Recherche

Welche Besonderheiten gelten für die Recherche?

Entscheidend für eine gute Auslandsberichterstattung ist, dass sich der Korrespondent ein gutes Netz an Informanten und Kontakten in seinem Gastland aufbaut. Zudem muss er die Behörden vor Ort und deren Zuständigkeiten kennen, um gezielt recherchieren und seine Anfragen an die richtigen Ansprechpartner richten zu können.

Welche Quellen der Korrespondent zur Recherche nutzen kann, hängt vom politischen System des Gastlandes ab. In Ländern mit Pressefreiheit kann der Korrespondent nahezu so recherchieren, wie er es aus Deutschland gewohnt ist. Er kann Informanten und Pressestellen befragen und sich meist auch ungehindert im Land bewegen, um sich eigene Eindrücke zu verschaffen. Das Internet kann er ebenfalls in vollem Umfang nutzen, um eigenständig zu recherchieren oder die konventionelle Recherche zu unterstützen.

Schwieriger ist die Situation für den Journalisten in Ländern mit eingeschränkter Pressefreiheit und eingeschränktem Internetzugang. In Ländern wie Russland oder China ist der Korrespondent auf gute Informanten angewiesen und muss teilweise sogar investigativ arbeiten, um seine Geschichten machen zu können.

Hier ist die Recherche unmöglich

Nahezu unmöglich ist die fundierte Recherche in Ländern wie Nordkorea oder Kuba, die sich weitestgehend bis komplett von der Welt abschotten. Korrespondenten, die über diese Länder berichten wollen, müssen sich entweder als Sprachrohr der Regierungen betätigen oder sind auf Berichte vom Hörensagen angewiesen. Das geht allerdings auf Kosten der journalistischen Sorgfaltspflicht. Denn eine Gegenrecherche, wie sie eigentlich verlangt ist, lässt sich hier nicht bewerkstelligen.

Wenn die große Zeit vorbei ist

In Bezug auf die Recherche hat sich die Kriegsberichterstattung seit den 1990er Jahren am dramatischsten gewandelt. Kriegsberichterstatter gelten in den Medien als Sonderkorrespondenten, womit meist die für diese Region zuständigen Auslandskorrespondenten beauftragt wurden. In den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts wie dem Ersten und Zweiten Weltkrieg konnten sich die Kriegsberichterstatter noch ungehindert hinter der Front bewegen.

Diese Freiheit für die Korrespondenten endete nach dem Vietnamkrieg. Durch die Berichterstattung mit ihren dramatischen Bildern der ausufernden Gewalt entstand aus der amerikanischen Bevölkerung heraus ein erheblicher Druck, diesen Krieg zu beenden. Die US-Regierung führte deshalb schon in den 1980er Jahren strenge Regeln für die Kriegsberichterstattung ein. Diesen Regeln müssen sich auch die Korrespondenten aus anderen Staaten beugen, da jeder Konflikt, in den das westliche Verteidigungsbündnis verwickelt ist, unter Federführung der USA stattfindet. Bei der US-Invasion in Grenada 1983 durften beispielsweise keine Journalisten anwesend sein. Während des Golfkrieges führten die USA ein Pool-System ein. Das bedeutet: Ausgewählte Journalisten werden, begleitet von Militärs an bestimmte Orte gebracht. Während des Irak-Krieges wurde dieses zum System der Embedded Journalists erweitert, bei welchem Journalisten Militäreinheiten begleiten. Eine eigenständige Recherche ist unter diesen Voraussetzungen jedoch nicht mehr möglich.


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