Historie

Reiseberichte sind sehr viel älter als der Journalismus an sich, dessen Wurzeln im ersten vorchristlichen Jahrhundert liegen, als in Rom und den Provinzen des Römischen Reiches die ersten Informationsblätter herausgegeben wurden. Generell wird ein Reisebericht als die Darstellung eines Reisenden seiner Beobachtungen und Erlebnisse, die er auf einer Reise gemacht hat, definiert. Reiseberichte haben sich also im Laufe von etwa 2.500 Jahren völlig losgelöst vom Journalismus mit ihren eigenen Charakteristika entwickelt und wurden erst während des 20. Jahrhunderts in Form des Reisejournalismus in die Medienwelt integriert. Dadurch erklärt sich auch, dass im Reisejournalismus – anders als in allen anderen journalistischen Ressorts – die eigene Meinung des Reisejournalisten durchaus in die Berichterstattung hineinfließen darf.

Reiseberichte aus der Antike

Als älteste Autoren von Reiseberichten des Abendlandes gelten Skylax von Koryanda, der bereits im sechsten vorchristlichen Jahrhundert Berichte über seine Reisen verfasste, sowie der Seefahrer und Entdecker Pytheas von Massalia, der im vierten vorchristlichen Jahrhundert gelebt hatte. In die Riege der antiken Verfasser von Reiseberichten reiht sich auch Herodot von Halikarnassos ein, der gern als "Vater der Geschichtsschreibung" bezeichnet wird.

Darüber hinaus sind Reiseberichte bis ins Hochmittelalter hinein relativ dünn gesät. Am bekanntesten sind die Aufzeichnungen der Skandinavier von ihren Reisen nach Island, Grönland und Nordamerika. In der jüdischen und arabischen Literatur des Mittelalters hingegen ist die Reiseliteratur sehr stark vertreten. Die Werke von Autoren wie Ibn Battuta gelten Historikern heute als wichtige Quellen, um die Verhältnisse der damaligen Zeit im arabischen Raum zu erforschen.

Asien wird entdeckt

Der ostasiatische Raum wurde vor allem von buddhistischen Priestern erforscht und beschrieben, während Zentralasien bis 1246 "Terra Incognita" blieb. Denn in diesem Jahr schickte der damalige Papst Innozenz IV. unter der Führung des Franziskaners Johannes de Plano Carpini eine Delegation an den Mongolenherrscher Dschingis Khan. Der Papst hatte die Delegation gesandt, um weitere kriegerische Auseinandersetzungen mit den Mongolen, die 1241 bei Liegnitz eine polnisch-deutsche Streitmacht vernichtend geschlagen hatten, zu verhindern.

Reiseberichte erobern die Herzen der Menschen

Eine erste Blüte erlebte die Reiseliteratur bis ins 14. Jahrhundert hinein, als Kreuzfahrer aus ganz Europa ins Heilige Land reisten, um Jerusalem für die Christenheit zu erobern. Die Berichte der Kreuzritter wurden teilweise im "Reyssbuch des Heyligen Landes" gesammelt, das 1584 in Frankfurt erschien.

Während das Interesse an diesen Reiseberichten noch religiös motiviert war, gelang es dem Venezianischen Händler Marco Polo schließlich, das Interesse für fremde Länder in einer breiteren Öffentlichkeit zu wecken. Dieser reiste zusammen mit seinem Vater Niccolò und seinem Onkel Maffeo auf abenteuerlichen Wegen nach Asien, wurde Präfekt des chinesischen Kaisers und berichtete nach seiner Rückkehr von den Wundern, die er im technologisch weit fortgeschrittenen China erblickt hatte.

Das Zeitalter der Entdeckungen

Neben der Erfindung des Buchdrucks trug vor allem das Zeitalter der Entdeckungen dazu bei, dass sich die Reiseliteratur großer Beliebtheit erfreuten, vor allem als England während des 17. Jahrhunderts zur weltweit führenden Handelsmacht aufstiegt. Schon damals beruhte das Interesse der Leser auf völlig unterschiedlichen Motiven. Neben der Faszination für das Fremde und Unbekannte gilt die Sehnsucht nach einem besseren Leben als wichtige Motivation für den Konsum von Reiseliteratur in der frühen Neuzeit. Denn nicht wenige Auswanderer in jenen Jahrzehnten wagten die Reise in die Neue Welt erst, nachdem sie aus Berichten erfahren hatten, dass vor allem in den USA jeder die Chance hatte, vom Tellerwäscher zum Millionär aufzusteigen.

Moderne Verkehrsmittel wecken größeres Interesse

Dem deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe schließlich ist es zu verdanken, dass in den Deutschen das Fernweh erwuchs. Schließlich schwärmte er in seinen Berichten von seiner Italienreise in den höchsten Tönen von dem Land, in dem die Zitronen blühen. Zwar waren Reisen ins Ausland während des 19. Jahrhunderts auch für wohlsituierte Bürger schier unerschwinglich, jedoch wurden nun etwa mit der Eröffnung der ersten deutschen Seebäder die Grundsteine für den modernen Tourismus gelegt.

Der Tiefpunkt: die beiden Weltkriege

Der Erste Weltkrieg und seine wirtschaftlichen Folgen beendeten die Reisefreudigkeit und damit auch das Interesse an Reiseberichten über Jahrzehnte hinweg. Es dauerte nach der völligen Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg jedoch nur wenige Jahre, bis der Reisejournalismus in den Medien der Nachkriegszeit Einzug hielt. Für die Menschen bedeuteten Reportagen und Berichte aus dem sonnigen Süden in den Jahren des Wiederaufbaus bis zu einem gewissen Grad eine Flucht aus dem tristen Alltag. Zumindest so lange, bis sie sich die Sehnsucht nach der Ferne in den Jahren des Wirtschaftswunders auch erfüllen konnten.

Reisejournalisten als Pioniere

In den folgenden Jahrzehnten entwickelten sich Reisejournalisten zu Pionieren, die neue Urlaubsziele entdeckten und darüber berichteten. Mit steigendem Wohlstand erwuchs in den Mediennutzern der Wunsch, diese exotischen Ziele auch selbst sehen zu können. Die Reisebranche hat auf diese Entwicklung reagiert und die entsprechenden Angebote ins Programm aufgenommen.


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