Journalistische Genres

Unter dem Begriff "journalistische Genres" ("journalistic genres") werden im angelsächsischen Sprachraum zahlreiche unterschiedliche methodisch-konzeptionelle Herangehensweisen an die journalistische Arbeit verstanden. Der Begriff ist in Deutschland vergleichsweise unbekannt und nur wenige journalistische Genres haben bislang Eingang in die deutschsprachige Publizistik und in die deutschsprachigen Medien gefunden.

Journalistische Genres können grob in zwei Kategorien eingeteilt werden: Genres, die einen deskriptiv-kritischen Ansatz verfolgen, sowie Genres, bei denen ein normativer Ansatz im Mittelpunkt steht.

Deskriptiv-kritische Genres beschreiben nicht nur, wie Journalismus von einigen Journalisten oder Medienhäusern betrieben wird, sondern sie wollen vor allem eines: Die vorgefundenen Missstände, also die negativen Abweichungen vom Idealzustand, offenlegen und kritisieren, um dazu aufzurufen, zu diesem Ideal zurückzukehren. Als Beispiele hierfür können der Bandwagon Journalism (Mitläuferjournalismus), der Checkbook Journalism (Scheckbuchjournalismus), der Embedded Journalismus (Eingebetteter Journalismus) oder auch der sogennante "Churnalism" genannt werden.

Normative Genres formulieren die Genres als gesellschaftspolitische Forderung, wie Journalismus betrieben werden sollte. Bewegt man sich im politischen Feld, hat man es stets mit Meinungen zu tun, die in der Regel folglich nicht klar richtig oder falsch sein können. Es handelt sich um Ansichten, wie Journalismus betrieben werden sollte. Ob man dem zustimmen kann oder es ablehnt, ist eine Entscheidung des einzelnen Journalisten oder Medienhauses. Es ist nicht erforderlich und auch nicht unbedingt wünschenswert, dass alle Journalisten nach einem neuen Genre arbeiten. Beispiele für normative Genres sind der Advocacy Journalism (Fürsprachejournalismus), der Positive Journalism (Positiver Journalism) oder der Solutions Journalism (Lösungsorientierter Journalismus)

Die einzelnen journalistischen Genres können insgesamt zu einer größeren Pluralität im Journalismus beitragen und eine Brücke in die journalistische Praxis schlagen: Bislang unbewusst, nur sporadisch oder gar nicht genutzte journalistische Genres können die Medienlandschaft vielseitiger, die Rezeption von (Print-) Medien vor dem Hintergrund der noch immer nicht gelösten, internetinduzierten Medienkrise attraktiver machen und so zu einer erhöhten Mediennutzung beitragen.

Insbesondere die normativen journalistischen Genres stellen einige der präskriptiven Kriterien des traditionellen Journalismus nicht nur infrage, sondern substituieren sie durch neue. Das Ausprobieren neuer Zugänge zu journalistischem Arbeiten scheint in einer Zeit, in der der traditionelle Journalismus in der Krise steckt, mehr denn je geboten.


Quellen:
- Deutscher Fachjournalisten-Verband: Journalistische Genres, UVK-Verlag, 2016

 


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