Historie

Der Kulturjournalismus blickt mittlerweile auf eine rund 200jährige Geschichte zurück. Denn schon bei den ersten Zeitungen gehörten Rezensionen von Büchern oder Theaterstücken ebenso zum redaktionellen Inhalt wie der Abdruck von Gedichten oder Auszügen aus Romanen. Der Begriff Feuilleton als Ressort, in welchem der Kulturjournalismus in erster Linie seinen Platz findet, setzte sich im Zuge der Französischen Revolution durch. Der Journalist bezeichnete seine regelmäßige Rubrik im Journal des Débats, in welcher er Bücher und Theateraufführungen besprach, als Feuilleton. Diese Rubrik wurde zunächst aber noch nicht im Hauptblatt veröffentlicht, sondern in einer Beilage, in welcher ausschließlich kulturelle Nachrichten und Kritiken veröffentlicht wurden. Erst nachdem diese Beilage äußerst gern gelesen wurde, fanden Kulturnachrichten Eingang ins Hauptblatt. Deutsche Zeitungen folgten dem französischen Vorbild zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Berühmte Persönlichkeiten arbeiten als Kulturjournalisten

Nachdem das Feuilleton zu einem festen Bestandteil der Zeitungen geworden war – als klassisches fünftes Zeitungsressort etablierte sich der Kulturjournalismus gegen Mitte des 19. Jahrhunderts – arbeiteten zahlreiche berühmte Persönlichkeiten auch im Kulturjournalismus. Beispielsweise verfassten die Musiker Engelbert Humperdinck und sogar Richard Wagner Musikkritiken, die in der Frankfurter Zeitung veröffentlicht wurden. Wissenschaftler wie Alexander von Humboldt oder Justus Liebig nutzten den Kulturjournalismus, um ihre Erkenntnisse zu publizieren.

Ein journalistisches Experimentierfeld

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts hinein bot der Kulturjournalismus also Platz für zahlreiche journalistische Experimente. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde mit dem Fortsetzungsroman ein Element aufgenommen, das auch heute noch in zahlreichen Tageszeitungen zu finden ist – heute allerdings im Unterhaltungsteil. Damals waren diese Romane für die Verleger eine günstige Gelegenheit, um den Platz zu füllen und zugleich die Leser an das Medium banden.

Die Kulturnachrichten werden erwachsen

In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Kulturjournalismus in der Form, wie man ihn heute kennt. Zu verdanken ist das vor allem dem Kritiker Ludwig Börne und dem Schriftsteller und Journalisten Heinrich Heine. In den folgenden Jahren übernahmen alle weiteren Printmedien die Art des Kulturjournalismus, wie ihn vor allem Frankfurter Zeitung und Berliner Tagblatt vormachten. Berichtet wurde größtenteils über die Hochkultur, weil die Zeitungen vor allem das Bildungsbürgertum als Zielgruppe ansahen.

In den folgenden Jahrzehnten galt der Kulturteil vor allem bei den überregionalen Zeitungen als redaktionelles Flaggschiff, das sich an einen elitären Leserkreis richtete. Kulturjournalismus wurde also bis in die 1980er Jahre hinein nur von einer kleinen Minderheit der Medienkonsumenten beachtet.

Historikerstreit löst Wandel aus

Dies änderte sich ab 1986, als der sogenannte Historikerstreit über die deutschen Feuilletons ausgetragen wurde. Ausgelöst hatte diesen Streit der Philosoph und Historiker Ernst Nolte, der die Frage formuliert hatte, ob der Holocaust eine logische Folge-Reaktion auf sowjetische Gulags gewesen sei. Der Philosoph Jürgen Habermas warf Nolte daraufhin öffentlich Revisionismus vor, durch den ein neues Nationalbewusstsein dadurch entstehen solle, dass die deutsche Vergangenheit abgeschüttelt werde. Nolte und Habermas hatten damit eine öffentliche Debatte ausgelöst, die sich über ein Jahr hinziehen sollte und die in erster Linie im Feuilleton ausgetragen wurde.

Diese Tradition dieser gesellschaftspolitischen Diskussion hat sich im Kulturjournalismus mittlerweile zu einer deutschen Besonderheit entwickelt. Denn vor allem nach dem Berliner Mauerfall wurden wichtige zeithistorische Fragen in Zusammenhang mit der deutschen Einheit im Feuilleton aufgegriffen. Vor allem während der 1990er Jahre haben Themen wie das Holocaust-Mahnmal oder die Beteiligung deutscher Truppen an den UNO-Friedensmissionen in Ex-Jugoslawien den Kulturjournalismus in Deutschland geprägt.

Parallel dazu hat sich das Internet weltweit verbreitet, sodass sich der Mediennutzer selbst alle Informationen, die ihn interessieren, suchen kann. Der Kulturjournalist hat also gewissermaßen seinen Nimbus verloren, zur Informations-Elite zu gehören, der den Mediennutzer bilden soll. Er ist eher zu einem Moderator geworden, der sich auf Augenhöhe mit dem Leser, dem Hörer oder dem Zuschauer befindet.

Das Interesse an kulturellen Themen wächst

Nicht zuletzt dieser Ausweitung auf gesellschaftliche Fragen ist es zu verdanken, dass der Kulturjournalismus eine sehr viel breitere Schicht an Medienkonsumenten erreicht. Gegenwärtig ist die Medienlandschaft im Bereich des Kulturjournalismus so vielfältig wie noch nie, wie die zahlreichen Gründungen von Magazinen seit den 1990er Jahren zeigt.


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