Rollenverständnis

Obwohl der Wissenschaftsjournalist auf die Rolle des Vermittlers zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit festgelegt zu sein scheint, nimmt er im journalistischen Alltag eine Vielzahl an verschiedenen Rollen ein. Welche Rollen das im Einzelnen sind, hängt stark von der jeweiligen Mediengattung ab, für welche der Wissenschaftsjournalist arbeitet.

Der Wissenschaftsjournalist als Vermittler

Die wichtigste Rolle für den Wissenschaftsjournalisten ist die des Vermittlers. Sofern er in andere Rollen schlüpft, spielt diese dennoch im Hintergrund massiv in die aktuelle Rolle hinein. Denn in erster Linie geht es im Wissenschaftsjournalismus darum, für den Mediennutzer neue wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich darzustellen und Diskussionen, die sich vielfach aus Neuerungen ergeben, so zu moderieren, das die jeweilige Zielgruppe des Mediums dieser auch folgen kann. Die Herangehensweise an ein bestimmtes Thema hängt davon ab, ob der Wissenschaftsjournalist im Bereich der Naturwissenschaften oder im sozialwissenschaftlichen Fach arbeitet. In Naturwissenschaft und Technik beispielsweise reicht es sehr oft aus, wenn der Wissenschaftsjournalist die neue Erkenntnis verstanden und so verinnerlicht hat, dass er sie in eigenen Worten wiedergeben kann. Im Bereich der Sozialwissenschaften muss er dagegen häufig den Zusammenhang erläutern. Er kann beispielsweise ein historisches Ereignis nicht isoliert betrachten, sondern muss zumindest die Vorgeschichte, oft auch die Folgen, näher erläutern.

Der Wissenschaftsjournalist als Übersetzer

Unmittelbar mit der Rolle des Vermittlers hängt die Rolle des Übersetzers zusammen. Während sich Wissenschaftler selbst im persönlichen Gespräch der jeweiligen Fachsprache bedienen, wenn sie gemeinsam über ein bestimmtes Problem diskutieren, sollte der Wissenschaftsjournalist Fachbegriffe tunlichst vermeiden. Falls das aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, etwa weil der Beitrag dann zu unpräzise würde, muss er die Fachtermini zumindest erklären können. Der Wissenschaftsjournalist gilt also auch als Übersetzer aus der Fach- in die Hoch- oder Umgangssprache.

Der Wissenschaftsjournalist als Kritiker

Die Rolle des Kritikers nimmt der Wissenschaftsjournalist eher selten ein, dann aber dafür umso deutlicher. Im Bereich der Naturwissenschaften und Technik hat der Wissenschaftsjournalist häufig zu wenig Detailwissen zum speziellen Gegenstand der Berichterstattung, zumal die Forschungsergebnisse teilweise auch noch nicht vollständig gesichert sind. Der Wissenschaftsjournalist stellt in diesem Fall gegenteilige Meinungen von Wissenschaftlern neutral gegenüber, ohne eine persönliche Wertung einfließen zu lassen.

Lediglich wenn das jeweilige Thema aus dem Themenkomplex Naturwissenschaft und Technik eine große gesellschaftliche Relevanz hat, treten auch Wissenschaftsjournalisten als Kritiker auf. Im Bereich der Technik ist ein beliebtes Feld der Kritik die Atomenergie, in der Medizin Schönheitsoperationen. In beiden Fällen steht häufig die Kritik im Vordergrund der Berichterstattung. Im Bereich der Sozialwissenschaften sind es häufig die sogenannten Holocaustleugner, die Wissenschaftsjournalisten Anlass zur Kritik geben.

Der Wissenschaftsjournalist als Entertainer

Die Rolle des Entertainers nimmt der Wissenschaftsjournalist in erster Linie in Radio und Fernsehen ein. Hier geht es vordergründig darum, den Hörer oder Zuschauer auf unterhaltsame Weise zu informieren. Bei Formaten für Erwachsene tritt diese Rolle jedoch etwas in den Hintergrund, da beide Medien die Möglichkeit haben, den Mediennutzer durch eine entsprechende Geräuschkulisse oder die passenden Bilder in den Bann des jeweiligen Themas zu ziehen. Bei Formaten, die sich in erster Linie an Kinder und Jugendliche richten, ist hingegen der Wissenschaftsjournalist selbst gefragt, um in die Rolle des Entertainers zu schlüpfen. Er will in diesen Formaten das Wissen auf eine eher spielerische Art und Weise vermitteln.


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