Historie

Der Wirtschaftsjournalismus ist untrennbar mit der Pressegeschichte verbunden. Die Geschichte dieses Ressorts reicht bis ins späte Mittelalter zurück, als Kaufmannsfamilien die sogenannten Kaufmannsbriefe als Informationsdienst gründeten, um das Risiko für ihre geschäftlichen Aktivitäten in Grenzen zu halten. Als Beispiel für diese Kaufmannsbriefe gelten die Fuggerzeitungen, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts als Sammlung von handschriftlichen Notizen erschienen.

Erst nachdem sich der Buchdruck als günstige Lösung zur weiteren Verbreitung des geschriebenen Wortes durchgesetzt hatte, entstanden während des 18. Jahrhunderts die Intelligenzblätter als neue Medien. Neben öffentlichen Verlautbarungen erschienen darin auch wirtschaftliche Nachrichten, etwa zu Handel, Gewerbe und Wechselkursen.

Der Wirtschaftsjournalismus etabliert sich

Es sollte jedoch noch bis ins 19. Jahrhundert dauern, bis sich der Wirtschaftsjournalismus als eigenständiges Ressort etabliert hatte. Von Anfang an enthielten die regionalen und überregionalen Zeitungen, die während des 19. Jahrhunderts gegründet wurden, einen eigenen Wirtschaftsteil. Die Bedeutung des Ressorts wuchs, nachdem sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Industrialisierung die rationelle Massenproduktion endgültig durchgesetzt hatte. Nun erlebten die Börsen als Handelsplatz für Wertpapiere und Unternehmensanteile einen Aufschwung. Die Mediennutzer, vor allem jene, die Geld in den Wirtschaftskreislauf investieren wollten, hatten nun großes Interesse an Nachrichten aus der Wirtschaft, aber auch an fundierten Analysen sowie Ratgebern in Finanzdingen.

Weil die Nachfrage nach Informationen aus der Wirtschaft ungebrochen hoch blieb, wurden an der Schwelle zwischen 19. und 20. Jahrhundert außerdem die ersten reinen Börsenzeitungen sowie Nachrichtenagenturen gegründet.

Wirtschaftsjournalismus in den Massenmedien

Zu einem festen Bestandteil der Berichterstattung wurde der Wirtschaftsjournalismus schließlich in den 1960er Jahren. Nach den kargen Jahren des Wirtschaftswunders konnten sich die Mediennutzer nun Gedanken über Geldanlage und Vorsorge machen. Zeitungen und Fernsehen reagierten darauf, indem sie nun auch regelmäßig über verbrauchernahe Wirtschaftsthemen berichteten.

Einen regelrechten Boom erlebte der Wirtschaftsjournalismus ab Mitte der 1990er Jahre, als immer mehr Verbraucher ihr Geld in Aktien und andere Wertpapiere investierten. Der Wirtschaftsjournalismus wurde in tagesaktuellen Medien erheblich ausgeweitet, während zahlreiche neue Magazine gegründet wurden. Nicht alle überlebten jedoch das Ende des Neuen Marktes, als Technologiewerte ins Bodenlose stürzten und zahlreiche Verbraucher feststellen mussten, dass sich ihre Ersparnisse gewissermaßen in Luft aufgelöst hatten.

Einen weiteren Boom erlebt der Wirtschaftsjournalismus seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wirtschaftliche Aspekte einen wachsenden Anteil an politischen Entscheidungen haben. Teilweise ist dies auf die Ausweitung der Befugnisse überstaatlicher Einrichtungen in Zusammenhang mit dem enger zusammenwachsenden EU-Binnenmarkt. Aber auch die Folgen der Wirtschaftskrise sorgen für ein ungebrochenes Interesse.

Wirtschaftsjournalismus in der Krise?

Einige Experten wie Wolfgang Storz und Hans-Jürgen Arlt im Rahmen der branchenintern umstrittenen Studie "Wirtschaftsjournalismus in der Krise" vertreten die Meinung, dass die globale Finanzkrise auch den Wirtschaftsjournalismus an sich in die Krise gestürzt habe. Ein Grund für diese Einschätzung: Wirtschaftsjournalisten hätten den Wandel der Finanzmärkte von einem Dienstleister zu einer eigenständigen Branche innerhalb der Realwirtschaft zu unkritisch kommentiert. Andere Experten sehen den Wirtschaftsjournalismus eher in einer Umbruchphase, die in Richtung einer service- und nutzwertorientierteren Berichterstattung laufen dürfte.


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