Faszination

Hautnah an den Schaltstellen der Macht zu sitzen macht die besondere Faszination des Politikjournalismus aus. Obwohl nur sehr wenige Politikjournalisten tatsächlich die Sitzungen in Landtagen und im Bundestag live verfolgen, werden sie über die Kollegen vor Ort, Nachrichtenagenturen und durch Parteien, politische Vereinigungen und Behörden mittels Pressemitteilungen über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden gehalten.

Ein weiteres wichtiges Kriterium für viele Politikjournalisten, um genau diesen Beruf zu ergreifen, besteht in der gesellschaftlichen Verantwortung, die sie als Mittler an der Schnittstelle zwischen Politik und Bürger einnehmen. Dadurch werden Politikjournalisten zu Vermittlern politischer Entscheidungen. Zudem erfüllen insbesondere Politikjournalisten den verfassungsgemäßen Auftrag, als Kontrollinstanz zu wirken, der für den Journalismus im Allgemeinen gilt.

Einfluss auf das politische Geschehen

Umgekehrt wirkt der Politikjournalismus auch als Sprachrohr für die Bevölkerung, falls sich Politiker zu sehr vom Willen des Wahlvolkes entfernen. Indirekt können Politikjournalisten dadurch gesellschaftliche und politische Entwicklungen beeinflussen oder zumindest maßgeblich prägen. Dafür gibt es zwei journalistische Paradebeispiele im Nachkriegsdeutschland.

Die 1968er-Bewegung

So begleiteten vor allem Politikjournalisten durch ihre Berichterstattung die sogenannte 68er Bewegung. Hervorgegangen waren die studentischen Proteste der 1960er Jahre in Deutschland aus Protestbewegungen in den USA. Dort gingen vor allem Studenten auf die Straße, um gegen den Vietnamkrieg zu protestieren und für mehr Rechte für die schwarzen Bürger zu erreichen. Ihren Höhepunkt erreichten die Proteste nach der Ermordung des Bürgerrechtlers Martin Luther King am 4. April 1968.

Die verkrusteten Strukturen der Nachkriegsrepublik, in der zahlreiche ehemalige Nationalsozialisten an wichtigen Schaltstellen in Ämtern und Behörden saßen, trugen in Deutschland zum Protest der Studenten bei. Der dramatische Höhepunkt war hier der tödliche Schuss, der durch einen Polizeibeamten auf den Studenten Benno Ohnesorg bei einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien abgegeben worden war. Lange war dieses Ereignis als dramatisches Unglück kolportiert worden, bis 2011 neue Ermittlungen ergaben, dass der Schuss vermutlich gezielt abgegeben wurde.

Zu den gesellschaftlichen Folgen der 1968er-Bewegung zählten neben der Gründung der RAF und dem Wachsen der Friedensbewegung, aus der sich die Partei der Grünen entwickeln sollte, auch ein direkter Einfluss auf den Politikjournalismus an sich. Denn seitdem schwingt in der Berichterstattung zahlreicher Medien ein konservativer oder linker Grundtenor mit. Zum Verständnis des Politikjournalismus gehört nun ein gewisses Misstrauen gegenüber den Staat und seiner Entscheidungsträger.

Die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf

Zu den umstrittensten Bauprojekten Deutschlands gehört die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Diese sollte ab Dezember 1985 in der Oberpfalz als zentrale Wiederaufbereitungsanlage für Brennstäbe aus allen deutschen Atomkraftwerken errichtet werden. Die bayerische Staatsregierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Franz Joseph Strauß forcierte den Bau trotz des enormen Widerstandes in der Bevölkerung. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände, die in Wackersdorf herrschten, beherrschten bis zum Einstellen der Bauarbeiten die bundesweiten Schlagzeilen. Schließlich wurde auch wegen des öffentlichen Drucks eine andere Lösung für die Wiederaufbereitung der Brennstäbe gesucht.


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