Jahresbericht des Presserats 2021: „Sorgfalt ist das Gebot der Stunde“ Zweifel an Corona-Berichten; aktuell erste Beschwerden zur Ukraine-Berichterstattung.

Der Deutsche Presserat zieht mit dem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht 2021 Bilanz über die im letzten Jahr von Leserinnen und Lesern bei der freiwilligen Selbstkontrolle der Presse eingereichten Beschwerden. Insgesamt gingen 2.556 Einzelbeschwerden gegen Berichterstattungen in Print- und Onlinemedien ein. Die Meldungen seien im Vergleich zum Rekordjahr 2020, in dem 4.085 Einzelbeschwerden erfasst wurden, zwar zurückgegangen, blieben jedoch trotzdem auf einem hohen Niveau. Insgesamt wurde öfter (60 Mal) mit einer Rüge die schärfste Sanktion verhängt als 2020 (53 Mal). Zu den häufigsten Gründen für eine Rüge zählten Verletzungen des Persönlichkeitsschutzes (22 Mal), die Überschreitung der Grenze zur Schleichwerbung bzw. eine unklare Trennung von Redaktions- und Anzeigenteil (21 Mal) und mangelnde Sorgfaltspflicht (7).

Mit 457 Meldungen bezog sich jede fünfte Beschwerde beim Deutschen Presserat 2021 auf Berichte zur Covid-19-Pandemie. In nahezu 80 Prozent der Fälle zweifelten die Leser:innen dabei die Richtigkeit von journalistischen Inhalten an. Dabei wurde zum Beispiel die korrekte Wiedergabe von Daten wie Infektionszahlen, Intensivbettbelegung oder Impfnebenwirkungen infrage gestellt. Auch der Wahrheitsgehalt von wissenschaftlichen Aussagen und die korrekte Wiedergabe von Zitaten aus Studien wurden angezweifelt. Etwa drei Viertel der Beschwerden zum Thema Corona wurden zwar als unbegründet entkräftet, dennoch erteilte der Presserat fünf Rügen.

Dem Presserat liegen aktuell außerdem schon mehrere Beschwerden über die Ukraine-Berichterstattung vor. Darunter beziehen sich einige auf Schlagzeilen, die auf einen drohenden Atomkrieg hindeuten, oder auf Fotos, die unverpixelt schwer verletzte Kriegsopfer zeigen.

„Sorgfalt ist das Gebot der Stunde“, appelliert der Sprecher des Presserats Sascha Borowski im Hinblick auf die Berichterstattung zur Corona-Situation sowie zum aktuellen Ukraine-Krieg daher an die Redaktionen. Und er mahnt: „Die Medien sollten Krisen nicht dafür nutzen, mit übertrieben sensationellen Schlagzeilen zusätzliche Ängste zu schüren.“

© DFJV Deutscher Fachjournalisten-Verband AG