Logo DFJV

Jetzt Mitglied werden und sofort profitieren!

Werden Sie jetzt Mitglied und lassen Sie sich kostenlos und individuell von unseren Experten beraten.

Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden und sofort profitieren!

Werden Sie jetzt Mitglied und lassen Sie sich kostenlos und individuell von unseren Experten beraten.

Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden und sofort profitieren!

Werden Sie jetzt Mitglied und lassen Sie sich kostenlos und individuell von unseren Experten beraten.

Mitglied werden

„Verkauf deine Geschichte mal anders, erzähl sie vor Menschen!“

19.05.2026 Gunter Becker
Titelillustration: Esther Schaarhüls


Ein Interview mit Alexander von Streit.

Je weiter der traditionelle Journalismus aus der digitalen Öffentlichkeit gedrängt wird, desto wichtiger werden analoge und authentische Begegnungen zwischen Journalist:innen und ihrem Publikum. Gleichzeitig boomt journalistisches Entertainment, etwa als Mischformen zwischen Comedy, Kabarett und Journalismus. Auf welche Entwicklungen sollten sich Journalist:innen wie einstellen? Alexander von Streit ist der Kopf hinter Media Rewilding, einer Initiative, die Journalismus durch Live-Events und Community-Formate wieder stärker in der Gesellschaft verwurzeln möchte. Im Gespräch mit Gunter Becker blickt er in die Zukunft des „Präsenz-Journalismus“.

Wie aktuelle Studien die Medienzukunft beschreiben

Aus dem Digital News Report des Reuters Institute (2026):
„Wir befinden uns noch in einem frühen Stadium einer weiteren großen Veränderung der Technologie (Generative AI) […] Gleichzeitig treiben Schöpfer und Influencer (Menschen) einen Wandel in Richtung persönlichkeitengeführter Nachrichten voran, auf Kosten von Medieninstitutionen, die sich oft weniger relevant, weniger interessant und weniger authentisch anfühlen können. Im Jahr 2026 dürften die Nachrichtenmedien von diesen beiden mächtigen Kräften weiter unter Druck gesetzt werden.“

Aus dem ARD Trendradar:
„Inmitten der globalen Informationsflut und der Digitalisierung des Alltags wächst das Bedürfnis nach Nähe, echten Begegnungen und Erlebnissen mit Tiefe. […] Für Medien ist dies relevant, weil ortsnahe, authentische Formate Bindung schaffen – mit Chancen für communitynahe Angebote und Herausforderungen für Moderation, Relevanz und .“

 

Herr von Streit, wir sprechen über journalistische Eventformate und Journalismus an „Dritten Orten“. Welche Projekte im Bereich Eventformate erscheinen Ihnen als wegweisend?

Das Naheliegendste ist der Journalismus auf der Bühne, als Show oder sonstige öffentliche Präsentation, mit einer Dramaturgie, über die dann Recherchen oder Inhalte transportiert werden.

Welche Projekte würden Sie in dem Zusammenhang konkret benennen?

Pop-up-Formate auf der Bühne gibt es ja bereits seit etwa zehn Jahren. In Deutschland wären die Formate Reporter Slam und Jive zu nennen, beide von der Headliner gUG veranstaltet. Die Reporter Slams adaptieren auf witzige Weise das Format des Poetry Slam für journalistische Inhalte. Jive ist eine choreografierte Bühnenshow mit Journalist:innen, manchmal auch monothematisch, etwa zum Thema Klima.

Funktioniert beim Publikum eher das bunte Magazinformat, mit vielen verschiedenen Recherchen und Beiträgen, oder eher das monothematische Format?

Ich glaube, das hängt einmal vom jeweiligen Publikum ab und zum anderen von der Finanzierung.

Das Jive-Format finanziert sich zum Teil durch Fördermittel und die bestimmen dann manchmal den Inhalt. Wenn das Geld zum Beispiel aus einem Wissenschaftsfond kommt, wird voraussichtlich Wissenschaftsjournalismus im Mittelpunkt des jeweiligen Jive-Abends stehen.

Live-Journalismus verlangt von Journalist:innen, dass sie selbst möglichst publikumswirksam auftreten können und ihre Recherchen einigermaßen spektakulär rüberbringen.  Schließt das nicht auch Kolleg:innen und Themen von dem Format aus?

Dass die Aufmerksamkeit für einen journalistischen Beitrag auch von einer gewissen Emotionalität abhängt, galt ja bereits vor dem Live-Journalismus – egal, ob als Radiobeitrag, gedruckt oder im TV.

