Audio oder Video? Wie sich Podcasting durch Plattformen verändert
Videopodcasts gehören derzeit zu den spannendsten Entwicklungen im Podcasting. Plattformen wie YouTube und Spotify verändern die Art, wie Podcasts entdeckt, veröffentlicht und konsumiert werden. Gleichzeitig stehen Podcaster vor der Frage, ob Audio allein noch ausreicht oder ob Video inzwischen dazugehört.
Diese dreiteilige Artikelreihe beleuchtet die wichtigsten Aspekte des Videopodcastings. Im ersten Teil geht es um die unterschiedlichen Stärken von Audio und Video, den Einfluss von Plattformen und die Frage, welches Format zu welchem Ziel passt. Der zweite Beitrag widmet sich der Videoproduktion und zeigt, worauf es bei Planung, Aufnahme und Gestaltung ankommt. Im dritten Teil geht es um die Produktion von Videopodcasts mit Remote-Tools wie Riverside und darum, wie sich Interviews auch über Distanz in hoher Qualität aufzeichnen lassen.
Viele denken bei dem Wort „Podcast“ an Audio, an Gespräche oder Interviews. Doch mittlerweile bedeutet Podcast auch Bewegtbild. Und auf Dialoge waren Podcasts tatsächlich noch nie reduziert. Schon immer gab es Hörspiele, Features, Reportagen und die klassischen Solofolgen als Podcast für die Hosentasche.
Was den klassischen Podcast gekennzeichnet hat – und immer noch ausmacht –, ist der RSS-Feed. Das ist ein kleines Nachrichtenformat, welches mit dem Audio oder Video verbunden ist. Der Feed ermöglicht es, dass ein Podcast mit jeder beliebigen Podcast-App abonniert werden kann, Nutzer:innen über neue Folgen informiert werden und den Podcast auch offline hören, also herunterladen können.
Was den klassischen Podcast gekennzeichnet hat – und immer noch ausmacht –, ist der RSS-Feed.
Nicht nur die Hörerschaft profitiert von dieser Technologie, auch die Podcaster:innen schätzen den offenen Podcast-Feed. Er kann, einmal beim Hosten automatisch generiert, auf allen Podcast-Plattformen, von Apple Podcasts bis Podcaster.de, kostenlos eingetragen werden. Das geschieht am Anfang der Podcast-Reise; danach aktualisiert er sich mit jeder neuen Episode. Das bedeutet für Podcaster:innen: ein Upload und gleichzeitige Präsenz auf einer Vielzahl von Plattformen.
Diese charmante Einfachheit ist mit Videopodcasts nicht mehr möglich. Dennoch bietet der Videopodcast relevante Vorteile: Mehr Sichtbarkeit für den Inhalt und eine höhere Reichweite durch Plattformlogiken sowie schnelles Content-Recycling sind möglich.
Neue Wege zum Publikum
Audiopodcasts können bereits seit Anfang 2024 per RSS-Feed auf YouTube geteilt werden. Podcasts sind so auf dieser wichtigen Suchmaschine präsent. Doch optisch ist das eher langweilig: Aus dem Podcast-Cover und dem Audio wird ein Video mit Standbild erstellt. Einzig unterschiedliche Episodenbilder können etwas Abwechslung in die Darstellung auf dem Podcast-Kanal bei YouTube bringen. Und auch wenn eine Audiowelle über das Standbild flackert, reicht die so erzeugte Aufmerksamkeit nicht an das heran, was das Bewegtbild erreicht.
Außerdem funktionieren Videos – insbesondere auf YouTube – nicht wie herkömmliche Podcast-Apps. Hier entscheiden Nutzer:innen aktiv, welcher Sendung sie folgen, und neue Folgen erscheinen automatisch im Feed. Reichweite entsteht also über loyale Stammhörer:innen und eine regelmäßige Veröffentlichung.
Video funktioniert nach einer anderen Logik, denn Plattformen wie YouTube sind stark empfehlungsgetrieben. Inhalte werden auf der Startseite, über „Nächstes Video“ oder Shorts ausgespielt – je nach bisherigem Nutzungsverhalten. Entscheidend ist dabei, wie häufig ein Video geklickt und wie lange es angesehen wird. Diese algorithmische Logik sorgt dafür, dass Inhalte auch ohne bestehende Community große Reichweiten erzielen können.
Aus einer einzigen Videodatei lassen sich […] mit wenig Aufwand gleich mehrere Formate schneiden: Clips, Reels und Shorts, die Sie auf TikTok, Instagram und YouTube veröffentlichen können.
