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Auslandsberichterstattung
Aus- und Weiterbildung
Fachbeiträge
Fachbeiträge zum Ressort „Auslandberichterstattung“ finden Sie im Onlinemagazin „Fachjournalist“.
Fachliteratur
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Ausland. Basiswissen für die Medienpraxis
Jetzt bestellenvon Andreas Elter und Christian Tippe
Erscheinungsjahr: 2014
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Die Vorkämpfer. Wie Journalisten über die Welt im Ausnahmezustand berichten
Jetzt bestellenvon Leif Kramp und Stephan Weichert
Erscheinungsjahr: 2011
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Auslandskorrespondenz im globalen Zeitalter. Herausforderungen der modernen TV-Auslandsberichterstattung
Jetzt bestellenvon Verena Renneberg
Erscheinungsjahr: 2011
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Deutsche Auslandskorrespondenten. Ein Handbuch
Jetzt bestellenvon Oliver Hahn, Julia Lönnendonke und Roland Schröder
Erscheinungsjahr: 2008
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Nachrichtenwelten: Hinter den Kulissen der Auslandsberichterstattung. Eine Ethnographie
Jetzt bestellenvon Angela Dreßler
Erscheinungsjahr: 2008
Journalistenpreise
Hier finden Sie eine Übersicht an Journalistenpreisen im deutschsprachigen Raum zum Ressort „Auslandsberichterstattung“:
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Medienangebote
Eine Zusammenstellung wichtiger Medienangebote zum Ressort „Auslandsberichterstattung“:
Verbände
Sie sind auf der Suche nach einem Fachverband für das Ressort „Auslandsberichterstattung“? Hier finden Sie eine Übersicht:
Portrait
Grundlagen der Auslandsberichterstattung
Berichterstattungsgegenstände
Über welche Themen wird berichtet?
Obwohl es sich beim Auslands-Ressort um keines der klassischen Ressorts handelt, bietet die Auslandsberichterstattung ein sehr breites Aufgabenfeld: Die Korrespondentinnen und Korrespondenten brauchen ein fundiertes Hintergrundwissen über die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse ihres jeweiligen Gastlandes. Wo der thematische Schwerpunkt der Auslandsberichterstattung liegt, hängt stark vom jeweiligen Land und dessen Bedeutung für Deutschland ab.
Aus Krisengebieten wie dem Nahen Osten oder Afghanistan sind beispielsweise neben tagesaktuellen Ereignissen auch fundierte Hintergrundberichte und Kommentare gefragt, in denen die Korrespondentinnen und Korrespondenten ihre persönliche Einschätzung der Lage geben. In wirtschaftlich wichtigen Regionen wie dem asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum tritt die Politik zu Gunsten der Wirtschaft in den Hintergrund. Aus den Metropolen der westlichen Welt sind dagegen Nachrichten aus allen Bereichen des Journalismus gefragt, weil hier die engsten Verflechtungen bestehen und sich Entscheidungen, die etwa in Washington getroffen werden, direkt auf die Leserinnen und Leser in München auswirken können. Ein weiterer Schwerpunkt der Auslandsberichterstattung liegt bei Reisereportagen, durch die das Publikum Geheimtipps für den eigenen Urlaub erhält oder fremde und exotische Länder kennenlernen kann.
Insgesamt wird dem Ressort der Auslandsberichterstattung seit Längerem eine Krise diagnostiziert. Einem Diskussionspapier der Otto Brenner Stiftung zufolge sind schrumpfende Redaktionsbudgets, eine Ausdünnung der Auslandsseiten sowie der weltweite Anstieg von Propaganda und Repressionen gegen Journalistinnen und Journalisten dafür mitverantwortlich.
Ein eigenes Ressort für die Auslandsberichterstattung inklusive Büros unterhalten in Deutschland nur die großen, überregionalen Zeitungen, Nachrichtenagenturen, Nachrichtenmagazine und Sender wie die ARD, die ein hohes Maß an Nachrichtenkompetenz für sich in Anspruch nehmen. Kleinere Zeitungen verzichten zwar nicht auf Auslandsberichterstattung, halten jedoch dafür kein eigenes Ressort vor. Das hat schlicht finanzielle Gründe, weil das Auslandsressort als das teuerste Ressort in allen Medien gilt. Die kleineren Medien haben sich deshalb entweder zu einem Verbund zusammengeschlossen, der von einem Korrespondententeam beliefert wird oder sie greifen auf die Dienste von Nachrichtenagenturen oder freien Korrespondentinnen und Korrespondenten zurück, die ihre Berichte mehrfach anbieten.
Printmedien verzichten außerdem meist auf eigene Auslandsseiten und lassen die Auslandsberichterstattung stattdessen in die klassischen Ressorts einfließen. Politisch relevante Nachrichten werden im Politikteil veröffentlicht, wirtschaftliche Themen im Wirtschaftsteil, Kulturelles erscheint im Feuilleton. Damit hat die Auslandsberichterstattung einer Entwicklung vorgegriffen, die sich seit der Jahrtausendwende in den Redaktionen allgemein abzeichnet: Die Ressortgrenzen verschwimmen, da viele Redakteurinnen und Redakteure nicht mehr in eigenen Abteilungen, sondern vielmehr am Newsdesk als Großraum-Redaktion arbeiten.
Auch Special-Interest-Medien wie Reisemagazine kaufen von freien Medienschaffenden und Korrespondentinnen und Korrespondenten Berichte und Reportagen, für welche Recherchen vor Ort notwendig sind. Die Redaktionen im Verlagshaus und im Sender ergänzen dieses Material gegebenenfalls durch eigene Berichte.
Rezipienten
Wie steht es um das Interesse an Auslandsthemen?
Der aktuelle Info-Monitor (2025) der Landesanstalten zeigt, dass sich die deutsche Bevölkerung am meisten für aktuelles Geschehen in Deutschland und in der eigenen Region interessiert – noch vor Nachrichten aus dem Ausland.
Generell wurde der Auslandsberichterstattung ein eher geringes Interesse nachgesagt, wie bereits die Autoren Thilo von Pape, Michael Scharow, Thorsten Quandt und Jens Vogelsang vom Institut für Kommunikationswissenschaft in ihrer Schrift „Nachrichtengeographie des Zuschauerinteresses“ (2012) erläutert haben. Das lässt sich einfach dadurch erklären, dass die Bandbreite der Themen so vielfältig ist, dass nur ein Bruchteil der Mediennutzerinnen und -nutzer angesprochen wird. Eine politisch interessierte Leser-, Hörer- und Zuschauerschaft interessiert sich zum Beispiel für News aus der Wirtschaft, andere für Reiseberichte oder Kulturnachrichten. Ob der jeweilige Beitrag auf großes Interesse stößt, hängt somit sehr stark vom Land und dem Thema ab, über das berichtet wird.
