Rezipienten-Beziehungsmanagement

Unter Rezipienten-Beziehungsmanagement versteht man Maßnahmen zur Bindung von Lesern an eine bestimmte Medienmarke. Der Begriff "Beziehungsmanagement" stammt eigentlich aus dem Marketing und bezeichnet aufeinander abgestimmte Maßnahmen zur Anbahnung und Pflege von Kunden- und Geschäftsbeziehungen.

Die fortschreitende Digitalisierung hat den Journalismus und insbesondere die Beziehung Journalisten-Rezipienten grundlegend verändert. Das bekannte Zitat "the people formerly known as the audience" (die Menschen, die man einst als das Publikum bezeichnete) von Jay Rosen, Professor für Journalismus an der New York University, bringt diesen Wandel auf den Punkt. Die Rezipienten sind demnach nicht mehr nur reine Empfänger von Botschaften wie in der alten Welt der Massenkommunikationsmedien Zeitung, Zeitschrift, Radio und Fernsehen. Durch die Digitalisierung ist heutzutage jeder Leser, Hörer oder Zuschauer gleichzeitig auch potenzieller Nutzer oder gar selbst Autor, der öffentlich Rückmeldung und neue Impulse geben kann. Das Mediensystem wandle sich "zunehmend vom Distributions- zum Kommunikationsapparat", wie der Autor Stanley Vitte feststellt.

Dieser Paradigmenwechsel erfordert von Journalisten ein grundlegendes Umdenken, was die Beziehung zum Rezipienten betrifft. Der US-Journalismus-Professor und Vordenker Jeff Jarvis fasst in seinem Buch "Ausgedruckt! Journalismus im 21. Jahrhundert" (Plassen Verlag) die damit verbundenen Aufgaben für Journalisten wie folgt zusammen: "Wenn wir im Medienbereich neue Kompetenzen aufbauen wollen, die mit Beziehungen zu tun haben, müssen wir zunächst aufhören, die Menschen als Masse zu sehen. Wir müssen sie kennenlernen und sie dann als Individuen und Communitys bedienen."

Eine populäre, moderne Form des Rezipienten-Beziehungsmanagements ist der Newsletter. Er wird mittlerweile von fast allen großen Medienmarken eingesetzt. Auch im Fachjournalismus ist diese Entwicklung angekommen. Die Vorteile liegen auf der Hand, wie die freie Journalistin Silke Liebig-Braunholz erläutert: "Fachmedienhäuser können mit zielgenauen und relevanten Informationen in Newslettern für ihre Zielgruppen attraktiver werden. Ein eigenständiges Redaktionsmanagement, das auf ein analysiertes Nutzerverhalten reagiert und die Newsletter-Inhalte entsprechend anpasst, ist dafür unabdingbar. Im Idealfall verhelfen Newsletter den Fachmedienhäusern zu mehr Aufmerksamkeit, indem sie auf den gesamten Content-Strom der Medienmarke leiten."

Trotz verstärkter Bemühungen von Medienhäusern steckt das Rezipienten-Beziehungsmanagement noch in den Kinderschuhen. Seine Bedeutung dürfte jedoch in den kommenden Jahren rapide steigen.

Quellen:
- http://journal.kommunikation-medien.at/wp-content/uploads/2015/02/Ausg5_Meirhofer_%C3%96sterbauer.pdf
- http://www.fachjournalist.de/der-permanente-dialog-mit-lesern-und-nutzern/
- http://www.fachjournalist.de/rezipienten-beziehungsmanagement-wie-newsletter-die-bindung-an-medienmarken-staerken-koennen/

 


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