Anders als Videos lassen sich Audios auf Social Media nicht direkt teilen. Sie müssen verlinkt oder zunächst in eine Videodatei umgewandelt werden. Aus einer einzigen Videodatei lassen sich aber mit wenig Aufwand gleich mehrere Formate schneiden: Clips, Reels und Shorts, die Sie auf TikTok, Instagram und YouTube veröffentlichen können. Sie erreichen auf diesem Weg auch Menschen, die keine klassischen Podcast-Apps nutzen und können sich neue Zielgruppen erschließen.
Wo Menschen Podcasts heute entdecken
Nicht jeder Podcast zielt auf maximale Reichweite. Wer jedoch Menschen erreichen möchte, sollte das Nutzungsverhalten seiner Zielgruppe kennen. Denn Podcasts werden heute längst nicht mehr ausschließlich über klassische Podcast-Apps entdeckt.
In den USA gilt YouTube schon als meistgenutzter Dienst für Podcasts. Besonders jüngere Zielgruppen entdecken dort und auf Social Media neue Formate statt über klassische Podcast-Apps. Dieser Trend ist auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz sichtbar. Zentrale Ergebnisse der ARD/ZDF-Medienstudie 2025 waren unter anderem, dass die Nutzung von Podcasts stieg und YouTube weiterhin die reichweitenstärkste Einzelplattform war. Sie erreichte 72 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren und ist damit eine ernst zu nehmende Verbreitungsplattform.
In den USA gilt YouTube schon als meistgenutzter Dienst für Podcasts.
In ähnlichem Umfang werden Videos auf Social Media angeschaut, meist als Auszüge ganzer Folgen, zum Beispiel als Reels auf Instagram. Die regelmäßige Nutzung fast aller Bewegtbildangebote im Jahr 2025 war stabil bis leicht steigend. Und für Social-Media-Videos wurde in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum festgestellt. Dieser Trend betrifft vor allem die Gruppe der Menschen unter 50 Jahren, so die ARD/ZDF-Medienstudie. Doch auch bei den über 30-Jährigen, den 50- bis 69-Jährigen sowie den über 70-Jährigen stieg die regelmäßige Nutzung ebenfalls. Allerdings bleiben die 14- bis 29-Jährigen mit knapp 50 Prozent die stärkste Nutzergruppe.
Auch die Tagesreichweite stieg: 2025 hörten an einem durchschnittlichen Tag 14 Prozent der Bevölkerung einen Podcast – 3 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Und noch ein letzter Befund zur Mediennutzung der deutschen Bevölkerung: 63 Prozent nutzen Social Media regelmäßig, doch das Wachstum hat sich verlangsamt.
All dies sind gute Gründe, sich nicht alleine auf die Podcast-Plattformen zu verlassen, wenn es um Reichweite und Sichtbarkeit geht.
Entscheidend sind Ziel und Nutzungskontext
Die Entscheidung für Audio oder Video lässt sich nicht pauschal treffen. Da die Videoproduktion in der Regel aufwendiger ist als die Audioproduktion, lohnt sich zunächst die Frage, ob der zusätzliche Aufwand das eigene Ziel überhaupt unterstützt. Ein grundsätzliches „Besser“ oder „Schlechter“ gibt es nicht, denn es hängt davon ab, was Sie mit Ihrem Podcast erreichen wollen. Was ist das Ziel Ihrer Inhalte und wer ist Ihre Zielgruppe?
Audios sind besonders stark darin, eine langfristige Bindung im Alltag aufzubauen.
Der Nutzungskontext ist unterschiedlich. Einen Audiopodcast können sie beim Autofahren hören, einem Videopodcast sollten sie dabei lieber nicht folgen. Audios sind besonders stark darin, eine langfristige Bindung im Alltag aufzubauen. „Double your time“ lautet das Versprechen von Audiopodcasts, wenn sie uns beim Sport, beim Pendeln oder im Haushalt begleiten.
Diese Nebenbei-Nutzung führt oft zu einer kontinuierlichen Rezeption: Episoden werden am Stück gehört, Inhalte können länger und ausführlicher sein und die Stimme im Ohr erzeugt eine besondere Form der Nähe. So entsteht häufig das Gefühl, diese über lange Zeit zu kennen.
Im Weiterbildungskontext lassen sich Lehrinhalte fantastisch durch das Nebenbei-Hören wiederholen. Und die Bibliothek in der Hosentasche dient dem Gedanken des lebenlangen Lernens. Gut aufbereitete Podcast-Inhalte ermöglichen es, sich zu informieren und Neues zu lernen. Ohne dafür zusätzliche Zeit einplanen zu müssen.
