Historie

Das Ressort des Modejournalismus ist älter, als die Modefans vielleicht meinen. Denn die erste deutsche Modezeitschrift erschien bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Der Modejournalismus hängt also sehr eng mit der Geschichte der Mode im Allgemeinen sowie der Geschichte des Journalismus im Besonderen zusammen. Der Modejournalismus darf also als wichtiger Indikator für die gesellschaftlichen Veränderungen zwischen Mittelalter und Moderne gelten.

Umwälzungen schlagen sich in der Mode nieder

Über Jahrhunderte hinweg gab es keine modischen Trends, wie man sie heute kennt. Denn die Menschen trugen über Generationen hinweg dieselben Kleidermodelle, bei welchen es keine großartigen Veränderungen gab. Das waren in der Antike Tunika und Toga, die aus einem einzigen Stück Stoff bestand. Die Bürger des Römischen Reiches etwa trugen nur mit einem wesentlichen Unterschied dieselbe Kleidung: Nur die reichen Bürger konnten sich den seltenen Farbstoff Purpur leisten und färbten ihre Kleider entsprechend ein. Besondere Staatskleider wurden ebenfalls besonders eingefärbt, ansonsten bestand das Kleidungsstück aus weißer Wolle. Die Mode änderte im Römischen Reich nur insofern, als die Toga etwa in der Kaiserzeit auf eine andere Art getragen wurde als während der Republik.

Eine größere modische Vielfalt herrschte während des Mittelalters, also etwa im Zeitraum von 500 nach Christus bis 1.500 nach Christus. Die Europäer trugen nun Kleidungsstücke aus Nesseltuch oder Flachsfaser. Allerdings war in diesen Jahrhunderten durch die Ständeordnung streng reglementiert, wer welche Kleidung tragen durfte. Erst mit dem ausgehenden Mittelalter ab dem frühen 16. Jahrhundert, wechselte die Mode häufiger. Allerdings hielten sich die einzelnen Modetrends über Jahrzehnte hinweg. Bis zur französischen Revolution waren die europäischen Adelshäuser die modischen Trendsetter, an welchen sich das Bürgertum orientierte.

Das erste Modemagazin erscheint

Als erstes Modemagazin erschien das "Journal des Luxus und der Moden" ab 1786, also drei Jahre vor der Französischen Revolution, welche die Gesellschaft nachhaltig verändern sollte. Die Gründer des Journals waren der Verleger Friedrich Justin Bertuch aus Weimar sowie der Künstler Georg Melchior Kraus. Das Journal erschien als Loseblattsammlung, also in nicht gebundener Form. Die Leser fanden im Journal nicht nur Berichte über neue Modetrends aus den europäischen Großstädten, sondern auch andere Lifestyle-Themen wie Musik oder Gartengestaltung. Auch über wichtige politische Ereignisse berichtete das Journal, das mit kolorierten Kupferstichen illustriert war. Rund 25.000 Leser wurden bis 1827 vom Journal des Luxus und der Moden informiert.

Der Modejournalismus erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Nach dieser kurzen Episode fiel der Modejournalismus für einige Jahrzehnte lang in einen Dämmerschlaf. Noch hatten sich Zeitungen und Zeitschriften nicht als Massenmedien durchgesetzt und zudem erlebte die Adelsherrschaft in den meisten europäischen Staaten nach den Napoleonischen Kriegen eine neue Renaissance, sodass die Herrscher auch modisch wieder Trendsetter blieben. Das zeigte sich am deutlichsten währen der Gründerzeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Preußen hatte die kleindeutsche Lösung militärisch durchgesetzt, die deutschen Könige zeigten sich in der Öffentlichkeit am liebsten in Uniform. Vor allem die Männer eiferten den adeligen Vorbildern nach und kleideten sich betont militärisch.

Erst nachdem sich im Zuge der Industriellen Revolution eine Schicht von Bürgern herausgebildet hatte, die es zu einem gewissen Wohlstand gebracht hatte, erwachte das Interesse an der Mode neu. Dieser Entwicklung zollte der US-amerikanische Herausgeber Arthur Baldwin Turnure Rechnung, indem er die Zeitschrift Vogue gründete. Diese gilt als erste moderne Modezeitschrift und hat sich im Laufe der Jahrzehnte eine Position als das führende Leitmedium im Modejournalismus entwickelt. Selbst etablierte Fotografen, Modeschöpfer und Models verweisen heute mit Stolz auf Publikationen in der Vogue als Referenz.

Der Modejournalismus erwacht zur Blüte

In den Goldenen 1920er Jahren revolutionierten junge Designer wie Paul Poiret und die legendäre Coco Chanel, die vom Time Magazine in die Reihe der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts aufgenommen wurde, die Welt der Mode. Über diese Umwälzungen berichteten auch die verschiedenen Medien ausführlich. Allerdings führte der Modejournalismus bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eher ein Schattendasein. Das hatte in erster Linie wirtschaftliche Gründe. Denn nach wenigen Jahren des Booms herrschte ab dem Ende der 1920er Jahre wirtschaftliche Not. Die Mediennutzer hätten zwar prinzipielles Interesse an Mode gehabt, jedoch mussten sie zunächst ihr bloßes Überleben sichern. Auch während des Zweiten Weltkriegs blieb kein Platz für Mode und Modejournalismus, weil die Wirtschaft in allen am Krieg beteiligten Ländern voll und ganz auf die militärische Produktion ausgerichtet war.

Die goldene Ära beginnt

Erst in den 1950ern begann die eigentliche goldene Ära des Wirtschaftsjournalismus. Die letzten Spuren des Krieges waren beseitigt und die Mediennutzer konnten sich in den Jahren des Wirtschaftswunders endlich das Luxusgut Mode leisten. Einen wichtigen Beitrag für den Bedeutungszuwachs leisteten auch die gesellschaftlichen Veränderungen der Nachkriegszeit: Die Jugend rebellierte gegen die etablierten Konventionen und gegen die Generation ihrer Väter und drückten diese Rebellion auch modisch aus: T-Shirt und Jeans wurden zur Uniform der Jugend, in den 1960er Jahren wurde der Minirock sogar zu einem Symbol für die sexuelle Revolution.

Für Designer bedeutete das: Sie hatten nun alle Freiheiten und nutzen diese auch weidlich aus. Nachdem es nun bedingt durch diesen gesellschaftlichen Ausbruch sowie durch die Vielzahl an Modemessen und Modenschauen mannigfaltige Themen für Modejournalisten gab, etablierten sich ab den 1950er Jahren zahlreiche Modezeitschriften auf dem Markt und der Modejournalismus hielt auch Einzug in die großen Publikumsmedien.

Neue Medien bringen einen neuen Aufbruch

Einen weiteren Aufschwung erlebte der Modejournalismus durch die Neuen Medien des Web 2.0. Nun konnten Modefans ohne journalistische Erfahrung mit wenig Aufwand über Mode berichten, was das grundsätzliche Interesse am Modejournalismus zusätzlich steigerte. Dieses gewachsene Interesse hat sich sogar auf die klassischen Medien niedergeschlagen, was eine Reihe von Magazin-Neugründungen wie Grazia belegt.


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