OBS-Studie: Corona verschlechtert ohnehin prekäre Lage freier Medienschaffender Freie im Lokal- und Printjournalismus besonders betroffen

Wie haben sich Arbeits- und Lebenssituation freier Journalistinnen und Journalisten in der Corona-Zeit entwickelt und wie gehen diese damit um? Jenen Fragen ging eine Regionalstudie der Otto Brenner Stiftung nach. Dafür wurden 17 freie Journalistinnen und Journalisten sowie zehn Führungskräfte ortsansässiger Medien aus und um Bremen anhand qualitativer Leitfadeninterviews im Frühsommer 2021 befragt. Diese Datenbasis kann zwar als dürftig angesehen werden, jedoch wurde die Medienlandschaft Bremens laut Studienmacher:innen als „Mikrokosmos der deutschen Medienlandschaft“ herangezogen und die überregionale Gültigkeit der Ergebnisse durch Gespräche mit Personen aus Gewerkschaften und journalistischen Verbänden überprüft.

Die Ergebnisse zeigen, dass besonders Freie, die im Print- und Lokalbereich tätig sind, während der Pandemiezeit oftmals eine Verschlechterung ihrer oft bereits davor prekären Arbeits- und Einkommenssituation hinnehmen mussten. Da aufgrund von Corona viele Veranstaltungen nicht stattfinden konnten, Freie jedoch von Redaktionen häufig in der Berichterstattung über örtlich kulturelle, soziale und politische Ereignisse eingesetzt werden, fielen für diese ihre üblichen Aufträge fast zur Gänze weg. Die Einkommenseinbußen verstärkten das bestehende Problem, dass besonders nebenberuflich tätige Journalistinnen und Journalisten oft mit Honoraren abgespeist werden, die nicht einmal die Mindestlohngrenze erreichen. Dies trifft professionelle Journalistinnen und Journalisten, die zum Beispiel aus familiären Gründen weniger arbeiten, jedoch von den Verlagen als sogenannte „Hobby-Freie“ geführt werden, die demnach nicht von ihrer journalistischen Tätigkeit leben müssen – womit von den Betrieben eine schlechte Bezahlung gerechtfertigt werden könne. Die geringe Vergütung macht zudem auch eine angemessene Absicherung unmöglich, und von den Corona-Hilfen des Bundes waren „Solo-Selbstständige“ und damit auch freie Journalistinnen und Journalisten lange ausgeschlossen. Viele Freie hätten die Einbußen in der Pandemiezeit vielmehr durch private Maßnahmen abgefedert. Besonders freie Zeitungsjournalistinnen und -journalisten würden angesichts ihrer prekären Lage demnach überlegen, ihre journalistische Tätigkeit aufzugeben. Parallel dazu gäbe es auch vonseiten der Redaktionen aus Rationalisierungsgründen Überlegungen, auf den Einsatz nebenberuflicher Freie gänzlich zu verzichten.

Fatale Entwicklungen, die dazu führen könnten, dass die lokale Berichterstattung großteils aufgegeben werden muss – „mit schwerwiegenden Konsequenzen für die demokratische Öffentlichkeit“, wie die Mitautorin der Studie, Barbara Witte, warnt, denn „Lokal- und Regionalzeitungen spielen eine sehr wichtige Rolle, wenn es darum geht, entscheidungsrelevante Informationen aus dem Nahbereich der Bürgerinnen und Bürger zu generieren.“ Dies bekräftigt auch Jupp Legrand, Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung, der fordert: „Zur nachhaltigen Verbesserung der Entlohnungs- und Arbeitsbedingungen sowie der sozialen Absicherung aller freien Journalist*innen müssen gesetzliche Regelungen her, die eine weitere Erosion der Öffentlichkeit verhindern.“ Der DFJV teilt und unterstützt diese Ansichten und Forderungen der Studienmacher:innen sowie der Geschäftsführung der Otto Brenner Stiftung und verlangt den vermehrten Einsatz der Politik, insbesondere die Arbeitsbedingungen nebenberuflicher Medienschaffender gesetzlich verbindlich und damit dauerhaft zu verbessern .

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