort überhaupt und kann mittlerweile auf eine mehr als 2.000jährige Geschichte zurückblicken. Als Erfinder im weitesten Sinne darf der römische Konsul Gaius Julius Cäsar gelten, der im Jahr 59 vor Christus das täglich erscheinende Nachrichtenbulletin Acta diurna in Rom einführte. Darin wurde in Nachrichtenform über die Verhandlungen in den öffentlichen Körperschaften des Imperiums berichtet. Neben diesen Nachrichten enthielt das Bulletin auch Klatsch, Sensationen oder Berichte über aufsehenerregende Kriminalfälle.

Die Acta diurna wurden von privaten Unternehmern vervielfältigt, welche die offiziellen Nachrichten um weitere Informationen ergänzten. Auch der Versand in die Provinzen gehörte zu den Aufgaben dieser Unternehmer. Kaiser Augustus, Caesars Großneffe, nutzte die Acta diurna außerdem als Sprachrohr für seine Propaganda. Etwa zeitgleich erschien außerdem die erste regelmäßige Wochenzeitung "Commentarius Rerum Novarum". Auch sie deckte ähnliche Themen ab.

Stirbt der Politikjournalismus aus?

Politische Nachrichten waren während des Mittelalters in ganz Europa nicht gefragt, da die Menschen durch die Grundherrschaft an ihren Grundherren gebunden waren. Alle wichtigen Nachrichten wurden mündlich weitergegeben und alles, was jenseits des eigenen Dorfes oder der Stadtgrenzen geschah, interessierte allenfalls Händler, die Beziehungen zu fernen Ländern unterhielten. Diese entwickelten jedoch ihr eigenes Nachrichtensystem, wonach wichtige Informationen an Handelsplätzen auf Flugblättern weitergegeben wurden. Das Lesen von geschriebenen Nachrichten war einer gebildeten Schicht vorbehalten, die des Lesens mächtig war.

Gutenberg startet eine Revolution

Erst nachdem Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts den Druck mit beweglichen Lettern erfunden hatte, konnten sich auch politische Nachrichten auf Flugblättern rascher und weiter verbreiten. Dabei handelte es sich allerdings nicht um Nachrichten im journalistischen Sinn, sondern um Verlautbarungen und Aufrufe. Beispielsweise nutzten Revolutionäre dieses neue Medium, um zum Sturz der Fürsten aufzurufen.

Der Politikjournalismus wird modern

Der moderne Politikjournalismus geht auf den Straßburger Verleger Johann Carolus zurück. Dieser ließ sich an der Schwelle zum 17. Jahrhundert von Korrespondenten aus wichtigen europäischen Städten Nachrichten übermitteln, die er kopierte und an seine Abonnenten verschickte. Wichtig waren diese Informationen vor allem für Kaufleute, deren internationale Geschäfte unter politischen Unruhen hätten leiden können.

Die erste Zeitung im heutigen Sinn erschien mit der "La Gazette" schließlich 1631 in Frankreich. Hier wurden erstmals auch journalistische Stilformen wie Bericht oder Kommentar, die bis heute für den Politikjournalismus charakteristisch sind, verwendet. Die heute übliche Neutralität wurde bis weit ins 19. Jahrhundert hinein allerdings nicht gepflegt, die Berichterstattung war teilweise höchst tendenziös.

Die objektive Berichterstattung wird zum Standard

Der New York Herald, gegründet anno 1835 gilt als erste Zeitung, die den Anspruch hatte, objektiv, neutral und realistisch zu berichten. Sie gilt damit als Wegbereiterin des sogenannten "informativen Journalismus", der mit der Erfindung der Telegraphie rasch weitere Nachahmer in den Medien fand, aber bis ins 19. Jahrhundert hinein eher eine Randerscheinung blieb. Erst nach dem Ersten Weltkrieg konnte sich der informative Journalismus durchsetzen, wurde jedoch bereits in den 1950er Jahren weitestgehend durch den interpretativen Journalismus ersetzt. Dieser geht – wie es im Politikjournalismus üblich ist – über den reinen Informationsgehalt hinaus und liefert ergänzende Hintergrundinformationen. Diese sollten es dem Mediennutzer leichter machen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Charakteristisch ist deshalb für diese Form des Journalismus, dass im jeweiligen Beitrag verschiedene Standpunkte dargelegt und zitiert werden.

Den endgültigen Durchbruch als wichtiger Meinungsbildner erlebte der Politikjournalismus ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die ersten Massenmedien entstanden. Da nun durch die zeitgleichen Fortschritte in der Bildung auch die Kinder aus der gehobenen Mittelschicht des Lesens und Schreibens mächtig waren, fanden die Zeitungen, die dank der Fortschritte in der Drucktechnik günstig und in hohen Auflagen gedruckt werden konnten, auch eine Leserschaft.

Der Politikjournalismus wird schnelllebiger

Die Aktualität in der Berichterstattung gewann eine zunehmende Bedeutung, als sich in den 1920er Jahren der Hörfunk und in den 1950er Jahren das Fernsehen als neue Medien etabliert hatten. Nun konnte in Echtzeit und sogar in Bild und Ton live berichtet werden. Diese Möglichkeit wird allerdings im Politikjournalismus nur relativ selten genutzt. Lediglich am Wahlabend oder bei wichtigen Staatsbesuchen wird von Radio und Fernsehen vor Ort übertragen. Das war beispielsweise beim Besuch John F. Kennedys in der geteilten Stadt Berlin, als er seine Solidarität mit den Worten "Ich bin ein Berliner" bekundete.

Heute ist es vor allem das Internet, welches das Tempo in den Redaktionen vorantreibt. Politikjournalisten können nun direkt aus dem Plenarsaal ihre Nachrichten schon wenige Minuten, nachdem eine Entscheidung gefallen ist, online stellen. Diese Möglichkeit wird auch bereits von vielen Medien genutzt, indem sie einen kurzen Teaser mit der Nachricht auf ihrem Online-Angebot veröffentlichen und einen ausführlichen Bericht in der folgenden Ausgabe oder Sendung ankündigen.


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