Historie

Der Begriff des Technikjournalismus als Sammelbegriff für jede Art von Berichterstattung, die sich mit Technik beschäftigt, gibt es erst seit relativ kurzer Zeit. Jedoch ist die Berichterstattung über technische Themen sogar älter als die des Journalismus an sich, dessen Ursprünge auf das antike Rom zurückgehen. Bei den ältesten Formen technischer Berichterstattung handelte es sich um technische Dokumentationen.

So existieren bis heute die in den Boden geritzten Grundrisse von Häusern und komplexere Modelle von aufwändigen Bauten wie Tempeln aus Ägypten. Diese frühesten Zeugnisse technischer Dokumentationen stammen aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend. Auch auf den Baustellen der Königsgräber in Theben dokumentierten die Arbeiter ihre Tätigkeiten mit bildlichen Darstellungen.

Die Technik erobert Europa

Als frühestes Zeugnis einer technischen Beschreibung in Deutschland gilt das sogenannte "Feuerwerkbuch", in welchem beschrieben wurde, wie Pulvermischungen und Feuerwaffen hergestellt werden.

Mit den Arbeiten des Universalgelehrten Leonardo da Vinci erreichten auch technische Darstellungen einen neuen Höhepunkt. Beispielsweise gilt der italienische Gelehrte als Erfinder der Explosionszeichnung. Bei dieser Darstellungsform werden komplexe Gegenstände perspektivisch und in die einzelnen Bestandteile zerlegt dargestellt. Die einzelnen Bauteile werden dabei räumlich voneinander getrennt dargestellt, als würden sie nach einer Explosion auseinander fliegen. Der Vorteil dieser Darstellung liegt darin, dass die einzelnen Teile im Verhältnis zum gesamten Objekt dargestellt werden. Dadurch war es Leonardo da Vinci möglich, die Funktionsweise einzelner Baugruppen und ihre Montage darzustellen, die einzelnen Teile zu nummerieren und eindeutig einer bestimmten Position und Funktion zuzuordnen. Bis heute wird die Explosionszeichnung für die informative Darstellung in Gebrauchsanweisungen verwendet. Darüber hinaus gilt Leonardo da Vinci als erster, der seine Konstruktionszeichnungen mit präzisen Erläuterungen versah. Dadurch war es theoretisch jedem Handwerker möglich, die Geräte anhand der Pläne und Erläuterungen nachzubauen.

Da Vinci war auch mit dieser Darstellungsform seiner Zeit weit voraus. Denn die gängige Darstellungsform für Dokumentationen waren noch während des 16. Jahrhunderts, bildhafte Darstellungen, in welchen die kompletten Handlungsabläufe ohne Rücksicht auf ihre zeitliche Abfolge in einem Bild dargestellt wurden.

Albrecht Dürer revoltiert die Darstellung

Der Nürnberger Albrecht Dürer führte schließlich 1528 mit der sogenannten Dreitafelprojektion eine neue Form der Darstellung für Dokumentationen ein. Bei dieser Form der Darstellung wird ein räumliches Objekt in verschiedenen Ansichten in der Ebene dargestellt. Bis heute wird dieses Verfahren im Bauwesen und in der Architektur angewendet. Auch im Maschinenbau wird die Dreitafel- oder Normalprojektion genutzt, um Anlagen zu planen und zu bauen. Insgesamt gibt es nach dieser Methode sechs verschiedene Ansichten eines Objekts.

Der Technikjournalismus erobert die Medien

Das neue Medium setzte gerade dazu an, sich zu etablieren, als im Zuge der industriellen Revolution technische Themen auch für breite Bevölkerungsschichten interessant wurden. So erschien beispielsweise bereits anno 1816 in der Kölnischen Rundschau ein Bericht, in dem die neue Technik der Raddampfer, welche erstmals den Rhein befuhren, ausführlich beschrieben wurde. Dieser Bericht gilt unter Fachleuten bis heute als hervorragendes Beispiel für sehr gelungenen Technikjournalismus. Denn die neue Technik wurde nicht euphorisch gefeiert, es kamen auch die Gegner zu Wort, die dem Journalisten ihre Existenzangst schilderten.

Weitere Meilensteine des Technikjournalismus stellten die Jungfernfahrt der Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth am 7. Dezember 1835 sowie die Entwicklung des Autos dar. Während die erste Eisenbahnfahrt ein großes Spektakel für die Medien darstellte, sorgte das Auto für eine kontinuierliche Berichterstattung in einer Vielzahl von Medien. Die Hersteller machten gerade in den Anfangsjahren mit immer neuen Geschwindigkeitsrekorden von sich reden und veranstalteten Rennen, um die Bevölkerung auf das Automobil aufmerksam zu machen.

Der Durchbruch kommt in den 1950er und 1960er Jahren

Der Technikjournalismus, wie ihn die Mediennutzer heute kennen, feierte den endgültigen Durchbruch in den 1950er und 1960er Jahren. Der Grund: In den Jahren des Wirtschaftswunders setzte sich auch die flächendeckende Elektrifizierung der Haushalte durch. Zudem konnten sich die Menschen elektrische Unterhaltungs- und Haushaltsgeräte wie Fernseher, Staubsauger und vieles mehr leisten. Für all diese Produkte bestand zunächst ein großer Erklärungsbedarf. In den späteren Jahren, als die Zahl der Anbieter vor allem durch neue Hersteller von Elektronikartikeln aus dem Fernen Osten auch den westlichen Markt bediente, wollten sich die Mediennutzer zudem über die schier unübersichtliche Modellpalette vorab in den Medien informieren.

Einen weiteren Quantensprung erlebte der Umfang der Berichterstattung aus der Welt der Technik ab Ende der 1980er Jahre, als sich der Personal Computer in Büros und Haushalten durchsetzte und eine Vielzahl von Programmen für Arbeit und Unterhaltung auf den Markt geworfen wurde.

Steht der Technikjournalismus an einem Wendepunkt?

Lange Zeit gab die Nähe der Technikjournalisten zu den Herstellern, auf deren Informationen sie für eine fundierte Berichterstattung angewiesen waren, Anlass zur Kritik. Denn die Präsentation von neuen technischen Errungenschaften, über welche in zahlreichen Medien berichtet wird, gilt in erster Linie als gute PR, jedoch als schlechter Journalismus. Hinzu kommt, dass die Technikjournalisten häufig Testgeräte bekommen und zur Präsentation in Form von Pressereisen, für welche die Reisekosten übernommen werden, eingeladen werden.

Der fehlende fachliche Hintergrund sorgt außerdem dafür, dass Technikjournalisten nicht mit der erforderlichen Distanz und zu wenig kritisch berichten. Diese Tatsachen sorgen auch in Expertenkreisen immer wieder für Diskussionsstoff. Langfristig erwartet man sich jedoch eine qualitative Verbesserung durch die Studiengänge Technikjournalismus.


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