Historie

Als einer der Väter der Auslandsberichterstattung darf sich der Straßburger Drucker und Verleger Johann Carolus fühlen. Dieser gab ab 1605 die Wochenzeitung "Relation aller Fürnehmen und gedenckwürdigen Historien" heraus. Diese erschien bis 1659 und gilt als weltweit erste Zeitung. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Wochenzeitungen waren die aktuellen Nachrichten, die er von Korrespondenten aus den wichtigsten Städten entlang bedeutender Postrouten liefern ließ.

Die neuesten Meldungen lieferten etwa aus Prag, Rom, Venedig und Köln, Korrespondenten in wöchentlichem Turnus nach Straßburg. Bevor die erste gedruckte Ausgabe der Zeitschrift erschien, kopierte Carolus die Nachrichten von Hand und schickten sie an seine Abonnenten. Diesen Service nahmen vor allem Kaufleute in Anspruch, die Geschäfte mit dem Ausland machten und deshalb über die politische Lage in Europa informiert werden wollten.

Eine bessere Berichterstattung durch technischen Fortschritt

Seit jeher faszinierten die Menschen in Europa Berichte von fernen und exotischen Ländern, wie etwa Marco Polos Reiseberichte zeigen. Eine aktuelle Auslandsberichterstattung war jedoch aufgrund der großen Entfernungen und der langen Reisedauer schlicht unmöglich. Dass die Auslandsberichterstattung eine wichtige Schlüsselrolle in den Medien einnahm, ist mehreren Faktoren zu verdanken:

Zum einen wurden durch den technischen Fortschritt in der Drucktechnologie Printmedien erheblich günstiger, wodurch sich eine breitere Masse die Medien leisten konnte. Zum anderen sorgte das ab der Mitte des 19. Jahrhunderts steigende Bildungsniveau dafür, dass auch eine entsprechende Nachfrage nach den Medien vorhanden war. Einen weiteren Vorschub leistete die Entwicklung des Morsealphabetes und das Verlegen von Seekabeln, durch welche Nachrichten in Sekunden auch über weite Entfernungen telegrafiert werden konnten. Die Verbreitung des Hörfunks und des Fernsehens während des 20. Jahrhunderts sorgten ebenfalls dafür, dass die Neugierde der Menschen auf fremde Länder und die dortigen Ereignisse befriedigt werden konnten.

Ein Ressort wird erwachsen

Weil die breite Masse der Medienkonsumenten in den ersten Jahrzehnten der Massenmedien ihr Leben in einem relativ begrenzten Umkreis verbrachten, waren sie zunächst vor allem an Reiseberichten aus der Ferne interessiert. Nachrichten aus der Politik oder Wirtschaft interessierten sie einfach deshalb nicht, weil sie nicht persönlich davon betroffen waren. Das änderte sich erst mit dem ersten Weltkrieg und der Massenmobilmachung. Schließlich gab es in Deutschland keine Familie, von der nicht mindestens ein Mitglied an einer der Fronten im Einsatz war.

Auch die Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren und der anschließende Zweite Weltkrieg sorgten für ein wachsendes Interesse an der Lage in anderen Ländern. Dies verstärkte sich in den Nachkriegsjahren zunehmend, als in den Jahren des Wirtschaftswunders einerseits die Fernweh wuchs und andererseits die Wirtschaftsräume auf internationaler Ebene enger zusammenwuchsen.

Auslandsberichterstattung: ein Ressort im Umbruch

Von den technischen Möglichkeiten, die das Internet bietet, dürfte die Auslandsberichterstattung wohl am meisten betroffen sein. Beispielsweise hat im Rahmen des Arabischen Frühlings ab Dezember 2010 eine ganze Serie von Protesten und Revolutionen den arabischen Raum erschüttert und gleich mehrere Regierungen gestürzt. Von dieser radikalen Entwicklung wurden auch viele Experten überrascht, weil die Aufständischen ihren Protest abseits der etablierten Kommunikationswege über das Internet organisiert hatten.

Menschenrechtsverletzungen und andere Missstände werden in Ländern wie China und Russland heute ebenfalls nicht von Journalisten aufgedeckt, sondern von Bloggern publik gemacht, die über Missstände in ihren Ländern berichten. Mangels anderer Quellen werden diese Blogs auch von westlichen Journalisten als Quellen genutzt, wenn sie diese Themen aufgreifen wollen.


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