Rollenverständnis

Wie alle Fachjournalisten muss auch der Medizinjournalist im Rahmen seiner Berichterstattung in verschiedene Rollen schlüpfen. Das aktuelle Rollenverständnis richtet sich in diesem Ressort sehr stark nach der jeweiligen Zielgruppe, für welche der Medizinjournalist berichtet.

Der Medizinjournalist als Informierer

Die Rolle des Informierers ist der wohl wichtigste Part des Medizinjournalisten, die er in jeder Mediengattung für Experten und Laien einnimmt – allerdings mit unterschiedlicher Gewichtung. Praktizierenden Ärzten und anderen Medizinern, die sich über neue Medikamente und Behandlungsmöglichkeiten informieren wollen, sind die medizinischen Hintergründe bekannt. Deshalb werden die aktuellen Informationen in Fachmedien anders aufbereitet als in Publikumsmedien.

Richtet sich der Bericht des Medizinjournalisten an Laien, muss er unter Umständen sehr viel tiefer in das Thema des jeweiligen Beitrags einsteigen. Beispielsweise, indem er Hintergründe zum Entstehen einer Krankheit darstellt und das typische Krankheitsbild schildert. Der Mediennutzer benötigt diese Informationen eventuell zum besseren Verständnis.

Der Medizinjournalist als Erklärer und Übersetzer

Eine wichtige Aufgabe des Medizinjournalisten ist die des Erklärers und Übersetzers. Dabei geht es nicht nur darum, die oft sehr schwierige medizinische Fachsprache in verständliches Deutsch zu übersetzen. Da die medizinische Forschung weltweit betrieben wird und die USA hier eine gewisse Führungsrolle einnehmen, muss der Medizinjournalist auch in der Lage sein, englischsprachige Fachartikel zu verstehen, um in deutschen Fachmedien angemessen und hochwertig berichten zu können.

In Publikumsmedien nimmt der Medizinjournalist hingegen eher die Rolle des Erklärers ein. Er schildert, wie Krankheiten entstehen, mit welchen Symptomen sie sich äußern, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie die Behandlung im Einzelnen erfolgt.

Der Medizinjournalist als Entertainer

Bis zu einem gewissen Grad sind vom Medizinjournalisten Entertainerqualitäten gefragt, wenn es darum geht, den Beitrag lebendig zu verfassen und gestalten. Das gilt vor allem in den Mediengattungen Hörfunk und Fernsehen, wo eben das geschriebene Wort fehlt.

Erst recht in der Rolle des Entertainers ist der Medizinjournalist gefragt, wenn es darum geht, bestimmte Themen kindgerecht aufzubereiten. So greifen verschiedene Fernseh- und Hörfunkmagazine für Kinder durchaus auch medizinische Themen auf. Im Printbereich bearbeiten Medizinjournalisten beispielsweise Informationsmagazine, die in Apotheken für Kinder aufliegen. Auch hier soll der Inhalt natürlich ebenfalls möglichst unterhaltsam präsentiert werden.

Der Medizinjournalist als Kritiker

Als Kritiker tritt der Medizinjournalist häufig auf, wenn er gesundheitspolitische Themen beleuchtet oder über wirtschaftliche Themen berichtet, die medizinisch relevant sind. Im Zuge der Gesundheitsreform standen etwa verschiedene Gesundheitspolitiker in der Kritik der Fachjournalisten. Im Bereich der Wirtschaft wird immer wieder die Preispolitik von Pharmazieunternehmen kritisch hinterfragt. Denn Medikamente unterliegen in Deutschland dem Patentrecht. So lange die Patente für bestimmte Medikamente gültig sind, verlangen die Hersteller meist deutlich höhere Preise für das Original als für Medikamente mit anderen Inhaltsstoffen aber derselben Wirkung.

Darüber hinaus schlüpft der Medizinjournalist in die Rolle des Kritikers, wenn mögliche Nebenwirkungen neuer Präparate vor der Markteinführung nicht ausreichend getestet wurden und sich später unerwünschte Nebenwirkungen zeigen. Beispielsweise beherrschte der sogenannte Contergan-Skandal in den 1960er Jahren die Schlagzeilen der deutschen Medienlandschaft. Das Beruhigungsmittel, welches millionenfach verkauft worden war, konnte zu Missbildungen der Föten führen, wenn es in einer frühen Phase der Schwangerschaft eingenommen wurde. Bis zu 10.000 Kinder trugen weltweit Schäden durch das Medikament davon. Mitte 2012 lebten in Deutschland noch rund 2.400 Contergan-Geschädigte.


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