Informationsstand des Publikums
Von der historischen Entwicklung des Ressorts her gingen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Auslandsressorts eher von einem geringen Kenntnisstand des Publikums aus. Denn ursprünglich wurde die Auslandsberichterstattung von den Zeitungen eingeführt, um ihre Leserschaft über fremde Länder zu informieren. Dank der neuen Medien gilt das nicht mehr in diesem Ausmaß. Die Medienkonsumentinnen und -konsumenten können sich über Internet über die für sie interessanten Länder informieren, sodass sie ein gewisses Grundwissen mitbringen – das gilt für alle Themen, die von der Auslandsberichterstattung erfasst werden. Für die Korrespondierenden, die Vor-Ort-Kenntnisse haben und zudem nur geprüfte Informationen übermitteln, bedeutet das oft einen schwierigen Spagat. Sie müssen sich stets die Frage stellen: Welche Informationen und Zusammenhänge dürften bekannt sein? Denn wenn sie zu viel schon Bekanntes in ihrem Beitrag verpacken, springen Interessierte vielleicht dennoch ab, weil sie das Gefühl haben, nichts Neues mehr zu erfahren.
Bedeutung
Zeitungsjournalismus
Im klassischen Zeitungsjournalismus (und dessen Onlineauftritten) spielt die Auslandsberichterstattung im redaktionellen Alltag eher eine untergeordnete Rolle. Nur wenige große deutsche überregionale Zeitungen betreiben eigene Auslandsbüros — darunter Der Spiegel und Der Tagesspiegel. Überregionale Zeitungen wie die FAZ oder die Süddeutsche Zeitung unterhalten jedoch umfangreiche Korrespondentensysteme weltweit.
Domäne des Fernsehens
Vor allem bei tagesaktuellen Ereignissen wollen die Zuschauer auch die passenden Bilder sehen. Deshalb gilt die Auslandsberichterstattung noch vor allem als eine Domäne der Fernsehsender, die von den weltweiten Brennpunkten berichten. Die meisten Auslandsbüros, (aktuell 25) unterhält der Nachrichtensender CNN, der die Zuschauer weltweit mit News versorgt.
Auf dem deutschen Markt unterhalten die öffentlich-rechtlichen Sender das dichteste TV-Korrespondentennetz. Weltweit vertreten sind die ARD mit 29 eigenen Studios in 26 Ländern beziehungsweise das ZDF mit 18 Studios. Die meisten Büros werden in den europäischen Hauptstädten unterhalten, wobei ein Auslandsbüro meist für mehrere Länder zuständig ist. So erfolgt die Berichterstattung aus Irland etwa aus dem Londoner Büro, auch für ganz Osteuropa ist meist ein einzelnes Büro zuständig. In anderen Regionen der Welt sind die Auslandsbüros für noch größere Regionen zuständig. Ganz Südamerika wird beispielsweise für das ZDF von Rio de Janeiro aus abgedeckt.
Privatsender kaufen lieber Beiträge
Bei den Privatsendern engagiert sich die RTL Group mit einigen Vertretungen und eigenen Korrespondentinnen und Korrespondenten in der Auslandsberichterstattung. Die ProSiebenSat.1 Media AG unterhält zudem einige Vertretungen weltweit. Falls es erforderlich ist, werden für die Berichterstattung eigene Teams in die jeweilige Region geschickt.
Ein Grund für dieses dünne Netz ist der Aufwand. Denn um tagesaktuell und effektiv arbeiten zu können, müssen die Auslandsbüros mit modernster Technik ausgestattet sein.
Fokus Deutschland
Auslandsberichterstattung in Deutschland: gibt es Unterschiede?
Inhaltlich unterscheidet sich die Auslandsberichterstattung in Deutschland nur in Facetten von der Auslandsberichterstattung anderer europäischer Länder. Vor allem bei Nachrichten aus der Politik und der Wirtschaft besteht ein Aspekt darin, welche Auswirkungen bestimmte Entscheidungen und Entwicklungen auf Deutschland und die Eurozone haben könnten. Dieser Aspekt hatte etwa im Zuge der Berichterstattung zur Finanzkrise 2007/08 an Bedeutung gewonnen, als sich die Entscheidung der Managerinnen und Manager großer Hedgefonds direkt auf Wirtschaft, Anlegende und sogar Arbeitnehmende auswirkte.
Globaler Norden als Schwerpunkt
Bemerkenswert ist, dass der deutliche Schwerpunkt der Auslandsberichterstattung deutscher Medien auf dem „Globalen Norden“ und den Industrienationen liegt. Eine Langzeitstudie der Universität Heidelberg diagnostiziert vor allem dem Globalen Süden langfristig die mediale Vernachlässigung in in- und ausländischen Leitmedien.
Traditionell kann insbesondere der Fokus auf westliche Länder als eine indirekte, unmittelbare Folge des Zweiten Weltkriegs und der anschließenden Besatzung der Bundesrepublik durch die Siegermächte gesehen werden. Nachdem die Teilung Deutschlands durch die zunehmende Entfremdung der Sowjetunion von den USA, Großbritannien und Frankreich und den beginnenden Kalten Krieg beschlossen war, legten die westlichen Alliierten Wert auf eine möglichst enge Einbindung Deutschlands in ein westliches Bündnissystem. Daraus entstanden die NATO und die heutige Europäische Union, was direkte Folgen für die deutschen Medien und deren Auslandsberichterstattung hatte: Wichtige Entscheidungen, die auch Deutschland betrafen, wurden in Washington, London, Paris oder Brüssel getroffen, was natürlich auch eine entsprechende Berichterstattung erforderlich machte.
Qualitätsfrage
Mit der andauernden Krise des Auslandsjournalismus geht häufig auch die Sorge um Qualitätsverluste in der Berichterstattung einher.
Der langjährige Moskau-Korrespondent Gerd Ruge kritisierte beispielsweise, dass in der Auslandsberichterstattung zu oft Aussagen ungeprüft übernommen und verbreitet werden. Defizite machte auch der Kommunikationswissenschaftler Lutz Mükke in einem „nr-Dossier“ aus. Beispielsweise werde die Kriegsberichterstattung zunehmend von PR-Profis gesteuert. Das sorgte beim Afghanistan-Krieg sogar für die Kritik einer breiten Öffentlichkeit: Berichterstattende durften sich nur in Begleitung von Militärs in umkämpfte Regionen des Landes wagen. Offiziell sollte diese Maßnahme dem Schutz der Journalistinnen und Journalisten dienen, jedoch ist es hierbei nur noch ein kleiner Schritt zur Zensur.
Darüber hinaus verliere die Auslandsberichterstattung zunehmend an Bedeutung. Mükke stellt vielmehr einen wachsenden Deutschlandbezug fest. Außerdem würden verstärkt Themen, die eher dem Boulevard zuzurechnen sind, aufgegriffen.
