Bedeutung

Bis Ende der 1990er Jahre war der Lokaljournalismus eine klassische Domäne der Printmedien, vor allem der Tageszeitungen: Von insgesamt 351 Tageszeitungen in Deutschland (Stand 2009) handelte es sich 334 Titeln um lokale und regionale Tageszeitungen, deren wirtschaftliche Basis ebenfalls der Lokaljournalismus darstellt. Lediglich überregionale Zeitungen wie die Frankfurter Allgemeine, die Süddeutsche, die taz oder überregionale Boulevardzeitungen wie Bild verzichten auf einen eigenen Lokalteil.

Gestärkt wurde der Lokaljournalismus auch vom Boom, den Anzeigenblätter ab 1970 erlebten. Diese konzentrieren sich in ihrer Berichterstattung komplett auf das Lokale. Im Unterschied zu Tageszeitungen, die entweder als Kaufzeitungen erhältlich sind oder im Abonnement bezogen werden können, werden diese kostenlos an alle Haushalte im Verbreitungsgebiet verteilt. In zahlreichen Großstädten sind Anzeigenblätter sogar die wichtigsten Informationsquellen aus dem Bereich der Printmedien. So gibt es etwa in München für die verschiedenen Stadtteile eigene Stadtteilzeitungen, die sich ausschließlich auf ihren jeweiligen Bezirk konzentrieren.

Insgesamt hat der Lokaljournalismus für Printmedien die größte Bedeutung. Während bei Anzeigenblättern, in welchen die klassische Ressortaufteilung meist komplett fehlt, ausschließlich Lokaljournalisten arbeiten, sind bei Tageszeitung 60 Prozent aller Journalisten im Lokaljournalismus tätig. Auf den Hörfunk entfallen rund zehn Prozent der Journalisten, auf das Fernsehen etwa acht Prozent.

Die Bedeutung des Lokalen für Hörfunk und Fernsehen

Eine wesentliche Rolle für den Hörfunk spielt der Lokaljournalismus erst seit Mitte der 1980er Jahre, nachdem von mehreren Landesmedienanstalten Sendelizenzen für private Hörfunksender vergeben werden. Bei den überregionalen Sendern unterhalten lediglich die öffentlich-rechtlichen eigene Lokalredaktionen. Diese liefern vorwiegend Beiträge von Veranstaltungen oder Reportagen über typisches Brauchtum, die für bestimmte Sendungen gebraucht werden. Da es sich dabei meist um Special-Interest-Sendungen handelt, die eine bestimmte Zielgruppe erreichen, spielt der Lokaljournalismus für die breite Hörerschaft keine wesentliche Rolle.

Ähnliches gilt für überregionale Fernsehsender. Privatsender hingegen erhalten Beiträge eher von freien Mitarbeitern oder schicken eigene Teams zur Berichterstattung vor Ort, wenn ein Thema für sie interessant ist. Während der 1990er Jahre erlebte der Lokaljournalismus durch die Gründung zahlreicher Regionalsender einen gewissen Boom. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit allerdings eher auf Ballungsräume.

Das Web stärkt die Bedeutung des Lokaljournalismus

Das Web und die neuen Medien stärken seit einigen Jahren die Bedeutung des Lokaljournalismus. Während sich die etablierten Medien aus Kostengründen bis zu einem gewissen Grad von der Präsenz vor Ort zurückziehen, erleben Lokalblogs einen regelrechten Boom. So gründete etwa 2003 der Betriebswirt Philipp Schwörbel die "Prenzlauer Berg Nachrichten", weil ihm selbst Nachrichten über das politische Geschehen im Bezirk in den vorhandenen Berliner Medien fehlten.

Einen gewissen Kultstatus in der Bloggerszene haben sich die Journalisten Hardy Prothmann mit seinem Rheinneckarblog und Stefan Aigner mit Regensburg Digital erarbeitet. Beide haben ihre Netzzeitungen im Raum Mannheim und Regensburg gegründet, weil ihnen das Angebot der örtlichen Medien zu stromlinienförmig erschien. Sie greifen vor allem brisante Themen auf, die anderweitig aus verschiedenen Gründen in der Lokalpresse nicht erscheinen. Dabei arbeiten sie häufig investigativ und sorgten dadurch in der Vergangenheit des Öfteren für überregionales Medienecho.

Weil ein Großteil der Lokalblogs nicht von journalistischen Profis betrieben wird sehen Medienwissenschaftler in ihnen einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung des sogenannten Graswurzeljournalismus. Dabei handelt es sich um eine Form des Journalismus, der es Bürgern ermöglicht, an gesellschaftlichen Diskussionen teilzuhaben. Stadtteilzeitungen, die in Deutschland während der 1970er und 1980er Jahre weit verbreitet waren, gelten als Vorläufer. Wie die heutigen Lokalblogs verstanden sie sich als eine Art Gegenöffentlichkeit.


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