Historie

Der Medizinjournalismus ist um einiges älter als die modernen Medien. So wurden bereits in den Nachrichtenbriefen und Einblattdrucken gesundheitlich relevante Themen behandelt. Dabei handelte es sich um die ältesten Beispiele von Bilddrucken in Mitteleuropa, die im sogenannten Reibedruckverfahren hergestellt wurden. Dabei wurde ein Holz- oder Metallschnitt auf Papier abgezogen.

Die Wurzeln des Medizinjournalismus reichen bis zu den verheerenden Pestepidemien im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts zurück, als die Pestblätter in Mode kamen. Während auf den ersten Pestblättern lediglich die als Pesthelfer verehrten Heiligen dargestellt wurden, wurden diese Darstellungen etwa ab der Mitte des 15. Jahrhunderts durch medizinische Ratschläge ergänzt. In den Nachrichtenbriefen, die vor allem von Händlern und Handelsreisenden genutzt wurden, veröffentlichten die Herausgeber außerdem aktuelle Meldungen zu Seuchen, aber auch Berichte zu verschiedenen Heilmethoden und Arzneien.

Diesen Ansatz griffen die ersten Zeitungen und Zeitschriften auf, die sich während des 17. und 18. Jahrhunderts etablieren konnten. Im Vordergrund standen hierbei zunächst allgemeine Fragen zu Krankheit und Gesundheit.

Die Naturwissenschaften erobern den Medizinjournalismus

Der Medizinjournalismus wandelte sich etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in dem Ausmaß, wie sich die Medizin weiterentwickelte. Denn nun gingen die Forscher daran, in der Medizin mit modernen, naturwissenschaftlichen Methoden zu arbeiten. Dadurch kam es zu enormen Fortschritten in der Diagnose und Therapie zahlreicher Krankheiten. Die Zelle als kleinster Baustein des menschlichen Körpers wurde auch als Ort der Krankheit erkannt. Dadurch wurde die bis dahin gängige Theorie, dass Krankheiten durch ein Ungleichgewicht der Körpersäfte entstehen, abgelöst.

In nur wenigen Jahrzehnten erlebte die Medizin einen wahren Quantensprung, nachdem in der Behandlung der Patienten auf Hygiene geachtet wurde, bakteriologische Erkenntnisse mit einflossen und die physiologischen Zusammenhänge, die sich innerhalb des menschlichen Körpers abspielen, erkannt und beachtet wurden. Das hatte zur Folge, dass sich die Medizin in zahlreiche verschiedene Disziplinen aufspaltete und sich völlig neue Disziplinen wie die Psychologie etablierten.

Das wiederum hatte zur Folge, dass sich der Medizinjournalismus in die Richtung entwickelte, in der er auch heute noch besteht: Einerseits hatten Ärzte, Pharmazeuten und die Angehörigen anderer medizinischer Berufe einen großen Bedarf, mit den aktuellen Forschungsergebnissen bekannt gemacht und vertraut zu werden. Für die Ärzteschaft war eine fundierte Berichterstattung vor allem in Hinblick auf die Diagnose und Therapiemöglichkeiten von Krankheiten wichtig. Andererseits wollten auch die Durchschnittsleser informiert werden. Für sie mussten die Themen aus dem Medizinjournalismus allgemein verständlich aufgearbeitet werden.

Fachverbände sorgen für hochwertige Berichterstattung

Bereits 1894 wurde ein erster journalistischer Fachverband gegründet, um eine hochwertige Berichterstattung zu gewährleisten. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte kamen weitere Verbände hinzu, deren Augenmerk ebenfalls auf einer hochwertigen Berichterstattung liegt. Zusätzlich gibt es heute diverse Medienpreise wie den "Wilhelm und Ingeborg Roloff-Preis", der vorbildliche Preise au dem Bereich der Lungenheilkunde auszeichnet.

Gesellschaftliche Veränderungen und Medizinjournalismus

Dass der Medizinjournalismus heute diese herausragende Bedeutung innerhalb des Fachjournalismus genießt, liegt auch an den gesellschaftlichen Entwicklungen und Umbrüchen, die sich vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ereignet hatten. Zahlreiche Skandale und Umweltkatastrophen wie der Contergan-Skandal in den 1960er Jahren oder die verhängnisvolle Nuklearkatastrophe im damals noch russischen Atomkraftwerk Tschernobyl anno 1986 trugen ebenso zur Sensibilisierung der Bevölkerung für gesundheitsrelevante Themen bei wie der generelle gesellschaftliche Wandel.

So fanden mit der Gründung der Partei die Grünen verschiedene Umweltbewegungen auch ein politisches Sprachrohr. Themen wie Umweltschutz und gesunde Ernährung fanden nun verstärkt Eingang auch in die großen Publikumsmedien. In diesem Zusammenhang erweiterte der Aufgabenbereich der Medizinjournalisten ebenfalls. Nun lautete die wichtigste Frage für die Mediennutzer nicht mehr, wie eine Krankheit behandelt werden sollte, sondern was man machen kann, um den Körper gesund zu halten.


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