Auch durch schwer einzuordnende Konflikte und einer einseitigen Berichterstattung kann die Qualität von Auslandsjournalismus leiden. Im Zusammenhang mit der Berichterstattung zum Gaza-Krieg berichteten etwa viele Medienschaffende der Organisation Reporter ohne Grenzen von einem „stark verengten Meinungskorridor“ in Medienhäusern, wobei oft nur bestimmte Quellen als zulässig galten.
Beruf Auslandskorrespondent
Faszination
Vor allem auf junge Journalistinnen und Journalisten übt das Ressort dennoch nach wie vor eine besondere Faszination aus. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen bietet ihnen der Beruf die Chance, die Welt kennenzulernen und in interessanten Ländern zu leben. Die langjährige Auslandskorrespondentin Pauline Tillmann hält im Fachjournalist fest, dass feste Stellen für Korrespondierende zwar eher weniger werden, sie sieht jedoch darin auch viele Chancen für Freie, die sich ihre Arbeit im In- und Ausland frei einteilen können. Hinzu käme die mittlerweile erschwingliche Technik und geringe Zugangsbarrieren. Es reicht ein Handy und ein externes Mikrofon, um einen sendetauglichen Radiobeitrag zu produzieren und zu versenden.
Vom Journalismus zur Expertise
Wer sich im Laufe des Berufslebens für die Tätigkeit als Freelancer entscheiden, kann auch länger im jeweiligen Gastland bleiben und das eigene Informanten-Netzwerk weiter ausbauen. Langfristig entsteht somit die Chance, sich als Expertin bzw. Experte zu etablieren und über den Journalismus hinaus publizistisch tätig zu werden.
Vielfältige Arbeit
Einen weiteren Reiz bietet die Auslandsberichterstattung durch die Vielfalt der täglichen Arbeit: Das Gros der Korrespondentinnen und Korrespondenten arbeitet für mehrere Medien, auch gattungsübergreifend. Die Korrespondentin bzw. der Korrespondent berichtet oft über ein breites Feld, von politischen bis hin zu gesellschaftlichen Ereignisse. Gefragt sind außerdem mehr Hintergrundberichte oder Reportagen als es in anderen Ressorts der Fall ist.
Damit bietet die Auslandsberichterstattung im Vergleich der Ressorts sehr vielfältige Möglichkeiten zur journalistischen Entfaltung.
Rollenverständnis
Zu den Aufgaben der Auslandsberichterstattung gehört es traditionellerweise, der Leser-, Zuschauer- oder Zuhörerschaft „die Welt zu erklären“. Die Korrespondentinnen und Korrespondenten stellen andere Kulturen vor und erläutern die Beziehungen zwischen den Völkern sowie wirtschaftliche und politische Zusammenhänge. Sie liefern durch ihre Nachrichten und Hintergrundberichte oft die Basis, auf welcher politische Entscheidungen getroffen werden.
Diese Art der Berichterstattung birgt allerdings auch die Gefahr, dass eine Einflussnahme erfolgt. Dies wurde beispielsweise bei zwei internationalen Konflikten aus den 1990er Jahren diskutiert. Strittig war, ob die USA 1993 in Somalia und die NATO 1999 im Kosovo aufgrund der Art der Berichterstattung interveniert haben oder nicht.
Ein Rollenverständnis im Wandel
In den vergangenen Jahrzehnten erwarteten die Mediennutzenden von einer Korrespondentin bzw. einem Korrespondenten oft diese erklärende Rolle. Bei Konflikten wurden sie von den Konfliktparteien außerdem oft – allerdings eher widerwillig – in die Rolle der vermittelnden Person gedrängt, weil sie Kontakte zu allen Beteiligten unterhielten. Diese Rolle müssen und wollen sie allerdings immer weniger erfüllen. Korrespondentinnen und Korrespondenten sehen ihre Rolle in der neutralen Berichterstattung – wie ihre Kollegschaft aus anderen Ressorts.
Das liegt auch daran, dass die Welt kleiner geworden und stärker zusammengewachsen ist. So gibt es etwa mittlerweile kaum noch ein Land, für das es keine Angebote von Reiseveranstaltern gibt. Die Reise zu exotischen Zielen ist also für deutsche Urlauber längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Auch die internationalen Zusammenhänge auf politischer oder wirtschaftlicher Ebene sind Mediennutzenden vor dem Hintergrund der Digitalisierung und dem leichteren Zugang zu Informationen nicht mehr fremd. Fakten und Zusammenhänge, die noch vor 15 oder 20 Jahren in einem Hintergrundbericht zum Verständnis für das Publikum unverzichtbar waren, können heute mit wenigen Mausklicks über Suchmaschinen und in Social Media Kanälen selbst erfahren werden. Einzelpersonen können sich selbst umfassender darüber informieren, als es durch einen Beitrag im Fernsehen oder einen Hintergrundbericht in der Zeitung möglich ist.
Eine große Gefahr lauert hierbei jedoch durch Fake News und Desinformation. Der Aufschwung von Künstlicher Intelligenz bringt es zudem mit sich, dass gefälschte Bilder und Falschinformationen sehr schwer zu erkennen sind. Weit entfernte Konflikte und Krisen lassen sich dadurch umso schwerer einordnen. Die wichtige journalistische Kernaufgabe der Faktenprüfung und der Sorgfalt fällt heutzutage in der Auslandsberichterstattung somit besonders ins Gewicht.
Beschäftigungsformen
Da Auslandsberichterstattung prinzipiell in jedem Medium stattfindet, bieten sich zahlreiche Beschäftigungsformen für Journalistinnen und Journalisten, die in diesem Ressort arbeiten wollen. Wie hier schon festgehalten: Eine dauerhafte Festanstellung zu finden ist allerdings etwas schwieriger als in anderen Ressorts.
Der Grund dafür liegt in der geringen Zahl von Auslandsbüros, die von den Medien selbst finanziert werden. Eine gute Chance, Auslandsberichterstattung in Festanstellung machen zu können, bietet die vorherige Tätigkeit bei einer überregionalen Zeitung, einem Nachrichtenmagazin oder einer Nachrichtenagentur. Wo eine gewisse Rotation innerhalb der Ressorts stattfindet, stehen die Chancen auf eine Stelle als Korrespondentin bzw. als Korrespondent nicht allzu schlecht.
