Logo DFJV

Jetzt Mitglied werden und sofort profitieren!

Werden Sie jetzt Mitglied und lassen Sie sich kostenlos und individuell von unseren Experten beraten.

Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden und sofort profitieren!

Werden Sie jetzt Mitglied und lassen Sie sich kostenlos und individuell von unseren Experten beraten.

Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden und sofort profitieren!

Werden Sie jetzt Mitglied und lassen Sie sich kostenlos und individuell von unseren Experten beraten.

Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden und sofort profitieren!

Werden Sie jetzt Mitglied und lassen Sie sich kostenlos und individuell von unseren Experten beraten.

Mitglied werden

Psychologie vermitteln – von der Forschung in den Alltag

20.08.2025
Titelillustration: Esther Schaarhüls

Als Wissenschaftsjournalist schreibt Jochen Metzger seit vielen Jahren über Forschung. Im Fachjournalist-Interview erzählt er, weshalb ihn das Psychologie-Ressort fasziniert, wodurch er sich von anderen Psychologie-Journalist*innen abhebt und was er jungen Kolleg*innen für ihre Berufswahl rät.

Wie kamst Du ursprünglich zum Journalismus?

Das begann, als meine Tochter ein Jahr alt war und ich vor allem Hausmann und Vater. Jemand von der taz Hamburg rief an und fragte, ob ich ein Praktikum bei ihnen machen wolle. Ich hatte aber keine Zeit. Wegen des Kindes und weil ich nebenbei noch mein Studium abschließen wollte.

Was hast Du studiert?

Zunächst Philosophie und Rhetorik in Tübingen, dann Germanistik, Psychologie und Soziologie in Oldenburg.

Und wie bist Du zu guter Letzt dann doch Journalist geworden?

Die Kollegin von der taz hat zehn Minuten später noch einmal angerufen und mir einen anderen Termin für das Praktikum vorgeschlagen. Da hatte ich Zeit und so habe ich zugesagt.

Das Kuriose an der Sache: Der Praktikumsplatz war eigentlich für einen guten Freund von mir bestimmt gewesen. Aber der hatte inzwischen ein Volontariat angefangen, musste deshalb absagen und hat der Kollegin einfach meine Nummer gegeben. Sozusagen als Trostpreis. Ich wusste nichts von der Aktion, hatte mich nie bei der taz beworben und auch nie daran gedacht, Journalist zu werden. Rückblickend hat die Aktion mein Leben verändert. Nach dem ersten Tag in der Redaktion war mir klar: Das ist der beste Job der Welt. Das will ich unbedingt machen.

Was war so interessant daran?

Ich habe gemerkt: In dem Job kannst du permanent neue Dinge lernen, neue Leute treffen – und dann anderen Leuten davon erzählen. Für mich war das ein rauschhaftes Erlebnis.

Warum hast Du Dich auf das Ressort Psychologie fokussiert?

Da war auch wieder ganz viel Zufall im Spiel. Ich habe mich 2008 selbstständig gemacht und wusste, dass ich mich spezialisieren muss. Also habe ich versucht, als Autor bei Psychologie Heute unterzukommen. Ich war schon länger Fan des Magazins und kannte Heiko Ernst, den damaligen Chefredakteur, weil ich ihn ein paar Mal interviewt hatte. Meine ersten Themenvorschläge sind trotzdem alle in der Tonne gelandet.

Wie hat es dann doch noch geklappt?

Irgendwann hat ihn doch ein Thema interessiert. Heiko Ernst meinte sinngemäß: „Schreib mal 20.000 Zeichen darüber – aber ohne Garantie, dass wir das kaufen. Erstmal sehen, ob’s uns gefällt.“ Zum Glück mochte er die Geschichte. Ein paar Artikel später hatte ich das Gefühl: Jetzt hat die Redaktion mich sozusagen adoptiert. Ich bin da sehr wertschätzend behandelt worden und das ist bis heute so geblieben. Ein Glücksfall!

Worüber schreibst Du am liebsten?

Über psychologische Forschung. Anfangs waren das vor allem Studien aus den USA. Es gab nicht so viele Leute, die den ganzen Tag lang englischsprachige Fachartikel und Statistiken lesen wollten.

Auf welche Geschichte bist Du stolz?

Neulich gab’s in Psychologie Heute zum Beispiel eine Titelgeschichte namens „Pause fürs Pflichtgefühl“. Darin geht es um die neueste Forschung zum Thema Genussfähigkeit: Wie gut bekommen wir es hin, uns zu entspannen, ein Essen oder eine Serie zu genießen? Warum fällt das einigen leichter als anderen? Zwei Psychologinnen aus Deutschland haben da ziemlich spannende Sachen herausbekommen. Das war eine coole Geschichte für mich.

Sollte sich jemand mit dem Gedanken tragen, in deine Fußstapfen zu treten: Was müssen Psychologie-Journalist*innen generell können?

Wenn man Wissenschaftsjournalismus machen will, sollte man Bock darauf haben, viele, viele trockene Studien zu lesen. Das ist das Wichtigste.

