Rollenverständnis

In keinem Ressort nimmt der Journalist so viele Rollen ein, wie im Lokaljournalismus. Welche Rolle aktuell gefragt ist, hängt in erster Linie vom jeweiligen Thema ab.

Der Lokaljournalist als Informierer

Als Informierer tritt der Lokaljournalist vor allem dann auf, wenn er Nachrichten veröffentlicht. Das können Veranstaltungshinweise ebenso sein, wie aktuelle Informationen von Behörden, beispielsweise die aktuellen Termine für die Müllabfuhr in den verschiedenen Orten. In diesem Fall bearbeitet der Lokaljournalist lediglich die Informationen, die ihm von außen zur Verfügung gestellt werden.

Der Lokaljournalist als Erklärer und Übersetzer

Als Erklärer oder Übersetzer tritt der Lokaljournalist vor allem dann auf, wenn er Zusammenhänge aus Behörden und Verwaltungen erklären muss. Ein klassisches Beispiel dafür sind Sitzungen des Stadt- oder Gemeinderates, über die im Lokaljournalismus regelmäßig berichtet wird. Hier stehen oft sehr komplexe Themen auf der Tagesordnung, die den Bürger direkt betreffen. Etwa, wenn neue Bau- oder Gewerbegebiete ausgewiesen werden, über öffentliche Gebühren verhandelt wird oder der jährliche Haushalt aufgestellt wird. Die Aufgabe des Journalisten besteht dann darin, den Zusammenhang zu erklären und das oft verwendete Behördendeutsch verständlich zu erläutern.

Der Lokaljournalist als Aufklärer

Auch in die Rolle eines Aufklärers kann der Lokaljournalist schlüpfen. Die Umstellung des Zahlungsverkehrs auf das SEPA-Verfahren zum 1. Februar 2014 etwa war ein Thema, das auch im Lokaljournalismus berücksichtigt wurde, weil neben den Verbrauchern auch Vereine und Unternehmen betroffen waren. Die Gründe für dieses im Euroraum einheitliche Zahlungsverfahren wurden außerhalb der Medien jedoch nur unzureichend behandelt.

In seiner Rolle als Aufklärer begibt sich der Journalist aber sehr oft auf dünnes Eis. Das gilt vor allem dann, wenn es um politisch sensible Themen wie die Ausweisung eines Naturschutzgebietes geht. Als Beispiele für lokale Themen, bei welchen ein hoher Aufklärungsbedarf bestand, waren die geplante Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf in den 1980er Jahren oder die Einrichtung des Nationalparks Bayerischer Wald in den 1970er Jahren. Im erstgenannten Fall wurde die betroffene Bevölkerung im Hinblick auf das Gefährdungspotenzial, das von einer WAA ausgehen kann, sensibilisiert. Bei derartigen Themen läuft der Lokaljournalist sehr schnell Gefahr, von Befürwortern oder Gegnern vereinnahmt zu werden.

Der Lokaljournalist als Entertainer

In die Rolle des Entertainers schlüpft der Lokaljournalist lediglich zu besonderen Anlässen. Die Faschingszeit etwa bietet ihm die Möglichkeit, anhand der zahlreichen Faschingszüge einen Jahresrückblick der besonderen Art zu präsentieren. Themen dieser Umzüge sind ja meist lokale Geschehnisse aus dem vergangenen Jahr.

Entertainerqualitäten beweisen Lokaljournalisten außerdem vor allem in Lokalblogs. Eine beliebte Art der Berichterstattung sind hier Videos, in welchen die Berichterstatter auch gern in verschiedene Rollen schlüpfen, um Ereignisse humoristisch zu kommentieren.

Der Lokaljournalist als Kritiker

Die klassische Funktion als Kritiker erfüllt der Lokaljournalist, wenn er über kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen, Buchpräsentationen oder Lesungen berichtet. Er stellt in diesem Fall nicht nur den oder die Künstler und das Werk vor, sondern nimmt es auch kritisch unter die Lupe.

Auch in der politischen Berichterstattung nimmt der Lokaljournalist gelegentlich die Rolle des Kritikers ein. Das trifft meist dann zu, wenn Kommunalpolitiker eine Entscheidung durchfechten wollen, die in der Bevölkerung umstritten ist.

Der Lokaljournalist als Anwalt

Eher selten tritt der Lokaljournalist als Anwalt des Mediennutzers auf. Diese Rolle nimmt er am ehesten dann ein, wenn er Verbraucherschutzthemen bearbeitet und auf konkrete Fallbeispiele aus dem Verbreitungsgebiet seines Mediums zurückgreifen kann.


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