Chancen für Freelancer
Für Freelancer hingegen kann die Auslandsberichterstattung viele Chancen bieten. Beispielsweise können sie, wenn sie von einer Festanstellung in die Auslandsberichterstattung auf freiberuflicher Basis wechseln wollen, mit ihrem früheren Arbeitgeber aushandeln, dass sie die Auslandsberichterstattung für das Land, in welches sie gehen wollen, übernehmen, um ein kalkulierbares Einkommen zu haben. Sie sollten zudem Kontakte zu weiteren Medien und Verlagen knüpfen, um auch hier ihre Berichte unterbringen zu können. Freelancer, die gut in der Medienlandschaft vernetzt sind, können sich dadurch einen möglichen Traum vom Auswandern verwirklichen und zugleich ihre berufliche Existenz sichern.
Beschäftigungsmöglichkeiten
Für wen arbeiten Korrespondentinnen und Korrespondenten?
Korrespondentinnen und Korrespondenten übernehmen die Auslandsberichterstattung für alle Arten von Medien – also Print- und Onlinemedien, Hörfunk und Fernsehen oder Nachrichtenagenturen. Letztere schicken aber nicht zwangsläufig Mitarbeitende aus den Heimatredaktionen ins Ausland, sondern beschäftigen einheimische Journalistinnen und Journalisten, die Land und Leute besser kennen und gegebenenfalls bereits ein eigenes Netz an Informanten vor Ort besitzen. Für Journalistinnen und Journalisten, die außerhalb des tagesaktuellen Geschehens arbeiten möchten, bieten Special-Interest-Medien und entsprechende Verlage ein weiteres, interessantes Betätigungsfeld. Gefragt sind hier vor allem Reisethemen, also Beschreibungen interessanter Orte und Reisereportagen.
Die besonderen Herausforderungen der verschiedenen Medien
Dabei stellt jedes Medium die Korrespondentinnen und Korrespondenten vor besondere Herausforderungen. Einheitlich ist, dass ein hohes Maß an Mobilität gefordert ist. Wenn jemand z. B. in einem Auslandsbüro unterkommt, befindet sich dieses in der Regel in einer Hauptstadt. Man muss also ein hohes Maß an Reisebereitschaft innerhalb des Gastlandes mitbringen. Ist das Büro für eine größere Region zuständig, kommen häufige Auslandsreisen hinzu. Im asiatisch-pazifischen Raum oder in Südamerika beispielsweise können Tausende von Kilometern zwischen dem Büro und dem aktuellen Einsatzort liegen.
Vor allem Korrespondierende, die für Hörfunk und Fernsehen arbeiten, müssen außerdem die Zeitverschiebung im Auge haben. Denn als beliebtes Stilmittel werden bei Nachrichtensendungen gern Liveschaltungen und aktuelle O-Töne eingespielt und eingeblendet. Die Journalistinnen und Journalisten müssen also damit rechnen, unter Umständen rund um die Uhr im Einsatz zu sein, um pünktlich zu den 20-Uhr-Nachrichten einen fertigen Beitrag liefern zu können.
Berufsaussichten
Neue Chancen durch Globalisierung und neue Medien
Die zunehmende Internationalisierung der Wirtschaft und die neuen Medien eröffnen jungen Journalistinnen und Journalisten neue Chancen, um in die Auslandsberichterstattung einzusteigen. Denn allgemein wird neben dem Volontariat von den meisten Medien mittlerweile ohnehin ein zusätzliches Fachstudium erwartet, erst recht von möglichen künftigen Auslandskorrespondentinnen und – korrespondenten.
Studierende können beispielsweise den in vielen Studiengängen erforderlichen Auslandsaufenthalt nutzen, um mit einem eigenen Blog oder Podcast erste journalistische Erfahrungen zu sammeln und dadurch später möglicherweise in eine Reiseredaktion einsteigen, falls ihnen das politische oder wirtschaftliche Hintergrundwissen fehlt.
Ein weiteres Betätigungsfeld bietet zum Beispiel die Wirtschaft: Weil mittlerweile selbst mittelständische Unternehmen international agieren, bieten sich neue Chancen, etwa in der in- und externen Unternehmenskommunikation. Die Mitarbeitenden üben dann eine besondere Form der Auslandsberichterstattung aus.
Arbeitsprozesse in der Auslandsberichterstattung
Themenfindung
Wie finden Korrespondentinnen und Korrespondenten ihre Themen?
Die Themenfindung gestaltet sich in der Auslandsberichterstattung unter Umständen umfangreicher als in anderen Ressorts. In demokratischen Ländern, in welchen Pressefreiheit gilt, können die Korrespondierende auf die bekannten Mittel und Strukturen zurückgreifen. Dazu gehören die Beobachtung anderer Medien, Pressemitteilungen, Anfragen aus der Heimatredaktion oder Tipps von Informanten.
Autoritäre Regimes behindern die Berichterstattung
Anders ist die Lage in Ländern, die von autoritären Regimes regiert werden oder in welchen nur ein eingeschränktes Presserecht gilt. So sind zum Beispiel in China Liveübertragungen ausländischer Medien nicht frei möglich. Werden Themen von der Staatsmacht kontrolliert, bewegen sich die Korrespondierenden auf einem sehr dünnen Grat: Schon das journalistische Ethos verbietet es, Themen wie Menschenrechtsverletzungen zu ignorieren. Andererseits müssen Journalistinnen und Journalisten aus dem Ausland die Vorgaben zumindest offiziell weitestgehend einhalten. Andernfalls laufen sie in Gefahr, von den Behörden für die weitere Zusammenarbeit ausgeschlossen zu werden oder im schlimmsten Fall sogar geahndet zu werden.
Recherche
Welche Besonderheiten gelten für die Recherche?
Entscheidend für eine gute Auslandsberichterstattung ist, dass sich Korrespondierende ein gutes Netz an Informanten und Kontakten im jeweiligen Gastland aufbaut. Zudem müssen die Auslandjournalistinnen und -journalisten Behörden vor Ort und deren Zuständigkeiten kennen, um gezielt recherchieren und Anfragen an die richtigen Ansprechpartner richten zu können.
Welche Quellen zur Recherche genutzt werden können, hängt vom politischen System des Gastlandes ab. In Ländern mit Pressefreiheit können Journalistinnen und Journalisten nahezu so recherchieren, wie sie es aus Deutschland gewohnt sind. Sie können Informanten und Pressestellen befragen und sich meist auch ungehindert im Land bewegen, um sich eigene Eindrücke zu verschaffen. Das Internet können sie ebenfalls in vollem Umfang nutzen, um eigenständig zu recherchieren oder die konventionelle Recherche zu unterstützen.
Schwieriger ist die Situation in Ländern mit eingeschränkter Pressefreiheit und eingeschränktem Internetzugang. Dort sind Journalistinnen und Journalisten auf gute Informanten angewiesen und müssen teilweise sogar investigativ arbeiten, um ihre Geschichten umsetzen zu können.
