Historie

Die Anfänge des Umweltjournalismus reichen bis in die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts zurück, als die Holznot das Thema einer breiten öffentlichen Diskussion war: Der wichtige Rohstoff verknappte in Mitteleuropa bereits seit dem 16. Jahrhundert, weshalb es in nahezu ganz Deutschland zu Sparmaßnahmen kam. Etwa zeitgleich entwickelte sich eine gewisse Waldromantik. Doch sehr viel wichtiger als diese frühen Anfänge sollte die US-amerikanische Naturschutzbewegung werden, die ebenfalls bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück reicht. Nachdem dort über Jahrzehnte hinweg diskutiert wurde, ob bestimmte Naturräume unter Naturschutz gestellt werden sollten, wurde schließlich 1864 in Kalifornien der Yosemite-Nationalpark gegründet, der als weltweit erstes Naturschutzgebiet gilt.

Umweltjournalismus und Umweltbewegung

In den folgenden Jahrzehnten ist der Umweltjournalismus untrennbar mit der Umweltbewegung verbunden. Bemerkenswert ist eine Art Wellenbewegung, die sich im Umweltjournalismus feststellen lässt: In den Hochphasen der Umweltbewegung erfolgt die Berichterstattung aus dem Umweltjournalismus flächendeckend in allen Medien, wobei auch regelmäßig Aufmacher aus Umweltthemen gemacht werden. Ansonsten erfolgt die Berichterstattung ressortübergreifend, ohne dass Umweltthemen besonders hervorgehoben werden.

Die Tradition der Umweltbewegung reicht in Deutschland bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Damals erwuchs eine ganze Reihe von Reformbewegungen wie die Lebensform-Bewegung, die ihre Wurzeln in der Romantik hatten. Diesen Bewegungen war gemein, dass sie Urbanisierung sowie Industrialisierung kritisierten und eine naturnahe Lebensweise forderten.

Einen Rückschritt erlebten sowohl die Umweltschutzbewegungen als auch der Umweltjournalismus während der Ära des Nationalsozialismus. Denn das totalitäre System vereinnahmte auch den Naturschutz in ihre Ideologie und formte den Naturschutz-Gedanken in Richtung der Blut-und-Boden-Ideologie um, die als Rechtfertigung für den Eroberungsfeldzug in Richtung Osteuropa dienen sollte.

Ein Tierfilmer als Wegbereiter

Als wichtigste Person des Umweltjournalismus im Nachkriegsdeutschland gilt Bernhard Grzimek, der als Verhaltensforscher, Tierarzt und langjähriger Direktor des Zoos in Frankfurt das fachliche Hintergrundwissen mitbrachte, um vor allem während der 1960er und 1970er Jahre einer der erfolgreichsten Tierfilmer weltweit und damit zu einem journalistischen Vorbild zu werden. Seinen größten Erfolg verbuchte er mit dem 1959 erschienenen Film "Serengeti darf nicht sterben", für den er 1960 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Der Film berichtet über die Anfangszeit des berühmten Serengeti-Nationalparks im afrikanischen Tansania.

Umweltjournalismus als Katastrophenjournalismus

Der Bericht "Die Grenzen des Wachstums", in welchem der Club of Rome die künftige Entwicklung der Weltwirtschaft unter Aspekten wie Umweltverschmutzung, Ausbeutung der Rohstoffreserven und der wachsenden Zerstörung des Lebensraumes beleuchtete, läutete eine neue Ära im Umweltjournalismus ein: Nachdem selbst dieser mit internationalen Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Wissenschaft besetzte Thinktank den Umweltschutzgedanken in die Öffentlichkeit gebracht hatten, wurden sowohl Journalisten als auch Mediennutzer sensibilisiert. In den folgenden Jahren beherrschten vor allem Katastrophenszenarien den Umweltjournalismus.

Ein früher Meilenstein in der Geschichte des Umweltjournalismus stellte die Havarie des Öltankers "Amoco Cadiz" dar. Dieser kollidierte am 16. März 1978 mit einem Felsen vor der französischen Küste. Rund 1,6 Millionen Barrel Rohöl gelangten dabei ins Meer und verschmutzten die nordwestliche Küste Frankreichs auf einer Länge von über 350 Kilometern. Umweltjournalisten beleuchteten das Schicksal der Küstenbewohner und der Tiere, die aufgrund der Umweltverschmutzung verendeten. In den folgenden Jahren beherrschten Themen wie saurer Regen, Waldsterben oder das Abschlachten von Robben-Babys europaweit die Schlagzeilen.

Katastrophen führen zu einem Wandel des Bewusstseins

Diese oft radikale Form der Berichterstattung in den 1980er Jahren hat massiv dazu beigetragen, dass die Umweltbewegung zu einer festen gesellschaftlichen Größe wurde. So gründeten Mitglieder von Umweltbewegungen, Atomkraftgegner und Mitglieder anderer sozialer Bewegungen im Januar 1980 die Partei Die Grünen, die sich in den folgenden Jahren zu einer festen Größe in der deutschen Politik entwickelte.

Das Interesse der Mediennutzer an umweltspezifischen Themen war nun geweckt. Nachdem in den folgenden Jahren regelmäßig Beiträge über die Zustände und Gefahren in der industriellen Produktion von Nahrungsmitteln in verschiedenen Medien publiziert wurden, interessierten sich zunehmend mehr Verbraucher für Themen wie nachhaltige Produktion und ökologisch korrekte Produkte. Engagierte Umweltjournalisten hatten sich damit zumindest zeitweise zu einer Art ökologischem Gewissen entwickelt.


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