Qualitätskriterien

Der Umweltjournalismus behandelt eine Materie, die für den Laien nicht unbedingt einfach nachzuvollziehen und zu verstehen ist. Technische Aspekte spielen ebenso hinein wie komplexe ökologische Zusammenhänge, die sich oft erst in einem Zeitraum von mehreren Jahren betrachtet erschließen. Qualitativ hochwertigen Journalismus kann der Laie also nicht zwangsläufig erkennen. Der Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus an der Technischen Universität Dortmund hat deshalb einen Katalog von Kriterien erarbeitet, anhand dessen sich hochwertiger Umweltjournalismus erkennen lässt. Die wichtigsten Punkte daraus lauten:

Keine Panikmache

Risiken und Schäden werden angemessen dargestellt. Der Umweltjournalist übertreibt auch bei sogenannten Umweltkatastrophen nicht, sondern stellt diese möglichst neutral dar. Sofern eine Gefährdung für Menschen oder Natur vorliegen könnte, kann er diese benennen, auch wenn das tatsächliche Ausmaß nicht absehbar ist. Der Umweltjournalist sollte allerdings die Skandalisierung ebenso vermeiden wie die Bagatellisierung eines Problems. Auch wenn das Ausmaß der möglichen Folgen noch nicht bekannt ist, sollte der Umweltjournalist deutlich darauf hinweisen. In jedem Fall sollte er sich an die zur Verfügung stehende Datenlage halten.

Die Aussagekraft

Der Umweltjournalist muss deutlich machen, wie hoch die Aussagekraft der Fakten ist, über die er berichtet. Denn die Bandbreite reicht bei Umweltveränderungen und Prognosen von Messwerten, die nur in wenigen Stichproben erfasst wurden bis hin zu Langzeitstudien, die über Jahre hinweg durchgeführt werden. Diese Datenlage kann zu Unstimmigkeiten und Unsicherheiten führen, auf die der Journalist hinweisen muss.

Wer liefert die Informationen?

Der Umweltjournalist sollte sich für seinen Bericht auf zwei oder mehr Quellen stützen, die voneinander unabhängig sind. Auch muss er deutlich machen, woher er die Informationen für seinen Bericht bezogen hat. Sofern sich der Umweltjournalist auf Studien bezieht, sollte im Beitrag deutlich werden, wer diese in Auftrag gegeben und finanziert hat, damit der Mediennutzer selbst die Seriosität dieser Quellen einschätzen kann. Falls im Beitrag Experten zitiert werden, sollte deren Zugehörigkeit zu Behörden oder Unternehmen und eventuelle Abhängigkeiten ebenfalls benannt werden.

Das Für und Wider

Gibt es zu einem Thema widersprüchliche Standpunkte, müssen diese je nach ihrer Relevanz dargestellt werden. Der Umweltjournalist muss deutlich machen, wer von einer Entscheidung profitiert und welche Vor- und Nachteile sie für die Umwelt bedeuten. Hierfür ist der seit Jahre schwelende Streit um den Donauausbau in Niederbayern ein Paradebeispiel. Die Bundeswasserstraße soll auf dem letzten unverbauten, 70 Kilometer langen Teilstück zwischen Vilshofen und Straubing weiter ausgebaut werden. Gegen diese Pläne der Bayerischen Staatsregierung laufen jedoch Naturschützer Sturm. Denn bei einer Variante würde das Naturschutzgebiet Isarmündung überschwemmt. Bei allen drei möglichen Ausbauvarianten befürchten sie außerdem das Aussterben endemischer Arten, die auf die natürliche Fließdynamik des Wassers angewiesen sind. Gescheitert ist der Ausbau bislang aber nicht am Veto der Naturschützer, sondern weil sich Bundesregierung und Bayern nicht über den Ausbau einig sind.

Pressemitteilungen sind tabu

Unternehmen, aber auch Behörden und verschiedene Umweltorganisationen versorgen die Medien regelmäßig mit Pressemitteilungen. Nur wenn der Umweltjournalist die wichtigen Aussagen prüft und gegenrecherchiert, handelt es sich tatsächlich um eine journalistische Leistung. Das gilt auch für Mitteilungen, die von angesehenen Forschungseinrichtungen verschickt werden.

Wie lässt sich ein Problem lösen?

Der Journalist muss Lösungsvorschläge, die für ein bestimmtes Umweltproblem bereits im Raum stehen, benennen können. Zudem muss der Journalist das Problem im gesamten Zusammenhang darstellen, also auch die Ursache benennen, falls diese bekannt ist.

Auf wen wirkt sich das Problem aus?

Umweltprobleme wirken sich in der Regel nicht nur lokal, sondern auch regional, wenn nicht sogar global, aus. Diese Zusammenhänge sollte der Umweltjournalist darstellen. Beispielsweise hängt die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes zur Gewinnung von Weideland für Rinder sehr eng mit den Ernährungsgewohnheiten in Europa und den USA zusammen. Über die unmittelbaren Folgen hinaus hat die Weidewirtschaft weitere indirekte Folgen, etwa auf die Qualität des Bodens und des Trinkwassers in den bewirtschafteten Regionen.

Nachhaltigkeit

Der Umweltjournalist muss deutlich machen, in welchen Zeiträumen sich ein konkretes Problem auswirken kann. Kommt es etwa durch den Ausfall einer Kläranlage zur Verschmutzung eines Bach- oder Flusslaufes, handelt es sich um ein zeitlich sehr begrenztes Problem. Treten bei einem Unglück in einem Unternehmen hingegen schädliche Chemikalien aus, zeigen sich die Folgen oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten.

Weitere Aspekte

Der Umweltjournalist sollte in seinem Beitrag auch wirtschaftliche oder gesellschaftliche Aspekte berichten. Wird beispielsweise ein großes Bauprojekt in der Nähe eines Naherholungsgebietes diskutiert, kann dies durchaus unabhängig vom Naturschutzgedanken langfristig negative Folgen haben. So verringert sich der Erholungseffekt für die Anwohner, was dazu führen kann, dass so mancher wegzieht oder der Tourismus als Wirtschaftsfaktor einen erheblichen Einbruch verzeichnen muss. Auch diese Folgen sollten im Einzelfall benannt werden.


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