Nahezu unmöglich ist die fundierte Recherche in Ländern wie Nordkorea, die sich weitestgehend bis komplett von der Welt abschotten. Korrespondierende, die über diese Länder berichten wollen, müssen sich entweder als Sprachrohr der Regierungen betätigen oder sind auf Berichte vom Hörensagen angewiesen. Das geht allerdings auf Kosten der journalistischen Sorgfaltspflicht. Denn eine Gegenrecherche, wie sie eigentlich verlangt ist, lässt sich hier nicht bewerkstelligen.
Kriegsberichterstattung im Wandel
In Bezug auf die Recherche hat sich die Kriegsberichterstattung seit den 1990er Jahren am dramatischsten gewandelt. Kriegsberichterstattende gelten in den Medien als Sonderkorrespondierende, womit meist die für diese Region zuständigen Auslandskorrespondierenden beauftragt wurden. In den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts wie dem Ersten und Zweiten Weltkrieg konnten sich die Kriegsberichterstatterinnen und Kriegsberichterstatter noch ungehindert hinter der Front bewegen.
Diese Freiheit endete nach dem Vietnamkrieg. Durch die dramatische Berichterstattung über den Vietnamkrieg entstand in den USA erheblicher Druck, den Krieg zu beenden. Als Reaktion führte die US-Regierung ab den 1980er Jahren strenge Regeln für die Kriegsberichterstattung ein. Von diesen sind oft auch ausländische Korrespondentinnen und Korrespondenten betroffen, da die USA in NATO-geführten Militäreinsätzen meist eine dominierende Rolle übernehmen. Bei der US-Invasion in Grenada 1983 durften beispielsweise keine Journalistinnen und Journalisten anwesend sein.
Pool-System und Embedded Journalism
Während des Golfkrieges führten die USA ein sogenanntes Pool-System ein. Das bedeutet: Ausgewählte Journalistinnen und Journalisten werden von Militärs begleitet an bestimmte Orte gebracht. Freier Zugang war weitgehend unterbunden. Während des Irak-Krieges wurde dieses zum System der Embedded Journalists erweitert, bei welchem Journalistinnen und Journalisten Militäreinheiten zugeteilt waren. Eine eigenständige, unabhängige Recherche ist unter diesen Umständen stark eingeschränkt. Auch wenn das System der „Embedded Journalists“ weiterhin praktiziert wird, wie etwa in der Ukraine-Berichterstattung, setzen viele Redaktionen zusätzlich auf Satellitenbilder, Open-Source-Intelligence (OSINT) und freie Reporterinnen und Reporter vor Ort, um die starke Abhängigkeit von militärisch kontrollierten Informationsquellen zu verringern.
Darstellungsformen
Die persönliche Meinung und der persönliche Eindruck des Korrespondierenden treten in der Auslandsberichterstattung im klassischen Nachrichtenjournalismus zu Gunsten der Neutralität zurück. Trotzdem haben sich bestimmte Eigenheiten des Ressorts in den verschiedenen Mediengattungen bis heute gehalten.
Diese Besonderheiten gelten in Printmedien
Handelt es sich um Themen, die ein Höchstmaß an Sachlichkeit erfordern, etwa aus Politik oder Wirtschaft, sind vor allem Hintergrundberichte gefragt. In dem Fall liefert der Korrespondierende nicht nur die bloße Nachricht, sondern legt auch die Zusammenhänge dar, etwa wie eine politische Entscheidung zustande gekommen ist. Ergänzt wird dieser Bericht – je nach Wichtigkeit – gern durch die persönliche Einschätzung der Lage in Form eines Kommentars. Weil es für die Leserschaft oft schwierig ist, den Gehalt der Berichte richtig einzuschätzen, werden Beiträge von Auslandskorrespondentinnen und -Korrespondenten oft namentlich gekennzeichnet.
Nah an die Betroffenen herangehen
Eine beliebte Darstellungsform ist in der Auslandsberichterstattung in allen Mediengattungen die Reportage. Hier berichten die Korrespondentinnen und Korrespondenten aus der persönlichen Anschauung und verdeutlichen ein Thema anhand von Beispielen oder Personen und ihren Schicksalen. Bei der Reportage handelt es sich grundsätzlich um einen dramaturgisch aufgebauten Hintergrundbericht, in dem die reinen Fakten mit persönlichen Eindrücken zu einem Bericht verwoben werden. Idealerweise sollte sich die Autorin oder der Autor eines erzählerischen Stils bedienen und keine persönliche Wertung oder Kommentierung vornehmen. Dennoch kann man vor allem bei Reportage-Formaten, die ein jüngeres Publikum ansprechen, einen Trend zur Berichterstattung aus der „Ich-Perspektive“ ausmachen – auch in der Auslandsberichterstattung.
Das Feature: Beliebt in Hörfunk und Fernsehen
Features werden vor allem im Hörfunk aber auch im Fernsehen genutzt, um ein Thema für das Publikum interessant aufzubereiten. Beim Feature handelt es sich um eine Art Mischform zwischen Dokumentation und Reportage. Ebenso wie die Reportage kennzeichnet ein dramaturgischer Aufbau das Feature. Die Fakten werden durch konkrete Bilder dargestellt, während die Bilder erzählerisch kommentiert werden. Im Hörfunk, wo die Bilder ja fehlen, wird eine sehr bildhafte Sprache zur Veranschaulichung verwendet.
Auslandsberichterstattung in den Medien
Mediengattungen
Weil es sich bei der Auslandsberichterstattung um keines der klassischen Ressorts handelt, führt es in der Präsentation der hier behandelten Themen trotz ihrer oft weitreichenden Bedeutung eher ein Schattendasein.
Die Auslandsberichterstattung im Printbereich
Bei Zeitungen und Zeitschriften werden die Themen der Auslandsberichterstattung in der Regel dem jeweiligen Ressort, welches sie betreffen, zugeschlagen. Politische Nachrichten beispielsweise erscheinen im Politikteil der Zeitung, Wirtschaftsnachrichten im Wirtschaftsteil. Für die interessierte Leserschaft macht diese Aufteilung auch Sinn, weil sie den für sie interessanten Teil der Zeitung kompakt präsentiert bekommen. Lediglich Meldungen und Berichte, die eher dem Bereich Unterhaltung zuzuordnen sind, werden meist auf einer Seite präsentiert.
Eine Unterteilung in nationale und internationale Nachrichten nehmen lediglich überregionale Zeitungen mit einem eigenen Korrespondentennetz und Nachrichtenmagazine vor. Diese Aufteilung macht für die meisten Medien nur im Bereich Politik Sinn, weil hier auch Themen aufgegriffen werden, die keinen direkten Bezug zu Deutschland haben, sondern beispielsweise den Ausgang von Wahlen in Indien behandeln. Themen aus der Wirtschaft oder Kultur werden dagegen ebenfalls im zuständigen Ressort veröffentlicht. Gegebenenfalls werden hier die Themen nach national und international getrennt.