Wie kommst Du an Themen?

Ich war für mehr als sechs Jahre viel in den USA, habe mich dort fast ausschließlich in der Uni-Bubble bewegt und jeden Tag mit Forschenden gesprochen: „Woran arbeitet Ihr gerade? Welche Theorien sind momentan in Eurem Feld heiß?“ Das war ein tolles Biotop!

Wenn man Wissenschaftsjournalismus machen will, sollte man Bock darauf haben, viele, viele trockene Studien zu lesen.

Heute mache ich es eher so, dass ich sehr regelmäßig neue Studien lese. Außerdem besuche ich Forschungs-Konferenzen, bei denen ich von Experimenten oder Ansätzen höre, die noch nicht veröffentlicht sind. Bei einigen dieser Konferenzen bin ich tatsächlich der einzige Journalist.

Woher weißt Du, ob Du einer Top-Geschichte auf der Spur bist?

Im Journalismus suchen wir ja vor allem das ganz Neue. Im Wissenschaftsjournalismus funktioniert das nur bedingt. Hier sollte ich die Jubel-Fanfare erst dann auspacken, wenn mehrere Studien – am besten von verschiedenen Teams – zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Es ist also nicht immer eine gute Idee, der Erste zu sein, der eine Geschichte erzählt.

Welche Quellen gelten für Dich als besonders vertrauenswürdig?

Alle Studien, die das Peer-Review-Verfahren durchlaufen haben. Das bedeutet: Zwei oder drei anerkannte Fachleute haben den Artikel gelesen und für gut befunden. Das sind meine Quellen. Solche Artikel sind zwar auch nicht immer richtig, liegen aber näher an der Wahrheit als die meisten anderen Texte, die man so in die Finger bekommt.

Im Journalismus suchen wir ja vor allem das ganz Neue. Im Wissenschaftsjournalismus funktioniert das nur bedingt.

Wie schaffst Du den Spagat zwischen wissenschaftlicher Genauigkeit und journalistischer Verständlichkeit?

Das haben mir meine Kinder beigebracht. Irgendwann habe ich angefangen, ihnen abends von meinen Geschichten zu erzählen. Das war immer eine Art Lackmustest. Ich wusste: Wenn die Kinder nicken und begeistert sind, dann ist die Geschichte verständlich und spannend zugleich.

Welche Verantwortung trägst Du, wenn Du über psychische Erkrankungen oder Therapieformen berichtest?

Da gibt es natürlich eine Gefahr: dass man Hoffnungen weckt, die sich nicht halten lassen. Dass man die Macht neuer Interventionen oder Behandlungsmethoden überverkauft.

Gab es Themen, bei denen Du besonders vorsichtig oder sensibel vorgehen musstest?

Absolut! Für GEO habe ich beispielsweise eine Titelgeschichte darüber geschrieben, wie man mit Magic Mushrooms eine Depression behandelt. Es wäre einfach gewesen, darüber eine Hype-Geschichte zu machen. „Die neue Wunderdroge gegen Depressionen“ oder so etwas. Da muss man immer wieder auf die Bremse treten und sagen: Ja, diese Behandlung wird vielen Menschen helfen. Aber viele Betroffene werden auch leer ausgehen.

Wie hat sich das öffentliche Interesse an psychischen Themen in den letzten Jahren verändert?

Es gibt sicherlich eine Psychologisierung des Alltagsdiskurses; Fachbegriffe wie „Burn-out“, „Resilienz“ oder „Narzissmus“ sind längst Teil unserer Sprache geworden. Auf Social Media wird natürlich jede Menge Unsinn über Psychologie erzählt.

Trotzdem gibt es auch Leute, die psychologische Forschung sehr unterhaltsam und zugleich seriös vermitteln. Leon Windscheid zum Beispiel. Die Sachen, die ich von ihm mitkriege, gefallen mir insgesamt richtig gut.

Es gibt sicherlich eine Psychologisierung des Alltagsdiskurses; Fachbegriffe wie „Burn-out“, „Resilienz“ oder „Narzissmus“ sind längst Teil unserer Sprache geworden.

Welche Rolle spielen Social Media für Dich bei der Recherche?

Twitter war bis zur Übernahme von Elon Musk ein Schlaraffenland für Leute wie mich, weil dort die Wissenschafts-Community sehr lebendig über neue Studien und Theorien diskutiert hat. Das hat zuletzt deutlich abgenommen. Für meine eigenen Posts ist LinkedIn inzwischen die wichtigste Plattform.

Geht’s bei all deinen Geschichten um Psychologie?

Inzwischen schon. Ich hoste seit ein paar Jahren auch den Audible-Podcast „Sag mal, du als Psychologin …“ zusammen mit Barbara Lich und Muriel Mertens. Und ich bin regelmäßig Gast bei der P.M.-Podcastreihe „Schneller schlau“.

Was reizt Dich am Podcast?

