Rollenverständnis

Die Rollenverständnisse der Reisejournalisten haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Dieser Trend ist festzustellen, seitdem weltweit nahezu alle interessanten Regionen touristisch erschlossen sind. Aus dem Entdecker, der fremde Länder erkundet und als einer der ersten über seine Erfahrungen berichtet, ist eher ein Informierer geworden, der die vorhandenen Informationen sammelt und für den Mediennutzer aufbereitet.

Der Reisejournalist als Entdecker

Der Reisejournalist in der Rolle des Entdeckers bereist noch unerschlossene Gebiete und berichtet vom jeweiligen Land, von den Einwohnern und den regionalen Bräuchen. Diese Rolle ist inzwischen nur noch bedingt möglich, nachdem die Welt nahezu komplett touristisch erschlossen ist. Nepal, das faszinierende Land im Himalaya, wo die asiatischen Kulturen eine einzigartige Symbiose eingehen und das Mittelalter bis zu einem gewissen Grad bis heute lebendig geblieben ist, dürfte eine der letzten größeren Regionen der Welt gewesen sein, für die es Reisejournalisten gelungen ist, eine breitere Öffentlichkeit aufmerksam zu machen.

Die Rolle des Entdeckers beschränkt sich heute eher darauf, neue Urlaubstrends zu entdecken und die Mediennutzer darüber zu informieren. Freeclimbing, also das Klettern ohne jegliche Hilfsmittel ist einer dieser Trends aus den vergangenen Jahren, der eine größere Fangemeinde gefunden hat, nachdem zahlreiche Medien immer wieder darüber berichtet haben.

Der Reisejournalist als Informierer

Umso wichtiger für den Mediennutzer ist der Reisejournalist in seiner Rolle als Informierer geworden. Dank zahlreicher Reiseführer, Berichten von anderen Kollegen und Seiten im Internet muss der Reisejournalist nicht mehr zwangsläufig ein Land selbst bereist haben, um darüber berichten zu können. Er bündelt dann einfach die vorhandenen Informationen und verpackt sie für den Mediennutzer in einen eigenen Bericht.

Auch für die eigenen Reisevorbereitungen schätzt der Mediennutzer den Reisejournalisten in der Rolle als Informierer. So will der Urlaubsgast beispielsweise wissen, was er für die Reise in ein bestimmtes Land schon im Vorfeld beachten muss. Braucht er bestimmte Impfungen oder einen speziellen Versicherungsschutz? Reicht der Personalausweis oder benötigt der Reisende einen Reisepass oder muss er vielleicht sogar ein Visum beantragen? Diese Fragen kann der Reisejournalist ebenso gut beantworten. Das ist für Kurzentschlossene, die einen Last-Minute-Urlaub buchen, umso wichtiger. Denn all diese Fragen kann eigentlich auch das Reisebüro oder der Veranstalter beantworten. Allerdings werden diese sehr oft nicht im Reisebüro gebucht, sondern über Restplatzbörsen im Internet, wo ein kompetenter Ansprechpartner fehlt, sofern die Reisenden nicht gezielt nachfragen. Die Frist für erforderliche Impfungen, Versicherungen oder sonstige Unterlagen ist dann außerdem meist schon zu knapp bemessen.

Der Reisejournalist als Aufklärer und Entertainer

Reisende, die ihren Urlaub nicht nur in einem Club oder Ressort verbringen, sondern auch das Land entdecken wollen, möchten sich im Vorfeld durch Reiseberichte auch über die regionalen Gepflogenheiten informieren. Diese Aufgabe erfüllt der Reisejournalist ebenfalls, jedoch macht er das vielfach in einer unterhaltsamen Form. Der Grund dafür: Zahlreiche regionale Bräuche wirken auf Westeuropäer zunächst oft fremdartig und befremdlich. Das gilt selbst für Traditionen, die eigentlich aus Europa stammen. So hat etwa der Karneval in Brasilien durch den Einfluss karibischer und vor allem afrikanischer Kulturen ein ganz besonderes Eigenleben entwickelt.

Der Reisejournalist als Kritiker

Die Rolle des Kritiker spielt im Reisejournalismus eher eine untergeordnete Rolle. Denn Programm und Service bei den verschiedenen Reiseangeboten sind größtenteils Geschmackssache. Diese Aufgabe wird mittlerweile von Bewertungsportalen im Internet wahrgenommen. Auch bei den großen Buchungsportalen für Hotels und Fluggesellschaften ist es inzwischen üblich, dass die Gäste eine Bewertung von Flügen und Häusern abgeben können, welche einen Orientierungspunkt für Urlaubsgäste bieten. Auf grobe Missstände am Urlaubsort, die das Vergnügen vermiesen können, machen Reisejournalisten aber sehr wohl aufmerksam. Beispielsweise, wenn Hotels oder Ressorts von Großbaustellen umgeben sind.


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