Und natürlich ist nicht jede Journalistin, jeder Journalist gleichzeitig auch Entertainer:in. Ich glaube aber, dass es am Ende eher eine Frage der Vorbereitung und der Formatierung ist, ob ein Thema publikumswirksam und interessant rüberkommt oder nicht. Es müssen sich dazu nicht unbedingt die Autor:innen selbst auf die Bühne stellen. Vielleicht findet man andere Protagonist:innen und andere formale Möglichkeiten. Es ist daher nicht zwangsläufig eine neue Berufskompetenz von Journalist:innen, sich vor vielen Menschen zu präsentieren.

Gleichzeitig werden solche Formate aber immer wichtiger und sollten deshalb unbedingt in die Strategie einer Medienmarke eingebaut werden.

Direkt dazu: Fun Facts ist ein Format, bei dem nicht die Journalist:innen selbst, sondern Promis Recherchen vor Publikum präsentieren. Redaktioneller Partner ist Correctiv. Die Marke will „Fakten durch Humor und Prominenz zu mehr Reichweite verhelfen“. Bekannte Köpfe wie Eckart von Hirschhausen, Karoline Herfurth, Hannes Jänicke oder Luisa Neubauer treten bei Live-Events und in Videos auf und zeigen „humorvoll und konstruktiv, was wirklich wichtig ist“. Ist das massenwirksam?

Auf jeden Fall. Wenn das Publikum bereits eine enge Beziehung zu den Menschen hat, die hier hosten, gibt es eine wichtige Verzahnung für die journalistischen Distributionsstrategie.

An Fun Facts finde ich interessant, dass das Konzept nach meiner Kenntnis nicht aus dem Journalismus kommt, sondern aus der Comedy oder dem Kabarett. Viele der Agierenden stammen aus diesen Genres, haben aber das Bedürfnis, zusammen mit journalistischen Medien in die Gesellschaft hineinzuwirken.

Wenn das Publikum bereits eine enge Beziehung zu den Menschen hat, die hier hosten, gibt es eine wichtige Verzahnung für die journalistischen Distributionsstrategie.

Das Endprodukt hat zahlreiche Analogien zu TV-Sendungen, wie der heute Show, dem ZDF Magazin Royale von Böhmermann oder Extra 3, die alle gleichzeitig als klassisches politisches Kabarett und in einem gewissen Rahmen auch journalistisch funktionieren.

In der Distribution steht dann allerdings das digitale Produkt stark im Vordergrund. Aus den Live-Shows werden nur Teile, etwa die einzelnen Sketche, ins Video übernommen. Der Rest ist dann normales Live-Programm. Das ist ein Hybrid, der sich auch noch einruckeln muss und trotzdem sehr interessant ist – auch weil sich so viele bekannte Künstler:innen daran beteiligen.

Opfert solch eine Art von Live-Journalismus nicht doch am Ende der Bühnenshow zu viele Fakten? Muss man Recherchen dafür nicht zu sehr reduzieren und dramatisieren? Umgekehrt gefragt: Würden uns tiefe, komplexe und faktenreiche Recherchen auf der Bühne nicht eher langweiligen und tauchen deshalb gar nicht erst dort auf?

Ich glaube nicht, dass ein Bühnenauftritt die Aufgabe hat, die gesamte Geschichte vollständig zu erzählen. Vielleicht erzählt er nur einzelne Aspekte, den Kern, den Hintergrund oder eine Seitengeschichte – und die ganze Geschichte selbst wird dann an anderer Stelle ausführlich erzählt.

Das hängt auch davon ab, wie weit man in der Dramaturgie gehen will: bleibt man hart an den Details oder bereitet man die Fakten und Daten stark dramaturgisch auf? Zeigt man dem Publikum auf der Bühne alles oder will man es eher zum eigenen Nachlesen – vor oder nach dem Live-Event – motivieren?

Live-Formate sollen den bisherigen Journalismus ja nicht ersetzen. Stattdessen sollen sie dem Journalismus ein weiteres Fenster zur Gesellschaft öffnen.

Ursprünglich war die Headliner uUG so etwas wie der „Platzhirsch“ bei dem Format. Jetzt lässt sich beobachten, dass auch die Medienhäuser ihre eigenen Live-Journalismus-Events veranstalten. Stimmt diese Beobachtung? Haben Sie Beispiele für diese Entwicklung?

Da wird tatsächlich gerade von verschiedenen Verlagen an vielen Stellen experimentiert.

Die Zeit zum Beispiel ist mit Live-Ausgaben ihrer Podcasts „Zeit Verbrechen“ und „Alles gesagt“ aktiv. Der Berliner Tagesspiegel veranstaltet seine Checkpoint Revue. Die Süddeutsche Zeitung hat Ende April in München „10 Jahre Panama Papers“ auf die Bühne des Mathäser Filmpalasts gebracht. Diese Veranstaltung war komplett ausverkauft. Ich selbst habe keine Tickets mehr dafür bekommen.

Live-Formate sollen den bisherigen Journalismus ja nicht ersetzen. Stattdessen sollen sie dem Journalismus ein weiteres Fenster zur Gesellschaft öffnen.

Speziell für ein junges Publikum startet die Süddeutsche das Mindpop-Festivalformat. Auch die Events des Handelsblatts wären zu nennen, obwohl das eher Fachkonferenzen sind. Und auch kleinere Start-ups, wie das alternative Münsteraner Lokalmedium RUMS, gehen mit solchen Formaten in die Öffentlichkeit.

Bereits länger in dem Thema unterwegs ist das gemeinnützige Medienhaus Correctiv, das mit seinen Recherchen und Geschichten auf Bühnen und auf anderen öffentlichen Plätzen auftritt.

Verdrängen da die großen Verlagsmarken mit ihrer Marktmacht und ihren Produkten so einen kleinen diversen Veranstalter, der eigentlich mehr Vielfalt im Live-Journalismus abbildet?

Ich sehe das gar nicht als Gefahr. Ich würde mir eher wünschen, dass die Großen alle in den Live-Journalismus einsteigen – und die Kleinen dazu.

Es gab und gibt immer und überall Pioniere, die ihre Ideen realisieren und weiterentwickeln und dann größere Organisationen, die dem folgen, sobald sie sehen, dass es funktioniert. Diese Entwicklung ist für das Geschäftsmodell von Headliner natürlich eine Herausforderung, obwohl sie mit dem Reporter Slam ein starkes Format haben. Ich finde es grundsätzlich aber wichtig für den Journalismus und für die Gesellschaft, dass sich das Feld weiterentwickelt.

Sollte man Live-Performance-Kompetenz mit in die journalistische Ausbildung aufnehmen?

Den Gedanken finde ich sehr interessant. Dirk von Gehlen ist schon einen Schritt weiter und hat an der Deutschen Journalistenschule gerade einen Kurs zum Thema „Vor Publikum sprechen“ begonnen.

Auch wenn es nicht zu jeder Persönlichkeit passt, kann man doch während der Ausbildung mal verlangen: „Verkauf deine Geschichte mal anders, erzähl sie vor Menschen.“

In den sozialen Medien ist das Personal Branding, das „selbst vors Publikum treten“ in Form von Videoreels und Podcasts, für viele Journalist:innen inzwischen Tagesgeschäft. Braucht es da die Live-Veranstaltung überhaupt noch? Gehört der Liveauftritt nicht längst zum Berufsbild dazu?

Ja, das ist bereits journalistische Gegenwart in den digitalen Medien. Und diese sind gleichzeitig die Zukunft unserer journalistischen Kommunikation.

Problematisch ist nur, dass es zukünftig wahrscheinlich immer schwieriger werden wird, die Menschen im digitalen Raum mit journalistischen Inhalten und Köpfen zu erreichen. Und deshalb wird es wichtiger, zusätzlich auch über analoge Begegnungen zwischen dem Journalismus und der Öffentlichkeit nachzudenken und darüber zu sprechen.

Ich selbst habe bisher bei verschiedenen Live-Journalismus-Abenden vorwiegend ein junges, urbanes „Ausgeh-Publikum“ gesehen. Schließt das Format andere Zielgruppen, zum Beispiel Ältere, weniger mobile, weniger erlebnisorientierte und sozial schwächere Menschen, aus?

Ich vermute, dass die Älteren mit dem Format fast noch leichter zu erreichen sind als die Jüngeren.

Es hängt stark damit zusammen, wie man solch ein Journalismus-Event plant: Habe ich bestimmte Inhalte, die ich zu einer bestimmten Zielgruppe bringen möchte? Wo finde ich diese Zielgruppe? Das ist ja eine klassische Vorgehensweise in der Distribution.

