Fokus Deutschland

Inhaltlich unterscheidet sich der Kulturjournalismus in Deutschland nicht von der Berichterstattung in anderen Ländern. Unterschiede ergeben sich allenfalls aufgrund der Struktur der Medienlandschaft. So ist Deutschland sehr stark von Regionalzeitungen geprägt, die ihre besondere Stärke darin haben, dass sie sehr stark in der Lokalberichterstattung verwurzelt sind. Diese deutsche Besonderheit hat historische Gründe: Denn bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts, als sich die Zeitung schon längst als wichtiges Medium etabliert hatte, gab es kein einheitliches Staatsgebiet. Das Land war zersplittert in Hunderte von unabhängigen Fürstentümern und Herrschaften, wodurch sich eine Vielzahl an politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentren entwickelt hatte, aus welchen die Medien berichteten.

Diese Tradition hat sich bis heute gehalten. Die Kulturjournalisten berichten also nicht nur von den Ereignissen und großen Events in kulturellen Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München, sondern auch über die Aufführungen von professionellen Laiengruppen oder aus den nächstgelegenen Stadttheatern.

Ab Mitte der 1980er hat sich, ausgelöst vom sogenannten Historikerstreit, ein weitere deutsche Besonderheit im Kulturjournalismus ergeben: Zahlreiche gesellschaftliche Fragen werden vor dem Hintergrund der deutschen Vergangenheit während des 20. Jahrhunderts im Kulturteil ausgetragen. Zu diesen Fragen gehört etwa die Beteiligung deutscher Soldaten in internationalen Konflikten. Der Kulturjournalismus in Deutschland hat sich also auch zu einer Plattform für gesellschaftliche und gesellschaftskritische Fragen entwickelt. Dieser Trend gilt als typisches deutsches Phänomen.

Das Land der Dichter und Denker

Traditionell nimmt die Literatur in Deutschlands Kulturjournalismus einen größeren Stellenwert ein, als es etwa in Großbritannien oder den USA der Fall ist. Neben der Tatsache, dass Deutschland dank Geistesgrößen wie Johann Wolfgang von Goethe oder Friedrich Schiller, welche die abendländische Literatur mit ihren Werken maßgeblich geprägt haben, als Land der Dichter und Denker gilt, liegt das auch an der Struktur der Kulturproduzenten.

Die Filmindustrie etwa – einer der wichtigsten Produzenten von Unterhaltungs- und Kulturgütern – spielt in Deutschland trotz einiger herausragender und international beachteter Produktionen keine nennenswerte Rolle. Darstellende Künstler von Weltruf konzentrieren sich mit ihrem Schaffen und der Präsentation ihrer Werke vorwiegend auf internationale Metropolen, wo sie ein breiteres Publikum und höhere Preise erzielen können. Kulturjournalisten konzentrieren sich deshalb in der Berichterstattung vorwiegend auf kulturelle Ereignisse, die regional einen begrenzten Einzugsbereich besitzen.

Während in den USA die Filmindustrie und in Großbritannien die Musik dank der Metropole London, die als herausragendes Zentrum der Popkultur gilt, in der Berichterstattung der Kulturjournalisten einen relativ großen Raum einnimmt, ist es in Deutschland die Literatur und der zeitgenössische Literaturbetrieb. Auch das gründet auf den vorhandenen Strukturen im Verlagswesen: Während sich die wenigen großen Verlage auf etablierte Autoren wie Günter Grass oder die deutschen Ausgaben internationaler Bestsellerautoren konzentrieren, gibt es eine Vielzahl an kleinen und mittelständischen Verlagen, die ihr Verlagsprogramm auf regionale Belletristik und Sachliteratur ausgerichtet haben. Diese werden in den Medien, für welche diese Themen von Interesse sind, entsprechend berücksichtigt.


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