Rezipienten

Der Wirtschaftsjournalismus galt lange Zeit als ein Ressort für Entscheidungsträger. Freiberufler und Gewerbetreibende informierten sich hier ebenso über die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung wie Führungskräfte in Behörden und Unternehmen sowie Mitarbeiter aus dem Finanzsektor wie Versicherungsmakler oder Bankkaufleute.

Ein Krisenressort?

Für wirtschaftliche Themen haben sich die Verbraucher in der Vergangenheit meist nur in Zeiten der Krise interessiert. So war die aktuelle Wirtschaftslage beispielsweise Anfang der 1930er Jahre während der großen Depression auch das Gesprächsthema in zahlreichen Familien und im gesellschaftlichen Rahmen. Zu den Zeiten, in welchen sich die große Masse der Mediennutzer zunehmend für Politik und Wirtschaft interessierte, gehören auch die Jahre nach den beiden Weltkriegen.

Dies war nach dem Ersten Weltkrieg besonders augenfällig: Denn hohe Reparationszahlungen an die Siegesmächte und Gebietsverluste hatten dem Deutschen Reich die wirtschaftliche Grundlage zumindest teilweise den Boden entzogen. Das wiederum stellte den Nährboden für radikale Kleinparteien dar, welche die Weimarer Republik ins Chaos stürzten.

Der Wirtschaftsjournalismus erreicht die breite Masse

Die Ölkrisen in den 1970er Jahren trugen massiv dazu bei, dass sich eine breite Masse an Mediennutzern dauerhaft mit Wirtschaftsjournalismus beschäftigte. Wirtschaftsjournalisten konzentrierten sich nicht mehr ausschließlich auf Nachrichten aus der Wirtschaft, sondern begannen auch, Zusammenhänge zu erläutern. Das setzte sich in den 1980er Jahren fort. Einen wesentlichen Anteil daran hatte die Umweltbewegung, die nach Ansätzen suchte, um Ökonomie in Einklang mit der Ökologie zu bringen.

Ein Aufschwung mit der Volksaktie

Eine weitere Hochphase bei den Mediennutzern erlebte der Wirtschaftsjournalismus während der 1990er Jahre. Nun zeichnete sich ab, dass die staatlichen Vorsorgesysteme alleine nicht mehr ausreichten. Während einerseits die Leistungen aus den Sozialversicherungen beschnitten wurden, legte die Bundesregierung andererseits verschiedene Fördermaßnahmen für die private Vorsorge auf. Die Bevölkerung informierte sich also im Wirtschaftsteil der großen Publikumsmedien sowie in verschiedenen Fachmagazinen über die besten Möglichkeiten zur Geldanlage.

Das gipfelte Mitte der 1990er Jahre mit dem Börsengang der Deutschen Telekom in einen regelrechten Boom des Wirtschaftsjournalismus. Denn auch der "einfache" Bürger hatte nun die Aktie als Anlageform entdeckt und wollte sich natürlich auch über die Entwicklung und das mögliche Potenzial seiner Geldanlage informieren.

Auch der Zusammenbruch des Neuen Marktes ab der Jahrtausendwende änderte nichts am ungebrochenen Interesse der Mediennutzer am Wirtschaftsjournalismus. Dafür sorgten einerseits politische Entscheidungen wie die Ausweitung des Euroraumes und andererseits die aktuellen Entwicklungen der Weltwirtschaft. So folge unmittelbar auf die Krise in der Automobilindustrie eine globale Finanzkrise. Ausgelöst wurde diese Entwicklung durch den völlig aufgeblähten Immobilienmarkt in den USA. Die faulen Kredite waren in Finanzprodukten untergebracht worden, die weltweit verkauft wurden. Und nachdem die Blase geplatzt war, wurden die nicht gedeckten Immobilienkredite in den USA plötzlich zu einem Problem für deutsche Anleger. Die weitere Entwicklung, die zum Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers und letztlich zum Staatsbankrott in Griechenland geführt hat, sorgte weiterhin für ein hohes Interesse an Wirtschaftsthemen bei nahezu allen Mediennutzern.


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