Longform-Journalismus

Longform-Journalismus ist eine Form des Journalismus, die explizit auf lange Lesestücke setzt. Entgegen der Annahme, dass Medienkonsumenten im Internet nur kurze Texte lesen, geht der Longform-Journalismus davon aus, dass auch im digitalen Zeitalter eine Nachfrage nach ausführlichen und hochwertigen journalistischen Beiträgen besteht.

Unter dem Begriff "Longform-Journalismus" werden Beiträge im Onlinejournalismus subsumiert, die folgende Kriterien aufweisen:
 

  • Unbegrenzte Länge: Longform-Stücke sind meist ausführliche Beiträge. Sie obliegen keiner Begrenzung der Zeichenzahl, vielmehr zeichnen sich eben gerade dadurch aus, dass sie sich für Längen und Umfänge nicht interessieren, sondern sich den Platz nehmen, den sie brauchen.
  • Aufbereitung komplexer Themen in narrativen Textformen: Longform-Journalismus setzt sich in aller Regel mit Themen auseinander, die schwer zu durchdringen sind und einer gründlichen Analyse bedürfen. Hierfür werden narrative Textformen wie beispielsweise die Reportage verwendet.
  • Multimedialität: Charakteristisch für Longform-Journalismus ist die Verwendung von multimedialen Elementen. Dazu können Videos, Audios, Animationen, Grafiken oder datenjournalistische Anwendungen gehören.


Journalistische Beiträge, die unter Longform-Journalismus fallen, werden oft mit anderen Begrifflichkeiten gleichgesetzt. So ist in diesem Kontext oft auch von Multimedia-Reportagen, Storytelling oder Scrollytelling die Rede. Einen einheitlich verwendeten Namen gibt es folglich nicht.

In den USA kann seit etwa 2013 ein Comeback des Longform-Journalismus beobachtet werden. Als Vorreiter für Longform-Journalismus in den Vereinigten Staaten gilt die New York Times, die Stücke wie "Snow Fall" oder "The Russia Left Behind" veröffentlichte. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile zahlreiche Beispiele für Longform-Journalismus, nennenswert sind etwa das Projekt "Langstrecke" der Süddeutschen Zeitung und Longform-Stücke von Zeit Online. Einen Überblick mit über 60 nationalen und internationalen Beispielen für Longform-Journalismus bietet die Journalistin Sonja Kaute in ihrem Blog.

Zur Zukunft des Longform-Journalismus meint der Digitalexperte Christian Jakubetz: "Realistisch betrachtet allerdings ist es mit der Longform im Netz ähnlich wie mit der Reportage in der Zeitung oder der Dokumentation im TV: Sie sind eine wunderbare Option für das ausführliche Erzählen großer und umfangreicher Geschichten. Sie werden ihren festen Platz in der Palette des Geschichtenerzählens einnehmen."

Quellen:
- Christian Jakubetz: Longform-Journalismus: Fast alles ist erlaubt. Annäherung an ein Format, http://www.fachjournalist.de/longform-journalismus-fast-alles-ist-erlaubt/
- Christian Jakubetz: Digitaler Journalismus: Fasse dich lang! In: ABZV Universalcode, http://universal-code.de/2014/03/26/digitaler-journalismus-fasse-dich-lang/

 


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