Langsamer Journalismus

Der Begriff "Langsamer Journalismus" bezeichnet eine Form des Journalismus, die sich als Gegentrend zum schnelllebigen Onlinejournalismus versteht. Eilmeldungen, Liveticker und sonstige Merkmale des Onlinejournalismus setzt der langsame Journalismus gründliche und tiefgehende Recherchen entgegen. Die Medien sollen Langsamkeit und Entschleunigung wieder entdecken, so eine zentrale Forderung dieses journalistischen Genres.

Im deutschsprachigen Raum hat sich insbesondere der Medien-Professor Bernhard Pörksen mit seiner Forderung nach einem "extrem langsamen Anti-Journalismus" in der Debatte hervorgetan. Aber auch Journalisten selbst sehen die Notwendigkeit einer Entschleunigung des Journalismus im Onlinezeitalter. So erklärte die "Zeit"-Redakteurin Özlem Topcu in einem Interview: "Ich glaube, die Medienbranche muss wieder langsamer werden. Zu allem gibt es heute Live-Ticker. Das ist keine gute Entwicklung. Ich brauche doch keine Wasserstandsanzeige zu jedem Ereignis. Viel wichtiger ist für mich als Mediennutzerin eine Einordnung: Was bedeutet das, was gerade passiert ist?"

Chancen: Langsamer Journalismus kann langfristig gesehen zu einer Stärkung des Qualitätsjournalismus führen. Gelingt dies, steigt womöglich auch wieder das Vertrauen in Medien allgemein.

Herausforderungen: Langsamer Journalismus sieht sich zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Allen voran steht der Kampf um Exklusivmeldungen und damit um Klickzahlen, der den heutigen (Online-)Journalismus kennzeichnet. Das Problem ist auch: Langsamen Journalismus muss man sich leisten können. Deshalb ist diese Form des Journalismus im tagesaktuellen Journalismus eher selten anzutreffen.

Allerdings gibt es auch gegenläufige Beispiele: Die Recherchen der Süddeutschen Zeitung zu den sogenannten "Panama Papers" etwa sind ein Beweis dafür, dass es auch im heutigen Journalismus Platz gibt für langfristige und aufwändige Recherchen. Neue Initiativen wie etwas das Recherchebüro "Correctiv" zeigen darüber hinaus, dass die Medienbranche erkannt hat, dass langsamer Journalismus – als Ausdruck von Qualitätsjournalismus – eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllt.

Quellen:
- Victoriah Szirmai: Zeit zum Hören – Plädoyer für einen langsamen Musikjournalismus, http://www.fachjournalist.de/zeit-zum-hoeren-plaedoyer-fuer-einen-langsamen-musikjournalismus
- Antonia Brunet: Slow Journalismus. Wie Medien die Langsamkeit und Entschleunigung für sich entdecken, https://munichmediawatch.wordpress.com/2015/01/17/slow-journalismus/

 


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