Ich kann da Geschichten schneller und manchmal auch flapsiger erzählen. Das gefällt mir. Und dann fasziniert es mich, dass man mit einem Podcast eine direktere Beziehung zu den Zuhörenden aufbaut. Ich spreche da ja mit meiner eigenen Stimme. Das hatte ich am Anfang unterschätzt. Ein Podcast ist eine sehr lebendige Form der Kommunikation.

Wie verändert künstliche Intelligenz Deine Arbeit?

Ich muss meine Interviews noch immer selbst führen und die wichtigen Studien immer noch selbst lesen, weil die Maschinen eben halluzinieren und immer wieder Unsinn erzählen. Trotzdem: Ich mache manche Vorrecherchen mit NotebookLM von Google. Damit kann ich schneller einschätzen, ob eine neue Forschungsrichtung eine Geschichte für mich ist.

Insgesamt nutze ich Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini, als wären das junge Leute, die gerade ein Praktikum bei mir machen. Sie unterstützen mich, sind irre schnell und irre fleißig. Aber sie machen natürlich Fehler. Ich kann mir ihre Vorschläge anhören und Ideen mit ihnen diskutieren – aber sie können nicht meine Texte schreiben. Das ist zumindest der Stand von heute. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Sache in ein paar Jahren ganz anders aussehen wird.

Welchen Rat würdest Du jungen Journalist*innen geben, die ins Psychologie-Ressort wollen?

Ich habe keine Ahnung, ob es in fünf oder zehn Jahren überhaupt noch Psychologiejournalistinnen oder -journalisten geben wird. Es fällt mir deshalb schwer, anderen Leuten kluge Tipps zu geben. Ich kann aber ganz generell ein paar Dinge dazu sagen, wie man seinen Weg in die Berufswelt findet.

Ich habe keine Ahnung, ob es in fünf oder zehn Jahren überhaupt noch Psychologiejournalistinnen oder -journalisten geben wird.

Da gibt es eine Methode namens „Planned Happenstance“, die ich sehr mag. Sie besagt: Alle gelungenen Karrieren entstehen durch eine Kette glücklicher Zufälle. Bei der Berufswahl handelt es sich um eine Art Tombola. Man sollte dafür sorgen, dass man möglichst viele Lose in der Trommel hat.

Wie gelingt das?

Indem man wach durch die Welt geht. Dir wird immer wieder wer begegnen, bei dem du denkst: „Das interessiert mich, das inspiriert mich! Dann lautet der Rat: Schreib diese Person an. Frag nach: Kann ich dir ein paar Fragen stellen? Ich brauche nur zehn Minuten. Eine Tasse Kaffee, mehr nicht.“ Da werden mehr Leute zusagen, als man denkt. Und dann muss man eben so viel rauskriegen, wie möglich. Dadurch bekommt man ein viel besseres Gefühl dafür, ob so ein Beruf etwas für einen sein könnte.

Mit der Zeit werden durch solche Kontakte auch Türen für einen aufgehen. Das lässt sich überhaupt nicht vermeiden.

Als Berufsanfänger würde ich mich wieder dem Zufall überlassen, dem Prinzip von Planned Happenstance.

Fiele Deine eigene Wahl wieder auf den Journalismus?

Unter den Bedingungen von heute würde ich nicht mehr in den Print-Journalismus gehen. Der Markt ist viel zu kaputt. Als Berufsanfänger würde ich mich wieder dem Zufall überlassen, dem Prinzip von Planned Happenstance. Also: viel ausprobieren und dann intuitiv spüren, wo es für mich am besten passt. Aber was das konkret wäre? Keine Ahnung. Man sieht’s den Sachen ja nicht von außen an. Wenn ich wissen will, wie das Wasser so ist, muss ich ins Meer springen. Anders geht’s nicht.

Das Magazin Fachjournalist ist eine Publikation des Deutschen Fachjournalisten-Verbands (DFJV).


© Dennis Williamson
Jochen Metzger (Jahrgang 1969) lebt in Hamburg. Er studierte Philosophie und Rhetorik in Tübingen, dann Germanistik, Psychologie und Soziologie in Oldenburg und volontierte danach beim Heinrich Bauer Verlag. Seit 2008 schreibt er als Wissenschaftsjournalist für Magazine wie Psychologie Heute, Geo oder P.M. und er ist Host beim Podcast „Sag mal, du als Psychologin …“, der 2022 auf Platz 1 der Audible-Hörbuch-Bestsellerliste stand.


Ulrike Bremm
© Nadine Heller-Menzel

Die Journalistin Ulrike Bremm macht die Persönlichkeit und die Expertise ihrer Interviewpartnerinnen und -partner sichtbar. Sie interviewt Prominente, Fachleute, Selbstständige sowie Personen aus Politik und Wirtschaft – für Magazine, Websites, Videos, Newsletter, Pressemitteilungen, Flyer, Bücher usw. Im Fachjournalist veröffentlicht sie regelmäßig Interviews mit Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedensten Ressorts. Ihr Wissen aus 25 Jahren Erfahrung teilt sie als Dozentin.

Überzeugen Sie sich von unseren Leistungen

Mitglied werden
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner