DFJV sieht positive Umsatzentwicklung als Chance für mehr Investitionen in Beschäftigung sowie Aus- und Weiterbildung.
Die deutsche Fachmedienbranche erwirtschaftete 2025 einen Gesamtumsatz von 8,75 Mrd. Euro. Nach einem leichten Umsatzrückgang um 0,4 Prozent im Jahr 2024 verzeichnete die Branche 2025 wieder ein Wachstum von 2,5 Prozent – das geht aus der kürzlich veröffentlichten Fachpresse-Statistik 2025 hervor, die auf einer Marktschätzung sowie einer Online-Befragung unter den Mitgliedern der Deutschen Fachpresse beruht.
Digitalgeschäft bleibt Wachstumstreiber
Das Digitalgeschäft ist mit einem absoluten Anstieg um 276 Mio. Euro der wichtigste Umsatztreiber: Während die Printumsätze um 5 Prozent zurückgingen, legten die Digitalerlöse um 7 Prozent zu. Zuwächse verzeichneten zudem die Veranstaltungs- und Messeerlöse (plus 9,8 Prozent) sowie die Dienstleistungsumsätze mit einem Plus von 3,5 Prozent.
Zahl der Printtitel sinkt weiter
Die Zahl der Print-Fachzeitschriften verringerte sich im vergangenen Jahr um 131 auf 5.420 Titel. Dies entspricht einem Rückgang von 2,4 Prozent und setzt den langjährigen Negativtrend im Printbereich fort. Auch die Gesamtauflage sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent auf rund 531 Millionen Exemplare.
Bessere Entwicklung der Jahresergebnisse als prognostiziert
Die wirtschaftliche Entwicklung der Fachmedienhäuser fiel insgesamt besser aus als zuvor prognostiziert. Zwar sank der Anteil der Unternehmen, die eine Verbesserung ihres Jahresergebnisses meldeten, von 56 auf 46 Prozent. Gleichzeitig berichteten weiterhin nur 33 Prozent von einer Verschlechterung. 2024 rechneten zudem lediglich 31 Prozent der Befragten mit Wachstum für 2025, während 42 Prozent einen Rückgang erwarteten.
Für 2026 gehen inzwischen rund zwei Drittel von einem stabilen oder steigenden Jahresergebnis aus. Nur noch 30 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.
Qualität und Spezialisierung bleiben zentrale Stärken; KI-Nutzung etabliert
Als wichtigste Faktoren für die Wertigkeit ihres Angebots nennen die Fachmedienhäuser vor allem „Content-Qualität“ (75 Prozent) und „Marktkompetenz“ (67 Prozent). Dahinter folgen Vertrauen und Glaubwürdigkeit, Netzwerk- und Community-Kompetenz sowie Entscheidungsunterstützung.
Generative Künstliche Intelligenz hat sich in der Fachverlagswelt mittlerweile vollständig etabliert: Alle befragten Unternehmen gaben an, entsprechende Anwendungen zu nutzen. Zugleich wird KI deutlich seltener als zentrale Herausforderung wahrgenommen als noch im Vorjahr. Nach 68 Prozent im Jahr 2024 nennen nur noch 46 Prozent KI als Problemfeld.
Als besonders herausfordernd werden vielmehr generell „wirtschaftliche Unsicherheiten“ (79 Prozent) gefolgt von der Gewinnung von Neukunden sowie der Etablierung von neuen Geschäftsmodellen und Produkten (67 Prozent) genannt.
Beschäftigungsabbau gibt Anlass zur Sorge
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (58 Prozent) hat 2025 Personal abgebaut. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 30 Prozent. Gleichzeitig stellten nur noch 17 Prozent zusätzliche Mitarbeitende ein (nach 26 Prozent im Jahr zuvor). Die Beschäftigungsentwicklung wird ungünstiger bewertet als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) hat 2025 die Beschäftigung abgebaut, gegenüber 30 Prozent im Vorjahr. Dieses Ausmaß der negativen Entwicklung hätten die Verlage nicht erwartet: Im vergangenen Jahr rechnete nur rund ein Drittel für 2025 mit einem Beschäftigungsrückgang. Für 2026 erwartet mit 61 Prozent die Mehrheit nun einen gleichbleibenden Personalbestand.
Fazit
Die Statistik zeigt insgesamt eine wirtschaftlich robuste Entwicklung der Fachmedienbranche. Die steigenden Digitalerlöse und die stabile Nachfrage nach hochwertigen Fachinformationen zeigen: Publizistische Angebote mit klarer Spezialisierung, hoher fachlicher Kompetenz und enger Zielgruppenbindung bewältigen den digitalen Medienwandel vielfach besser als breit aufgestellte Allgemeinmedien. Professionelles Veröffentlichen mit einem hohen Grad an Spezialisierung bleibt dort unverzichtbar, wo verlässliche Informationen, Einordnung und Expertise gefragt sind.
Umso kritischer ist aus Sicht des DFJV der gleichzeitig massive Beschäftigungsabbau zu bewerten. Gerade vor dem Hintergrund steigender Umsätze und insgesamt stabilerer Geschäftsergebnisse braucht die Branche mehr Investitionen in journalistisches Personal, Qualifizierung und Nachwuchsförderung statt weiterer Kürzungen. Hochwertige, spezialisierte Publikationen leben von qualifizierten Redakteurinnen und Redakteuren, deren Arbeit in einem ohnehin zunehmend prekären Medienumfeld gesichert und gestärkt werden muss.
