Reporter ohne Grenzen (RSF): Jahresbilanz der Pressefreiheit 2021 Höchststand bei inhaftierten Medienschaffenden. Gefährlichstes Land bleibt Mexiko.

Zwei Medienschaffende sind verschwunden, 65 wurden entführt, 488 sind im Gefängnis und 46 wurden getötet – diese aufrüttelnden Zahlen zeigt die von Reporter ohne Grenzen veröffentlichte Jahresbilanz der Pressefreiheit 2021 auf, in der jedes Jahr die weltweit schwersten Übergriffe auf Medienschaffende dokumentiert werden.

Die Zahl der inhaftierten Journalistinnen und Journalisten sei noch nie so hoch gewesen, seit die Jahresbilanz 1995 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, berichtet RSF. Zum Stichtag 1.12.2021 habe es allein innerhalb eines Jahres einen Anstieg der Inhaftierungen um 20 Prozent gegeben.

Die meisten inhaftierten Journalistinnen und Journalisten wurden zum fünften Mal in Folge in China verzeichnet: Dort sind derzeit 127 Medienschaffende in Haft. Nachdem das Militär in Myanmar durch einen Putsch am 1. Februar 2021 wieder an der Macht ist, liegt das Land mit 53 Inhaftierten an zweiter Stelle; es folgen Vietnam (43), Belarus (32) und Saudi-Arabien (31). Wie Myanmar gehört somit auch Belarus nach der Wiederwahl Alexander Lukaschenkos im August 2020 und den folgenden Protesten somit erstmals zu den unrühmlichen „Top Fünf“ jener Länder, in denen die meisten inhaftierten Medienschaffenden verzeichnet wurden.

Rund 12 Prozent aller inhaftierten Medienschaffenden insgesamt sind in diesem Jahr Frauen – nahezu doppelt so viele wie vor vier Jahren. Auch diese Zahl sei ein neuer Höchststand.

Das gefährlichste Land für Medienschaffende bleibt im dritten Jahr in Folge Mexiko: 2021 wurden dort sieben Journalisten getötet. Dicht gefolgt von Afghanistan, wo im Jahr der Machtübernahme durch die Taliban sechs Medienschaffende – laut RSF meist bei Attentaten und Bombenanschlägen – zu Tode kamen. Außerdem zählen der Jemen und Indien mit je vier und Pakistan mit drei Todesopfern zu den gefährlichsten Ländern für Journalistinnen und Journalisten.

In Mexiko sind mit Jorge Molontzín Centlal und Pablo Felipe Romero 2021 zudem zwei weitere Medienschaffende verschwunden; womit die Gesamtzahl der international vermissten Journalistinnen und Journalisten nun bei 46 liegt. Von den 2020 Verschwundenen ist 2021 niemand zurückgekehrt oder auffindbar gewesen.

Nahezu alle Fälle von Entführungen fanden mit Syrien (44 entführte Medienschaffende), dem Irak (11) und dem Jemen (9) in Ländern des Nahen Ostens statt. Eine Ausnahme bildet der Fall des französischen Journalisten Olivier Dubois, der im April letzten Jahres in Mali von Extremisten entführt wurde, die mit Al-Quaida in Verbindung stehen. Die meisten Medienschaffenden als Geiseln hält mit 28 Entführungsfällen der „Islamische Staat“.

Der DFJV unterstützt die Arbeit von Reporter ohne Grenzen seit Jahren als Fördermitglied. Wir verurteilen angesichts der erschreckenden Zahlen der vorliegenden Jahresbilanz jegliche Form der Gewalt gegen Medienschaffende sowie die damit einhergehende Unterdrückung der Pressefreiheit erneut aufs Schärfste.

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