Ähnlich teilen Hörfunk und Fernsehen die Themen der Auslandsberichterstattung auf. Komplexe und sehr ausführliche Themen werden in Form von Sondersendungen behandelt. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn plötzlich und unvorhersehbar ein neuer Krisenherd auftaucht.
Welche Rolle spielt der Fotojournalismus in der Auslandsberichterstattung?
Dem Fotojournalismus kommt in der Auslandsberichterstattung eine wichtige Rolle zu. Denn: Welche Macht Bilder haben können, wird aber in der Auslandsberichterstattung besonders deutlich. Hilfsorganisationen konnten etwa in den 1980er Jahren nur deshalb eine wirksame Hilfe für Hungernde in Afrika organisieren, weil zugleich erschütternde Bilder von hungernden Kindern in Äthiopien um die Welt gingen. Auch die Friedensbewegung verdankt ihren enormen Zulauf den schockierenden Bildern von Gewaltexzessen aus dem Vietnamkrieg. Fotojournalistinnen und Fotojournalisten fungieren somit oft als wichtige Zeitzeugen im Auslandsjournalismus, vor allem in der der Kriegs- und Krisenberichterstattung. Ein wichtiger internationaler Vertreter der Gegenwart ist etwa Mads Nissen.
Medienangebote
Medien mit ausgezeichneter Auslandsberichterstattung
Im Printbereich stechen in Bezug auf ihre Auslandsberichterstattung vor allem aufwendig produzierte Magazine aus dem Markt heraus:
Das monatlich erscheinende Magazin GEO erscheint seit 1976. Bekannt ist es vor allem für die ausführlichen Fotostrecken und Reportagen.
Das Reisemagazin Merian bietet in jeder Ausgabe ein Schwerpunktthema. Die jeweilige Region wird umfassend beleuchtet, von der Geschichte bis hin zu Kultur und Gastronomie.
Die Auslandsberichterstattung aus den 25 Auslandsstudios gilt als das große Aushängeschild der ARD, sowohl im Fernsehen als auch im Hörfunk. Die Korrespondierenden beliefern vor allem die Nachrichtenmagazine „Tagesschau“ und „Tagesthemen“.
Wichtige Abnehmer der Berichte aus den 18 Auslandbüros beim ZDF sind die Nachrichtensendungen „Heute“ und „Heute Journal“.
Auslandsberichterstattung im Wandel der Zeit
Historie
Seit jeher faszinierten die Menschen in Europa Berichte von fernen und exotischen Ländern, wie etwa Marco Polos Reiseberichte zeigen. Eine aktuelle Auslandsberichterstattung war jedoch aufgrund der großen Entfernungen und der langen Reisedauer schlicht unmöglich.
Als einer der Väter der Auslandsberichterstattung darf sich der Straßburger Drucker und Verleger Johann Carolus fühlen. Dieser gab ab 1605 die Wochenzeitung „Relation aller Fürnehmen und gedenckwürdigen Historien“ heraus. Diese erschien bis 1659 und gilt als weltweit erste Zeitung. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Wochenzeitungen waren die aktuellen Nachrichten, die er von Korrespondenten aus den wichtigsten Städten entlang bedeutender Postrouten liefern ließ.
Die neuesten Meldungen lieferten etwa aus Prag, Rom, Venedig und Köln, Korrespondenten in wöchentlichem Turnus nach Straßburg. Bevor die erste gedruckte Ausgabe der Zeitschrift erschien, kopierte Carolus die Nachrichten von Hand und schickten sie an seine Abonnierenden. Diesen Service nahmen vor allem Kaufleute in Anspruch, die Geschäfte mit dem Ausland machten und deshalb über die politische Lage in Europa informiert werden wollten.
Eine bessere Berichterstattung durch technischen Fortschritt
Dass die Auslandsberichterstattung eine wichtige Schlüsselrolle in den Medien einnahm, ist mehreren Faktoren zu verdanken:
Durch den technischen Fortschritt in der Drucktechnologie wurden Printmedien erheblich günstiger, wodurch sich eine breitere Masse die Medien leisten konnte. Durch das Mitte des 19. Jahrhunderts steigende Bildungsniveau war zudem auch eine entsprechende Nachfrage nach Medien vorhanden. Einen weiteren Vorschub leisteten die Entwicklung des Morsealphabetes und das Verlegen von Seekabeln, durch welche Nachrichten in Sekunden auch über weite Entfernungen telegrafiert werden konnten. Die Verbreitung des Hörfunks und des Fernsehens während des 20. Jahrhunderts sorgten ebenfalls dafür, dass die Neugierde der Menschen auf fremde Länder und die dortigen Ereignisse gestillt werden konnten.
Ein Ressort wird erwachsen
Weil die breite Masse der Medienkonsumierenden in den ersten Jahrzehnten der Massenmedien ihr Leben meist in einem recht begrenzten Umkreis verbrachten, waren sie zunächst vor allem an Reiseberichten aus der Ferne interessiert. Nachrichten aus der Politik oder Wirtschaft interessierten sie einfach deshalb nicht, weil sie nicht persönlich davon betroffen waren. Das änderte sich erst mit dem ersten Weltkrieg und der Massenmobilmachung. Schließlich gab es in Deutschland keine Familie, von der nicht mindestens ein Mitglied an einer der Fronten im Einsatz war.
Auch die Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren und der anschließende Zweite Weltkrieg führten zu einem wachsenden Interesse an der Lage in anderen Ländern. Dies verstärkte sich in den Nachkriegsjahren zunehmend, als in den Jahren des Wirtschaftswunders einerseits das Fernweh wuchs und andererseits die Wirtschaftsräume auf internationaler Ebene enger zusammenwuchsen.
Ressort im Umbruch
Von den technischen Möglichkeiten, die das Internet mit sich brachte, war die Auslandsberichterstattung von allen Ressorts wohl am meisten betroffen. Beispielsweise hat im Rahmen des Arabischen Frühlings ab Dezember 2010 eine ganze Serie von Protesten und Revolutionen den arabischen Raum erschüttert und gleich mehrere Regierungen gestürzt. Von dieser radikalen Entwicklung wurden zu diesem Zeitpunkt der Digitalisierung auch viele Fachleute überrascht, da die Aufständischen ihren Protest abseits der etablierten Kommunikationswege über das Internet organisiert hatten.
Menschenrechtsverletzungen und andere Missstände werden in Ländern wie China und Russland heute zudem oft nicht von unabhängigen Journalistinnen und Journalisten vor Ort aufgedeckt, da diese massiv eingeschränkt oder verfolgt werden, sondern vor allem von Bloggerinnen und Bloggern, Bürgerjournalistinnen und -journalisten und digitalen Aktivistinnen und Aktivisten publik gemacht. Viele dieser Stimmen arbeiten im Exil oder nutzen verschlüsselte Kanäle, um Informationen weiterzugeben, da direkte Kritik im eigenen Land mit hohen Risiken verbunden ist. Ihre Berichte, oft über soziale Medien, Blogs oder Plattformen verbreitet, dienen westlichen Medien als Quellen, da eigene Recherchen in den betroffenen Staaten kaum möglich sind (Beispiel: Meduza im Exil).
