Kaum Diversität in der TV-Wahlkampfberichterstattung Eine Studie der Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM)

Wer kommt im Wahlkampf in den Nachrichten zu Wort? Dieser Frage geht eine Studie der Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM) nach, in der die Sichtbarkeit von Minderheiten und marginalisierten Gruppen in deutschen Abendnachrichten rund um die Bundestagswahl 2021 untersucht wurde.

Die Ergebnisse zeigen eine mangelnde Diversität in der TV-Wahlkampfberichterstattung auf. Dazu einige Teilergebnisse: In Bezug auf das Geschlecht kam auf zwei Männer im Durchschnitt eine Frau im Nachrichtengeschehen. Der Frauenanteil variierte je nachdem, in welcher Funktion diese auftraten. Als Bürgerinnen (46 Prozent) oder Moderatorinnen (48 Prozent) waren Frauen nahezu gleichberechtigt vertreten, besonders selten waren sie hingegen als Expertinnen (21 Prozent) zu sehen. Deutlich unterrepräsentiert waren migrantisch wahrgenommene Menschen, die sich sehr selten (10 Prozent) zu Themen äußerten, in denen es um Deutschland ging. Zum Vergleich: Dem gegenüber steht ein Bevölkerungsanteil von Menschen mit Migrationshintergrund von rund 27 Prozent. Besonders häufig sprachen migrantisch wahrgenomme Menschen zu den Themen Migration (42 Prozent) und Flucht (27 Prozent). Zu innenpolitischen Themen leisteten sie hingegen kaum Wortbeiträge (rund 7 Prozent). Nahezu keine Rolle spielten außerdem Menschen mit einer sichtbaren Behinderung (0,7 Prozent), nicht-binärgeschlechtliche Menschen blieben überhaupt unsichtbar in den Nachrichten.

Die Autorinnen und Autoren appellieren an die Fernsehsender, ihren Bildungs- und Informationsauftrag laut Rundfunkstaatsgesetz nicht zu vernachlässigen. Unterschiedliche Perspektiven zuzulassen und die gesellschaftliche Diversität abzubilden sei Aufgabe der gebührenfinanzierten, öffentlich-rechtlichen, aber auch der privaten Sender.

Für die exemplarische Analyse wurden die ARD-Tagesthemen, das ZDF-heute journal und RTL Aktuell vom 1. August 2021 bis 30. September 2021 von einem Team des NdM gemeinsam mit Datenjournalistinnen und -journalisten beobachtet und ausgewertet. Die Autorinnen und Autoren verweisen darauf, dass Ergebnisse ihrer stichprobenartigen Untersuchung mit den Resultaten einer Studie der MaLisa Stiftung Übereinstimmungen zeige. Diese untersuchte zuletzt für das Jahr 2020 die gesellschaftliche Vielfalt im deutschen Fernsehen und Kino.

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