Warum das Verhältnis der Ostdeutschen zu den Medien so schwierig ist? Aktuelles Diskussionspapier der Otto-Brenner-Stiftung.

Die deutsche Einheit liegt bereits 30 Jahre zurück, doch um die massenmediale Teilhabe der Ostdeutschen ist es schlecht bestellt. Zu diesem Fazit kommt ein aktuelles Diskussionspapier der Otto-Brenner-Stiftung, das gestern vorgestellt wurde. Es wird darin verwiesen, dass in den Führungsetagen der wichtigsten deutschen Leitmedien so gut wie keine Ostdeutschen zu finden sind. Fast alle ostdeutschen Regionalzeitungen sind im Besitz westdeutscher Medienhäuser. Selbst in den Chefetagen großer ostdeutscher Regionalzeitungen sind Westdeutsche überrepräsentiert wie vielerorts beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Des Weiteren sind in den größten deutschen Journalistenschulen Ostdeutsche erheblich unterrepräsentiert.

In dem Diskussionspapier von Autor Lutz Mükke wird zudem darauf verwiesen, dass die überregionale westdeutsche Qualitätspresse von den Ostdeutschen so gut wie nicht gelesen wird. Auf der anderen Seite hat sich kein ostdeutsches überregionales Leitmedium etabliert. In dem Diskussionspapier kommt auch der Redaktionsleiter von „Die Zeit im Osten“ Martin Machowecz zu Wort und erklärt im Gespräch mit Mükke: „Die Einheit ist insgesamt nach westdeutschem Modell durchgeführt worden, der Großteil der Macht liegt bis heute im Westen. Das hat sich in den Redaktionen genauso gespiegelt wie bei großen Behörden, Verwaltungen oder großen Konzernen. Immer ist der Ostdeutsche eher hinterhergelaufen und hat versucht, sich anzupassen.“ Mükke kommt zu dem Schluss: „Die Monopolisierung und Provinzialisierung des Medienangebots hat wahrscheinlich ebenso zur Verschiebung des gesellschaftspolitischen Klimas und zu den großen Mobilisierungserfolgen populistischer Bewegungen im Osten beigetragen, wie die mangelhafte Partizipation und Repräsentation Ostdeutscher in überregionalen Leitmedien“.

Mükke beanstandet im Diskussionspapier nicht nur die schlechte Entwicklung, sondern gibt einige Handlungsempfehlungen zum Perspektivwechsel. So wird eine Quotendiskussion für Ostdeutsche in Erwägung gezogen und Stipendienprogramme für angehende ostdeutsche Journalisten. Des Weiteren soll das Papier Anstoß für eine Veranstaltungsreihe zur Lage des Journalismus in Ostdeutschland sein.

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