Ausblick

Aktuell erlebt der Politikjournalismus einen relativ starken Wandel, sowohl was die Art die Berichterstattung als auch die Arbeitsweise angeht. Vor allem die Rolle, welche Online-Medien künftig für dieses Ressort spielen werden, ist noch unklar.

Der Newsdesk ersetzt die Redaktion

Zu den Änderungen in den Arbeitsabläufen gehört, dass in zahlreichen Redaktionen die klassischen Ressorts aufgelöst werden und die Journalisten ressortübergreifend an Newsdesks arbeiten. Diese Arbeitsweise bietet sich an, weil sich beispielsweise Wirtschaft und Politik nicht mehr klar trennen lassen. Entscheidungen oder Ereignisse wirken sich immer häufiger auf das jeweils andere Ressort aus. Bei der Arbeit am Newsdesk befinden sich die Kollegen mit dem jeweiligen Fachwissen direkt nebenan, wodurch auch eine gemeinsame Recherche möglich ist.

Als Paradebeispiel für die engen Zusammenhänge zwischen Politik und Wirtschaft darf die jüngste, weltweite Banken- und Finanzkrise gelten. Diese nahm 2007 ihren Anfang, als der spekulativ aufgeblähte Immobilienmarkt in den USA platzte. Zuvor hatten die Banken massenweise Kredite an Bauherren und Immobilienkäufer vergeben, die sich diese Verbindlichkeiten eigentlich gar nicht leisten konnten. Diese faulen Kredite wiederum wurden von den Banken gebündelt und in hochkomplexe Finanzprodukte verpackt, die weltweit verkauft wurden. Nach der ersten spektakulären Bankenpleite – 2008 brach die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers zusammen – mussten weitere Banken und Kreditinstitute auch in Europa durch Steuergelder gestützt werden. Die Krise auf dem Finanzmarkt wirkte sich schließlich negativ auf die Realwirtschaft aus, was wiederum die Verschuldung mancher Staaten sprunghaft ansteigen ließ und später zur Krise im Euro-Raum führen sollte.

Hintergründe statt reine Information

Die reinen Informationen können die Mediennutzer sehr viel schneller im Internet als durch die anderen Medien erfahren. Sie erwarten deshalb vom Politikjournalisten zunehmend stärker, dass er ihnen derart komplexe Sachverhalte vermitteln und erklären kann. Während bis vor wenigen Jahren der direkte Kontakt zwischen dem Politikjournalisten und seiner Zielgruppe als unüblich galt und allenfalls indirekt – etwa über Leserbriefe – erfolgte, kommunizieren Politikjournalisten heute über Social Media-Plattformen häufig direkt mit den Mediennutzern.

Neue Medien lassen Zeitdruck wachsen

Während das Internet einerseits eine hervorragende Recherchequelle darstellt und dadurch die Arbeit für den Politikjournalisten erleichtert, erhöht das Netz andererseits auch den Zeitdruck und die Arbeitsbelastung des Politikjournalisten. Denn der Mediennutzer erwartet schon kurz nach einer politischen Veranstaltung die erste Eilmeldung im Netz, in welcher zugleich der eigentliche Beitrag angekündigt wird. Die Beiträge im Netz dürften sich in den kommenden Jahren noch deutlich ausweiten, sodass der Politikjournalist beispielsweise neben der Eilmeldung auch einen ausführlicheren Bericht verfasst, sowie Audio- und Videobeiträge im Netz publiziert.

Generell lässt sich allerdings noch nicht einschätzen, wie sich gerade der personal- und zeitintensive Politikjournalismus im Netz entwickeln wird. Denn abseits der klassischen Medien hat sich neben regionalen Nachrichtenportalen lediglich Google News als Nachrichtenseite etabliert. Allerdings werden die Nachrichten, die auf Google News erscheinen, aus den redaktionellen Teilen von Seiten, die im Internet zu finden sind, zusammengestellt. Allein für den deutschsprachigen Service nutzt Google News über 700 Quellen, deren Inhalte nicht zwangsläufig auch nach journalistischen Kriterien erstellt wurden.


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