Rollenverständnis

Im Vergleich zu anderen journalistischen Ressorts kann der Umweltjournalist lediglich in eine überschaubare Zahl von Rollen schlüpfen. Der Hauptgrund dafür liegt an der Komplexität der Materie. Diese zwingt den Journalisten fast zwangsläufig in nahezu jedem Zusammenhang bis zu einem gewissen Grad in die Rolle des Erklärers, der über die Hintergründe informiert.

Der Umweltjournalist als Informierer

Als Informierer tritt der Umweltjournalist vor allem dann auf, wenn er aktuell aus Politik und Wirtschaft berichtet. Beispiele dafür sind die Schadstoffbegrenzungen für Autos oder die Einführung der Energiesparlampen. Hier geht es dem Mediennutzer in erster Linie darum, zu erfahren, was sich für sie persönlich ändert. Die Hintergründe und der Aspekt des Umweltschutzes sind für ihn üblicherweise nicht von Interesse.

Der Umweltjournalist als Erklärer

Egal, ob der Umweltjournalist über regenerative Energien, den Bau einer Kläranlage, ein Naturschutzgebiet, den Klimawandel oder eine Umweltkatastrophe berichtet, er muss in der Regel viel erklären. Wie hoch der Erklärungsbedarf für den Mediennutzer ist, hängt wesentlich vom Thema des Beitrages ab. Denn gerade im ökologischen Bereich sind die Hintergründe oft sehr komplex und nur mit einem langfristigen Zeithorizont zu erfassen. Bis heute ist beispielsweise nicht endgültig geklärt, ob der Mensch tatsächlich einen Einfluss auf den Klimawandel hat oder ob es sich dabei nur um Schwankungen innerhalb der natürlichen Toleranz handelt. Einflussfaktoren, die durch den Menschen begründet sind, reichen bis zum Beginn der Industrialisierung zurück, als Energie hauptsächlich aus Kohlekraftwerken gewonnen wurde, in welche keinerlei Filteranlagen eingebaut waren.

Der Umweltjournalist als Ermittler

Vor allem in den 1980er Jahren schlüpften Umweltjournalisten oft in die Rolle von Ermittlern, wenn sie Umweltskandale aufdeckten. Diese Umwelt-Sünden wurden sehr oft von Großunternehmen begangen, sehr oft nicht einmal vorsätzlich. Das bewusste Herbeiführen von Umweltschäden ist zumindest in Westeuropa kaum noch zu befürchten. Zum einen existieren mittlerweile strenge gesetzliche Vorgaben, zum anderen müssten Unternehmen einen massiven Imageschaden befürchten, den sich kein Unternehmen leisten kann. Als Ermittler treten Umweltjournalisten allenfalls auf, wenn sie die Umweltverschmutzung bei wichtigen Rohstoffproduzenten aufdecken. Das ist beispielsweise in China beim Abbau von seltenen Erden, die in der Computerindustrie benötigt werden, der Fall. Einfluss können die Umweltjournalisten allerdings nur indirekt nehmen, indem sie diese Vergehen in den Staaten der westlichen Welt publik machen.

Der Umweltjournalist als Entertainer

Die Rolle des Entertainers nehmen Umweltjournalisten eher selten ein. Das ist dann der Fall, wenn der Umweltjournalist Themen unterhaltsam aufbereiten soll. Das ist vor allem in Fernsehsendungen der Fall, wenn der Umweltjournalist davon ausgehen muss, dass die Zuschauer kaum Hintergrundwissen mitbringen oder bei speziellen Sendungen für Kinder, wo das Wissen auf eine fast spielerische Weise vermittelt werden soll.

Der Umweltjournalist als Agenda-Setter

Die Umweltbewegung hat sich eigentlich aus der Friedensbewegung entwickelt. Doch rasch hat die Ökologie hier einen guten Nährboden gefunden. Durch die Berichterstattung über diese Trends haben Umweltjournalisten dafür gesorgt, dass die Begriffe "Bio" und "Öko" einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden und die Verbraucher Nahrungsmittel und Gebrauchsgüter bewusster einkaufen. Damit ist der Umweltjournalist zumindest graduell auch ein Agenda-Setter.


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