Ausblick
Wohin geht die Reise?
Der Trend, dass keine eigenen Auslandsvertretungen unterhalten werden und die Zahl der Korrespondentinnen und Korrespondenten abnimmt, ist ein Ausdruck für die Krise des Auslandsjournalismus. Zugleich bieten sich Chancen für Freelancer, die bereit sind, ihre journalistische Arbeit mit einem längeren oder dauerhaften Auslandsaufenthalt zu verbinden.
Denn – auf Präsenz vor Ort zu verzichten – und sei es durch freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – sollte und kann sich allerdings kein seriöses Medium leisten. Eine Sichtung und vor allem Einschätzung der zahllosen Quellen aus dem Netz ist ohne grundlegende Prüfung vor Ort kaum möglich. Der Einsatz von KI-Technologien, um Fake News und Desinformationen zu verbreiten verlangt umso mehr,die Echtheit von Informationen zu belegen. Den Aufbau eines zuverlässigen Netzwerks können zudem nur professionelle Journalistinnen und Journalisten leisten, die mit den hohen Standards, die in Deutschland an die Berichterstattung gelegt werden, vertraut sind. Für junge Journalistinnen und Journalisten dürfte sich in der Auslandsberichterstattung also auch künftig ein faszinierendes Betätigungsfeld eröffnen.
Ausbildung zum Auslandskorrespondenten
Allgemeine Hinweise
Für Berufseinsteigende, die eines Tages im Bereich der Auslandsberichterstattung arbeiten wollen, bietet es sich an, eine zweigleisige Ausbildung zu absolvieren. Das bedeutet: Sie benötigen ein Studium aus dem kultur- oder sprachwissenschaftlichen Bereich, bevor sie ein Volontariat absolvieren können. Der erfolgreiche Besuch einer Journalistenschule oder ein Studium der Kommunikationswissenschaften allein verhilft oft nicht zur ersehnten Stelle. Dafür gibt es auch einen guten Grund: Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten müssen der jeweiligen Landessprache mächtig sein. Zudem liegen die außereuropäischen Auslandsbüros größtenteils in fremden Kulturkreisen, in die sich die Korrespondierenden möglichst schnell einfinden sollten. Sie benötigen deshalb auch Kenntnisse über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Gastlandes sowie über die dortigen Lebensverhältnisse.
Diese Studienfächer eignen sich als Einstieg
Hervorragende Wegbereiter in den Auslandsjournalismus sind Studiengänge, die sich intensiv mit einem bestimmten Kulturkreis befassen und auch verschiedene Sprachen vermitteln. Dazu gehören vor allem sprach- und kulturwissenschaftliche Studiengänge.
Kulturwissenschaftler beschäftigen sich umfassend mit verschiedenen Kulturen und beleuchten sie während des Studiums unter verschiedenen Aspekten. Teilweise spielen in dieses Fachgebiet auch die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften hinein. Dieser Fachbereich ist an der Universität deshalb sehr stark von einem interdisziplinären Ansatz geprägt. Angehende Journalistinnen und Journalisten werden in diesen Studiengängen also auf mehrere Arten für die Auslandsberichterstattung vorbereitet: Sie lernen einen jeweiligen Kulturkreis intensiv kennen und eignen sich zugleich an mit fachübergreifenden Zusammenhängen umzugehen, was ihren späteren beruflichen Alltag erleichtert.
Weniger stark ist der interdisziplinäre Ansatz in den Sprachwissenschaften, die sich mit den Grundsätzen der menschlichen Sprache beschäftigen. Interessant für angehende Auslandskorrespondierende vor allem die Angewandte Sprachwissenschaft, die sich unter anderem auch mit Fremdsprachendidaktik beschäftigt. Auch hier spielt die jeweilige Kultur, in welcher die Sprache gesprochen wird, hinein, weil sich die Sprache nicht isoliert vom Kulturkreis betrachten lässt. Zu den beliebtesten Studienfächern gehört die Anglistik, die sich der Sprache, Kultur und Literatur des englischen Sprachraums widmet. Für angehende Journalistinnen und Journalisten, die sich mit der Auslandsberichterstattung beschäftigen wollen, sind gute Englischkenntnisse auf jeden Fall ein Muss. Denn Englisch ist zumindest eine der Amtssprachen in zahlreichen internationalen Institutionen wie verschiedenen Einrichtungen der EU oder der UNO. Zudem stehen im englischsprachigen Raum, vorwiegend in Großbritannien und den USA noch am ehesten Korrespondentenstellen offen. Auch in Staaten wie Indien, die einst zum Kolonialreich des British Empire gehörten, ist Englisch heute noch die offizielle Landessprache.
Wer im Auslandsjournalismus arbeiten will, für den ist darüber hinaus die Vertiefung in einen weiteren Sprach- und Kulturkreis jedoch unbedingt von Vorteil. Zwei Beispiele: Die Universität Passau bietet ihren Studierenden z. B. neben Studiengängen im Bereich Journalistik, Kommunikation und Medien mit einem Master Kulturwirtschaft/International Cultural and Business Studies einen Studienweg an, bei dem man sich auf einen von fünf Kulturräumen spezialisieren kann. Und an der Universität Kassel bietet der Studiengang Kultur und Wirtschaft Einblicke in die Wechselwirkungen dieser Bereiche – wahlweise mit dem Schwerpunkt Hispanik oder Französistik. Es lohnt sich, zu den neuesten Ausbildungswegen selbst zu recherchieren, um optimale Angebote für den eigenen geplanten Werdegang zu ermitteln.
Mit etwas Glück können die Studierenden im Rahmen der Auslandsaufenthalte, die während eines Studiums gefordert werden, auch erste Erfahrungen in der Auslandsberichterstattung sammeln.
Weiterbildung als Schlüsselqualifikation
Der Aufgabenbereich in der Auslandsberichterstattung ist zu vielfältig, als dass eine gezielte Ausbildung in diese Richtung möglich wäre. Schließlich sind die Korrespondierenden weltweit im Einsatz und decken von Politik bis Kultur und Sport alle klassischen Ressorts der Medien ab. Neben dem Aufbau guter Kenntnisse der Sprache und der Kultur der gewählten Region, ist eine beständige und konsequente Weiterbildung auch in anderen relevanten Bereichen unerlässlich. Schließlich kann sich die politische, wirtschaftliche und sogar die geopolitische Lage innerhalb kürzester Zeit ändern, wie die Entwicklung seit dem Fall der Berliner Mauer gezeigt hat.