Im Theater ist vielleicht eher ein Bildungsbürgertum 50 plus zu finden. Und wenn ich als Veranstalter:in dort hingehe, erreiche ich wahrscheinlich auch das klassische Stammpublikum des Hauses. Inhaltlich wird man dann vermutlich ebenfalls auf dieses Publikum zielen.

Eine solche Veranstaltung funktioniert am Ende als Funnel, als Trichter, über den man Menschen vom Erstkontakt bis zum Abonnement führen kann. Und umgekehrt sind solche analogen Events für die Medienhäuser ein toller Benefit für ihre langjährigen Abonnent:innen.

Das führt uns zum Thema „Journalismus an dritten Orten“. Ist man als Journalist, der ein möglichst breites Publikum treffen möchte, nicht besser an niedrigschwelligen Plätzen aufgehoben, etwa auf dem Wochenmarkt, beim Straßenfest oder am Fußballstadion? Dort erreiche ich alle. Ich erinnere an das jährliche Straßenfest beim b future-Festival des Bonn Institute oder an die Rückkehr des mittelalterlichen Stadtschreiers im Badischen.

Absolut. Wir sollten uns von dem Bild befreien, dass analoge Begegnungen mit Journalismus immer auf einer Bühne oder in einem geschlossenen Haus stattfinden müssen.

Es geht natürlich auch darum, sich mitten auf den Marktplatz zu stellen und mit Leuten zu sprechen. Das ist die Urform des Lokaljournalismus, die wir etwas verlernt haben – auch wegen der fehlenden Ressourcen. Deswegen müssen wir mehr über „Dritte Orte“ sprechen, an denen Journalismus stattfinden kann, und nicht nur über Live-Formate.

Wir sollten uns von dem Bild befreien, dass analoge Begegnungen mit Journalismus immer auf einer Bühne oder in einem geschlossenen Haus stattfinden müssen.

Welche Projekte halten sie in diesem Bereich für wegweisend?

Auf jeden Fall Spotlight, die offene Redaktion des gemeinnützigen Medienhauses Correctiv in einem Café in Gelsenkirchen, mitten in der Fußgängerzone.

Der Ort funktioniert gleichzeitig als Café und als Lokalredaktion und schafft Verbindungen zwischen verschiedenen Besucher:innengruppen. Eine Keimzelle war vermutlich der mobile Kaffeewagen beziehungsweise das Marktviertel-Projekt von Correctiv-Geschäftsführer David Schraven. Dabei wurden Gastronomie mit Stadtteilarbeit und einem lokalen Newsletter verknüpft.

Auch das Schweizer Magazin Monocle betreibt in mehreren europäischen Großstädten gebrandete Cafés. Doch die haben einen anderen Charakter. Dort wird eher die Designwelt inszeniert, über die das Magazin berichtet. Sie haben weniger eine redaktionelle Funktion.

Ebenfalls eher als Ausstellungfläche und Gastrobetrieb funktionieren das im letzten Jahr eröffnete „ZEIT-Café“ in Berlin sowie das „ZEIT-Café in Hamburg. Da stehen dann zwar Zeit-Produkte im Regal, aber auch diese Orte  haben nicht direkt eine redaktionelle Funktion und sind eher eine Marketing-Maßnahme.

Wieder zurück zum Berufsbild. Für solche analogen lokalen Schnittstellen-Projekte braucht man Journalist:innen mit ganz neuen Skills und Kompetenzen, so eine Art Community Manager:innen. Wo kommen die her?

Wahrscheinlich müssen wir auch über ganz neue Berufsbilder im Journalismusbetrieb sprechen, die viel mit Event Management und Community Journalismus zu tun haben. Im digitalen Raum gibt es diese Jobs bereits. Diese Skills und Erfahrungen werden wir stärker in den analogen Rahmen übertragen müssen. Es könnte für Medienhäuser wichtig werden, solche Leute zu finden.

Wahrscheinlich müssen wir auch über ganz neue Berufsbilder im Journalismusbetrieb sprechen, die viel mit Event Management und Community Journalismus zu tun haben.

Bisher waren solche Events eher ein Thema für den Verlag, zukünftig werden sie auch Teil des redaktionellen Prozesses sein.


