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RSF-Rangliste: Lage der Pressefreiheit 2026 wieder verschlechtert

Deutschland rutscht im Ranking weiter ab; rechtliche Rahmenbedingungen verschlechtern sich global.

Nachdem sich die Situation für Medienschaffende weltweit 2025 bereits auf einem „historischen Tiefstand“ befand (der DFJV berichtete), hat sich die Lage der Pressefreiheit im Laufe des vergangenen Jahres weiter verschlechtert – das belegt die diesjährige Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen.

Mehr als die Hälfte aller Länder sind demnach – zum ersten Mal seit dem 25-jährigen Bestehen der Rangliste – in den schlechtesten Kategorien „schwierig“ und „sehr ernst“ der Pressefreiheit vertreten. Rechtliche Einschränkungen nehmen weltweit zu, Journalismus wird immer häufiger kriminalisiert, das Recht der Bevölkerung auf Information wird immer mehr beschnitten – auch in Demokratien. Deutschland liegt auf Platz 14 der Rangliste und ist somit im Vergleich zum Vorjahr um weitere drei Plätze im Ranking abgerutscht.

Deutschland: Medienschaffende zunehmend bedroht, mehr Schutz gefordert

Die Gründe für die schlechter gewordene Platzierung Deutschlands hat bereits die diesjährige „Nahaufnahme Deutschland“ gezeigt:  Medienschaffende sind hierzulande – auf verschiedenen Ebenen – zunehmend Bedrohungen ausgesetzt. Neue, schnell wachsende Medienkreise aus dem rechtsradikalen Bereich verstärken die für viele Medienschaffende spürbare Ablehnung von journalistischer Arbeit. Werden Medienschaffende und Medien zum Ziel zugespitzter Kampagnen rechtspopulistischer Medien, nimmt zudem die journalistische Freiheit Schaden: Investigative Recherchen werden untergraben und Empörungswellen machen den Berufsalltag schwieriger. Hinzu kommt, dass die Medienpolitik kaum Fortschritte beim Schutz des Journalismus macht.

Reporter ohne Grenzen fordert, dass die deutsche Medienpolitik angemessen auf diese tiefgreifenden strukturellen Veränderungen reagiert. Dazu gehört insbesondere die steuerliche Anerkennung von gemeinnützigem Journalismus, die trotz entsprechender Ankündigungen im Koalitionsvertrag weiterhin aussteht und unabhängige, nicht-kommerzielle Medien im Sinne des Medienpluralismus stärken könnte. Zudem ist Deutschland bei der Umsetzung des European Media Freedom Acts (EMFA) in Verzug geraten; angesichts der Marktdominanz großer Tech-Plattformen fehlen bislang politische Antworten der Bundesregierung.

Der DFJV unterstützt diese Forderungen und betont darüber hinaus den Handlungsbedarf bei der Stärkung journalistischer Arbeitsbedingungen: Der wachsende Druck auf unabhängige Berichterstattung bestätigt die Kritik an unzureichenden Schutzmechanismen. Mit Blick auf Desinformation und die algorithmische Verstärkung polarisierender Inhalte fordert der Verband eine konsequente und transparente Umsetzung einer verbindlichen Plattformregulierung. Gleichzeitig braucht es strukturelle Verbesserungen in der Medienförderung, insbesondere für gemeinnützigen, aber auch lokalen Journalismus.

Global: Rechtlich immer mehr Einschränkungen für Journalismus

Und wie ist es international um die Lage der Pressefreiheit bestellt?  Nur sieben Länder erreichen in der Rangliste die Kategorie „gut“, die ersten 19 Länder der Liste sind europäisch. Norwegen ist erneut Spitzenreiter, die Niederlande sind auf Platz 2 und das beste EU-Land. Am unteren Ende bleiben Eritrea (180), Nordkorea (179) und China (178); Saudi-Arabien rutscht auf Rang 176 und gehört nun zu den Schlusslichtern.

Den stärksten Rückgang in der Rangliste verzeichnet Niger: Das Land ist im Vergleich zum Vorjahr um 37 Plätze auf Rang 120 abgestürzt. Dieses Beispiel zeige stellvertretend, wie sich die Lage für Medienschaffende in der gesamten Sahel-Region verschlechtert hat.

Syrien ist nach dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 hingegen am weitesten in der Rangliste aufgestiegen. Das Land verbesserte sich von Platz 177 auf 141 der Pressefreiheitsrangliste. Die Lage für Medienschaffende bleibe zwar kritisch, aber Syrien zeige in allen fünf Indikatoren Fortschritte, besonders im rechtlichen Bereich.

China zählt mit etwa 120 inhaftierten Medienschaffenden weiterhin zu den repressivsten Ländern für Journalistinnen und Journalisten. Die USA unter Präsident Donald Trump, der seit Jahren systematisch und in letzter Zeit mit ICE auch mit Gewalt gegen die Pressefreiheit vorgeht, fällt um sieben Plätze auf Rang 64.

In Russland wurden die ohnehin strengen Gesetze gegen Medienschaffende im letzten Jahr weiter verschärft. Die Ausweitung von Anti-Terror- und Extremismusgesetzen führt dazu, dass diese häufiger und durch mehrere Vorwürfe gleichzeitig angeklagt werden, was oft längere Haftstrafen zur Folge hat. Die Zahl der Strafverfahren ist deutlich gestiegen; viele Verurteilungen erfolgen inzwischen auch in Abwesenheit im Exil.

Insgesamt betrachtet, haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für Journalismus im letzten Jahr in 60 Prozent der untersuchten Länder und Territorien verschlechtert.  Das trifft auf unterschiedliche Staaten – zum Beispiel Indien (157), Israel (116), Japan (62) oder die Türkei (163) – zu. Georgien (135) wird als Beispiel dafür genannt, wie Gesetze gezielt gegen Journalismus eingesetzt und angepasst werden: Im Frühjahr 2026 wurde das ohnehin kontroverse Gesetz zur ausländischen Einflussnahme weiter verschärft. Damit wurde jegliche Art von ausländischer Unterstützung – ob finanziell oder ideell – praktisch unter Strafe gestellt.

Die von Reporter ohne Grenzen jährlich erstellte Rangliste der Pressefreiheit vergleicht die Lage von Medien und Medienschaffenden in 180 Ländern und Territorien. Die Bewertung basiert auf den Indikatoren Sicherheit, politischer Kontext, rechtlicher Rahmen sowie wirtschaftliches und soziokulturelles Umfeld. Der DFJV unterstützt die Arbeit von Reporter ohne Grenzen seit vielen Jahren als Fördermitglied.

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