Ohne Frage haben Videos bei komplexen Inhalten die Nase vorn. Sie erfordern allerdings die volle Aufmerksamkeit. Ein Nebenbei-Hören reicht oft nicht aus, um Inhalte zu verstehen oder sie sich einzuprägen, und die Auseinandersetzung mit den Inhalten erfordert die Konzentration auf zum Beispiel den Monitor. Zudem reicht ein Nebenbei-Hören vielleicht nicht aus, um den Inhalt zu verstehen und sich einzuprägen. Im Video können Grafiken und Bilder eingeblendet werden, die das Gesagte unterstreichen oder verdeutlichen. Und durch die unterschiedlichen Wahrnehmungskanäle, die angesprochen werden, können sich die Inhalte leichter bei den Zuschauenden einprägen.
Ohne Frage haben Videos bei komplexen Inhalten die Nase vorn.
Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass wir fremdsprachigen Inhalten besser folgen können, wenn wir sehen, wie gesprochen wird. Genauso hilfreich fürs Verständnis können Untertitel sein. Die lassen sich im Video einfach einblenden und sind zugleich ein wichtiger Beitrag zur Barrierefreiheit.
„Ein Upload, überall präsent“? Nicht bei Videopodcasts
Wenn die einfache Formel „ein Upload, überall präsent“ vom Audiopodcast beim Videopodcast nicht mehr gilt, wie bekomme ich diesen dann an mein Publikum?
Bisher bieten nur wenige Podcast-Hostingservices das Hosten und die Erstellung eines RSS-Feeds an. Podigee ist mit seinem Angebot in Deutschland der erste Anbieter und hat für das Hosting seine Preise angepasst. Denn Videodateien sind um ein Vielfaches größer als Audiodateien.
Doch der Feed ist nur die halbe Miete. Denn viele Plattformen spielen nur das Audio aus dem Feed aus und auch auf dem Smartphone hängt es von dem Gerät und seinen Ressourcen ab, ob tatsächlich das Video gezeigt wird.
Bei Spotify reicht es nicht einen „offenen“ Feed einzutragen. Die Podcaster:innen müssen stattdessen die Video-Dateien direkt auf die Plattform hochladen. Oder sie hosten ihren Videopodcast direkt bei Spotify for Creators, dem Hostingservice von Spotify.
Apple Podcasts, der andere große Player bei der Podcast-Verbreitung, kann auch Videos verarbeiten, konnte das eigentlich schon immer. Um die Videoqualität für die Nutzer:innen automatisch an deren Internetgeschwindigkeit anzupassen und um Unterbrechungen zu minimieren, setzt Apple auf das selbstentwickelte Streaming Protokoll HLS (HTTP Live Streaming). HLS ist weit verbreitet und zerlegt Videos in kleine Segmente auf Mobilgeräten.
Bei Apple können Videopodcasts mit einem RSS-Feed bereitgestellt werden, der sich regelmäßig aktualisiert. So behalten die Podcaster:innen die Kontrolle über ihre Inhalte und können jederzeit das Format wechseln.
Wer bereits einen Audio-Podcast via RSS-Feed auf Apple Podcasts veröffentlicht, kann einen weiteren Podcast erstellen. Damit die Follower beide Versionen unterscheiden können, sollten Titel, Beschreibungen und Cover des Podcasts genutzt werden. Und am Ende entscheiden die Nutzer:innen, welches Format sie bevorzugen, denn je nach App und Gerät können diese individuell eingestellt werden.
Auch YouTube empfiehlt, die YouTube-Social-Share-Funktion zu verwenden, sobald der Podcast Video-Episoden enthält. Der Podcast sollte also manuell geteilt werden, statt den RSS-Feed einzureichen. Der automatische RSS-Weg ist explizit für Audio gedacht.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Audio oder Video? Sondern: Welches Format unterstützt mein Ziel am besten?
Fazit
Videopodcasts sind aktuell ein wichtiger Treiber für Reichweite und Sichtbarkeit. Plattformen wie YouTube und Social Media erleichtern die Entdeckung von Inhalten und helfen, neue Zielgruppen zu erreichen.
Doch Reichweite ist nicht alles. Die besondere Stärke des Audiopodcasts liegt darin, dass er Menschen im Alltag begleitet. Er funktioniert nebenbei, schafft Routinen und ermöglicht eine enge Bindung. Deshalb setzt der Ansatz Audio-first darauf, Inhalte zunächst für das Hören zu entwickeln. Video kann diese ergänzen – muss aber nicht der Ausgangspunkt sein.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Audio oder Video? Sondern: Welches Format unterstützt mein Ziel am besten? Wer vor allem Reichweite gewinnen möchte, profitiert von Video. Geht es um Nähe, Tiefe und langfristige Bindung, spielt Audio seine Stärken aus.