Sowohl journalistische Fortbildungseinrichtungen als auch öffentliche und private Bildungsträger bieten eine Vielzahl von Kursen aus dem Bereich Fremdsprachen, Landeskunde oder Presserecht an. Wer aus dem Ausland berichten möchte, sollte diese Fortbildungsmöglichkeiten nutzen. Die zum DFJV gehörige Deutsche Journalisten-Akademie (DJA) bietet zudem eine Weiterbildung für Journalistinnen und Journalisten an, die sich im Bereich der Auslandsberichterstattung spezialisieren wollen.
Warum Fachwissen und Erfahrung wichtig sind
Generell ist den Herausgebern neben Fachwissen auch die Erfahrung ihrer Korrespondierenden wichtig, um qualitativ hochwertige Berichterstattung garantieren zu können. Denn die Korrespondierenden sind in gewisser Weise Einzelkämpfer in der Fremde: Sie müssen sich ein zuverlässiges Netz an Informanten und Ansprechpartnern aufbauen und mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen, während sie zugleich die Berichterstattung aus der Region gewährleisten. Das fällt umso leichter, wenn sie entsprechendes bereits in der Heimatredaktion geleistet haben, wo sie notfalls auch Kolleginnen und Kollegen um Rat fragen können.
In Festanstellung – für Freelancer gelten etwas andere Regeln – werden Journalistinnen und Journalisten in der Regel oft erst dann versetzt, wenn sie eine mehrjährige Berufserfahrung gesammelt haben. Die Korrespondentenstelle ist dann gewissermaßen eine Belohnung für die bisherigen Leistungen.
Dennoch: Einstiegsmöglichkeiten für junge Freelancer
Dennoch gibt es mittlerweile aus bereits genannten Gründen viele Beispiele für junge Freelancer, die selbstständig als Korrespondentin bzw. als Korrespondent im Auslandsjournalismus arbeiten. Ein längerer Aufenthalt kann zum Beispiel aus einem Praktikum im Studium oder einem Auslandssemester erwachsen. Es mag den Einsparungen der Redaktionen geschuldet sein, dass diese vermehrt mit Freelancern zusammenarbeite. Wer im Ressort Fuß fassen möchte, und gegebenenfalls auch vor Krisenregionen nicht zurückschreckt, kann dies mit der notwendigen Bedachtsamkeit und den dafür geforderten Fähigkeiten als Chance wahrnehmen.
Volontariat
Weil die wenigsten Medien ein eigenes Ressort für die Auslandsberichterstattung unterhalten, können sich Volontärinnen und Volontäre während der Ausbildung im Rahmen der Rotation durch die verschiedenen Ressorts meist nicht gezielt auf die Tätigkeit im Auslandsjournalismus vorbereiten. Eine Ausnahme bildet z. B. die dpa, die als Agentur im Rahmen ihres Volontariatsangebots eine Pflichtstation in Brüssel (EU-Korrespondentenbüro) und gegebenenfalls weitere Auslandseinsätze anbietet. Einen besonders starken Auslandsfokus als Medium bietet die Deutsche Welle (DW), bei der eine Auslandsstation im Rahmen des 18-monatigen Volontariats Pflicht ist.
In der Regel können jedoch Volontärinnen und Volontäre auch bei anderen großen Medien ihr Augenmerk auf die internationale Berichterstattung richten. Am besten geht das in den Ressorts Politik und Wirtschaft. Denn hier kommen von Nachrichtenagenturen und den Korrespondentinnen und Korrespondenten, die beim jeweiligen Medium unter Vertrag stehen, die meisten Nachrichten und Pressemitteilungen an. Im Volontariat kann man hier erfahren, wo der aktuelle Fokus der Auslandsberichterstattung liegt und beginnen, die eigene journalistische Expertise aufzubauen.
Sonderveröffentlichungen als Qualifikation
Zusätzlich für eine Tätigkeit als Auslandskorrespondent können sich Volontärinnen und Volontäre über Sonderveröffentlichungen qualifizieren. Ein beliebtes und in regelmäßigen Abständen wiederkehrendes Thema sind hier nämlich Reiseseiten, die mit ansprechenden Berichten gefüllt werden sollten, um ein attraktives Umfeld für Anzeigenkunden zu bieten. Schon während des Volontariats können sich junge Journalistinnen und Journalisten hier mit Reisereportagen für die spätere Auslandsberichterstattung qualifizieren. Denn hier sind oft Qualifikationen gefragt, die Korrespondentinnen und Korrespondenten für die Auslandsberichterstattung mitbringen muss.
Quereinstieg
Die wichtigste Voraussetzung für Journalistinnen und Journalisten, die in der Auslandsberichterstattung arbeiten wollen, besteht also darin, sich in der Weltregion oder dem Land, aus dem sie berichten wollen, zurechtfinden zu können. Weil viele Medien zumindest in Teilbereichen gern auf die Dienste von Freelancern zurückgreifen, benötigen Interessenten nicht zwangsläufig eine fundierte journalistische Ausbildung wie ein Volontariat oder den Abschluss an einer Journalistenschule. Für den Einstieg kann der richtige berufliche Hintergrund schon ausreichen.
Qualifikation durch Erstberuf
Menschen, die etwa eine kulturwissenschaftliche, ethnologische oder sprachwissenschaftliche Ausbildung haben und lange Zeit im Ausland – beispielsweise in der Entwicklungshilfe – gearbeitet haben, sind zumindest für Teilbereiche der Auslandsberichterstattung geradezu prädestiniert. Besonders dann, wenn sie eine gute Schreibe und journalistisches Hintergrundwissen mitbringen. Ihr Vorteil: Sie haben bereits im Gastland gelebt oder leben noch dort, kennen die Kultur und vor allem die Fallstricke, die z. B. im Umgang mit Behörden lauern.
In diesem Fall müssen sie sich zunächst langsam in den Journalismus einarbeiten, denn kein Medium wird eine politische Hintergrundanalyse von jemandem kaufen, der in der Redaktion noch nicht näher bekannt ist und dem der fachliche Hintergrund fehlt. Ein Tipp: Einen guten journalistischen Ruf können sich Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger mit soften Themen erarbeiten. Sie können beispielsweise bei den verschiedensten Medien Reisereportagen oder kulturelle Nachrichten anbieten. In beliebten Auswanderungsländern bieten sich auch Ratgeberthemen oder Reportagen über die Erfahrungen bei der Auswanderung an, um sich die ersten journalistischen Sporen zu verdienen. Für den Einstieg in die volle Bandbreite der journalistischen Berichterstattung bietet sich für Freelancer eine Zusammenarbeit mit Nachrichtenagenturen an, die auch die Möglichkeit haben, die Qualität der angebotenen Berichte vor Ort zu überprüfen.