Reuters-Umfrage: Was erwarten sich Medienschaffende weltweit vom Jahr 2022? Covid-19-Krise: Jahr der Konsolidierung, Generationenwechsel bleibt Schlüsselthema.

Was kommt auf den Journalismus und die Medienwelt im Jahr 2022 zu? Welche Herausforderungen und (technologischen) Trends zeichnen sich ab? – Zu diesen Themen befragte das Reuters Institute for the Study of Journalism der Universität Oxford 246 Medienmacher:innen in Führungspositionen aus 52 Ländern und führte Interviews mit Brancheninsidern.

Gewissermaßen „ausgebrannt“ von der Covid-19-Krise, der intensiven Berichterstattung über diese und ihren polarisierenden Debatten starten die Nachrichtenbranche und ihr Publikum ins Jahr 2022. Dieses werde ein Jahr der vorsichtigen Konsolidierung, in dem sich der Journalismus laut Studienautor Nic Newman wieder auf seine Grundlagen besinnen könnte. Eine zentrale Herausforderung für Medienschaffende werde es sein, Menschen, die sich in vielen Teilen der Welt vom Nachrichtengeschehen abgewendet hätten, als Publikum zurückzugewinnen. Die Beziehung zu bestehenden Nachrichtenkonsumentinnen und -konsumenten gelte es zu vertiefen.

Ein Schlüsselthema werde 2022 der Generationenwechsel bleiben. Dieser würde zur internen Auseinandersetzung mit Diversität und Inklusion in den Newsrooms führen und die Themen Klimawandel und mentale Gesundheit auf die Agenda bringen. Mit der zusammenfassenden Darstellung des Studienautors korrespondieren die Aussagen der Befragten, die in diesem Jahr ihre Aufmerksamkeit auf Instagram (Nettowertung +54), TikTok (+44) und YouTube (+43) richten wollen und somit auf Social-Media-Plattformen, die bei jungen Menschen populär sind.

Aus weiteren Teilergebnissen der Befragung geht hervor, dass im Bereich der Innovation rund zwei Drittel der Medienherausgeber:innen (67 Prozent) mit bereits vorhandenen Produkten arbeiten wollen. Mehr Ressourcen sollen in Podcasts und andere digitale Audioformate (80 Prozent) sowie Email-Newsletter (70 Prozent) investiert werden, da diese Kanäle sich darin bewährt hätten, die Nutzer:innenbindung zu steigern und neue Abonnentinnen und Abonnenten zu gewinnen. Viele Medienunternehmen werden auch weiterhin auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (AI) setzen: Acht von zehn der Befragten hielten diese im Bereich der Content-Empfehlung (85 Prozent) sowie in der Automatisierung der Newsrooms (81 Prozent) für besonders wichtig.

Auf der Geschäftsseite liege der Fokus vieler traditioneller Nachrichtenunternehmen auf einer schnelleren digitalen Transformation. 79 Prozent gaben des Weiteren an, dass das Voranbringen von Abonnement- und Mitgliedschaftsmodellen als Einnahmequelle noch vor Display- und Native Advertising für sie Priorität habe.

Mit 75 Prozent zeigte sich der Großteil der Medienmacher:innen zuversichtlich, was die Zukunft ihres Unternehmens betrifft; 60 Prozent teilen diese Ansicht auch für die Zukunft des Journalismus.

Zu den Studienergebnissen: Journalism, Media, and Technology Trends and Predictions 2022 (ox.ac.uk) (PDF-Download)

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