Rollenverständnis

Das Rollenverständnis des Kulturjournalisten hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten radikal verändert. Während er sich in der Vergangenheit als Instanz betrachtete, die darüber richtete, was Kultur war und was nicht, sieht er sich heute auf Augenhöhe mit dem Mediennutzer. Zwar nimmt der Kulturjournalist nach wie vor die Rolle eines Kritikers ein, doch dies ist nur eine von vielen und bei weitem nicht mehr die Wichtigste.

Der Kulturjournalist als Informierer

Die wohl wichtigste Rolle des Kulturjournalisten ist mittlerweile die des Informierers geworden. Denn angesichts der zahlreichen Neuerscheinungen auf dem Buch- und Filmmarkt ist der normale Mediennutzer aufgrund der Vielfalt schier überfordert. Allein auf dem Buchmarkt liegt die Zahl der Neuerscheinungen im mittleren fünfstelligen Bereich pro Jahr. Der Kulturjournalist trifft durch die Titel, die er bespricht, bereits eine Vorauswahl und weist den Nutzer dadurch auf interessante Bücher hin. Das ist natürlich umso einfacher, je homogener die Gruppe der Mediennutzer im jeweiligen Medium ist. Der Kulturjournalist wird bei der Tageszeitung naturgemäß den Geschmack von weniger Lesern treffen als ein Kollege, der für ein Special-Interest-Magazin arbeitet.

Auch für Film und Musik spielt der Kulturjournalist eine wichtige Rolle als Informierer und Erklärer. Er stellt nicht nur die Handlung eines Films dar oder berichtet über die Neuerscheinung oder die anstehende Tournee einer angesagten Band, sondern streut auch Hintergründiges in die Berichte mit ein. Gehen beispielsweise Rock-Giganten wie Metallica oder die Rolling Stones auf Tournee, sollten in den Berichten Informationen über die einzelnen Bandmitglieder oder die Geschichte der Band nicht fehlen. Die jüngere Fangeneration kennt diese Informationen schließlich noch nicht, während die älteren Nutzer vielleicht ihr Wissen gern auffrischen.

Der Kulturjournalist als Kritiker

Einst galten Kulturjournalisten, die sich als Kritiker betätigten, als geachtet und gefürchtet gleichermaßen. Eine Kritik aus der Feder einer Instanz wie Marcel Reich-Ranicki konnte darüber entscheiden, ob ein Titel zum Bestseller oder zum wirtschaftlichen Flop wird. Einen derartigen Einfluss hat mittlerweile kein Kulturjournalist mehr, weil sich der Leser gern seine eigene Meinung bildet und die Kulturberichte eines Mediums in erster Linie als Informationsquelle nutzt. Zudem informiert sich der Nutzer gern in mehreren Medien. Einen Einfluss darauf, ob der Nutzer ein Buch kauft oder einen Film besucht, haben Kulturjournalisten nur insofern, wenn sich mehrere Kollegen im Tenor ihrer Kritik einig sind.

Der Kulturjournalist als Entertainer

Die Rolle des Kulturjournalisten als Entertainer hängt von der Mediengattung ab, in welcher er tätig ist. In Printmedien kann er lediglich versuchen, einen Bericht witzig zu schreiben. Dabei muss er allerdings mit Fingerspitzengefühl vorgehen, weil der Leser unglücklich umgesetzte Kritik an einem Künstler und dessen Werk leicht als Neid auffassen kann.

Im Hörfunk und vor allem im Fernsehen hat der Kulturjournalist wesentlich mehr Möglichkeiten, seine Entertainerqualitäten unter Beweis zu stellen. Beispielsweise kann er eine Buch- oder Filmbesprechung als Dialog zweier Moderatoren inszenieren, um den Beitrag lebendiger erscheinen zu lassen. Noch wichtiger als im Radio ist die Inszenierung des Beitrages im Fernsehen. Um den Beitrag interessant zu gestalten, kann der Kulturjournalist etwa den Künstler ein paar Stunden lang von der Kamera begleiten lassen, sodass der Beitrag entsprechend aufgelockert wird.

Der Kulturjournalist als Agenda-Setter

Sehr oft sind es mittlerweile Kulturjournalisten, die neue Trends entdecken und diese Publik machen. Ein Grund dafür liegt darin, dass sich neue Subkulturen, die sich meist in den Metropolen entwickeln, möglichst breit gefächert von ihrer Umwelt abheben wollen. Als Paradebeispiel dafür darf die Hip-Hop-Kultur gelten, die sich während der 1980er Jahre entwickelt hatte. In nur wenigen Jahren hatten die Vertreter dieser Subkultur neben einer eigenen Mode auch eine eigene Musikrichtung etabliert, die durch die Berichterstattung in den Medien von einer breiten Schicht von Jugendlichen angenommen wurde und mittlerweile als wichtiges Element der Popkultur gilt.


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