Bühnen, Events und „Dritte Orte“: Wie Journalismus neue Begegnungsräume schafft

Die Liveformate der gemeinnützigen Headliner uUG:

Reporter Slam
Nach dem Vorbild des Poetry Slams treten Reporter:innen auf einer Bühne gegeneinander an und präsentieren dem Publikum ihre Recherchen — möglichst mitreißend, pointiert und humorvoll. Am Ende kürt das Publikum den oder die „Slampion“. Das Format ist auch international unterwegs und feiert sein 10-jähriges Jubiläum.

JIVE
Jive ist ein Kofferwort aus „Journalismus“ und „Live“ und zugleich der Markenname eines weiteren Bühnenformats der Headliner uUG — ein Live-Magazin mit journalistischen Recherchen, Orchestermusik und Artistik. Gelegentlich sind die Jives monothematisch ausgerichtet, etwa als „Klima-Jive“. Förderer sind u. a. die Zeit Stiftung Bucerius und die Rudolf Augstein Stiftung.

Bühnen-Projekte des gemeinnützigen Medienhauses Correctiv:

Correctiv vermittelt seine Recherchen immer wieder auch in analogen Räumen und auf Bühnen. Bekannte Beispiele sind die Aufführung „Geheimplan gegen Deutschland“ am Berliner Ensemble, die Inszenierung „Das Kraftwerk“ am Staatstheater Cottbus und zuletzt eine „Rheinwasser-Recherche“ in Köln.

Fun Facts ist ein Hybrid-Format zwischen Liveshow und YouTube, bei dem Prominente in Kooperation mit Correctiv durchgeführte journalistische Faktenrecherchen präsentieren.

Zudem geht das Medienhaus bei Lesungen, Diskussionen und Workshops in den Austausch mit dem Publikum.

Live-Formate bekannter Verlagshäuser:

Die Zeit bringt mit seiner Tochter Zeit Veranstaltungen erfolgreiche journalistische Produkte, z. B. „Zeit Verbrechen“ oder „Alles gesagt?“, auch auf die Bühne. Fast schon ein Klassiker des Live-Journalismus ist mittlerweile die „Lange Nacht der Zeit“.

Der Berliner Tagesspiegel mit seinem Live-Format „Checkpoint Berlin Revue“ mehrere hundert Zuschauer:innen an.

Unter dem Label SZ Erleben inszeniert(e) die Süddeutsche Zeitung journalistische Live-Events, etwa das Mindpop-Festival für junge Leser:innen oder „10 Jahre Panama Papers“ im Münchner Mathäser Filmpalast.

Auch das alternative Münsteraner Stadtmedium RUMS bringt mit seiner „RUMS-Revue“ journalistische Inhalte auf die Bühne.

Journalismus an „Dritten Orten“:

Correctiv betreibt mit dem Spotlight in Gelsenkirchen eine neue digitale Lokalzeitung, die zugleich als offene Redaktion mit Cafébetrieb im Herzen der Stadt fungiert.

Das Magazin Monocle betreibt weltweit gebrandete Cafés, die jedoch vorwiegend der Präsentation der im Heft inszenierten Produktwelten dienen.

Auch die Zeit brandet Cafés in Hamburg und Berlin, in denen zwar Zeit-Produkte ausliegen und Ausstellungen stattfinden, die aber keine klar erkennbar redaktionelle Funktion erfüllen.


Alexander von Streit
© Thomas Linkel

Alexander von Streit ist Mitgründer, Herausgeber und ehemaliger Chefredakteur des unabhängigen Online-Magazins Krautreporter, für das er den Grimme-Online-Award erhielt. Er hat den Think&Do-Tank Vocer mitgegründet und als Chefredakteur die deutsche Ausgabe des Technologie-Magazins Wired mitentwickelt. Er leitete das Digital-Ressort bei Focus Online und war Chefredakteur des Medienmagazins Cover. Mit Media Rewilding untersucht er, wie Live-Events und Dritte Orte dazu beitragen können, dass Journalismus wieder Wurzeln in der Gesellschaft schlägt.


Gunter Becker
© Eberhard Kehrer

Gunter Becker schreibt seit Beginn der 1990er Jahre als freier Autor über elektronische und digitale Medien. Anfangs für Tageszeitungen, z.B. die taz und den Berliner Tagesspiegel und inzwischen vorwiegend für Fachmagazine. Für den Fachjournalist, das Medium Magazin und Menschen Machen Medien verfolgt er die digitale Transformation der Medien, stellt neue Berufsprofile vor und schreibt Service-Beiträge für Medienschaffende.

Sie veröffentlichen professionell?

Jetzt Mitglied werden
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner