Innovationsjournalismus

Unter Innovationsjournalismus wird in der Regel keine eigenständige journalistische Fachdisziplin verstanden, sondern ein Journalismus, der das Thema "Innovation" aufgreift und in seiner Berichterstattung in den Mittelpunkt stellt.

Einer der Vordenker des Innovationsjournalismus ist der schwedische Wissenschaftler David Nordfors, der in den USA arbeitet. Nordfors ist ursprünglich Quantenphysiker und war unter anderem für die schwedische Regierungsagentur für Innovationssysteme VINNOVA tätig. Im Rahmen seiner Beschäftigung mit Innovation entwickelte Nordfors sein Konzept des "Innovation Journalism", das er 2003 veröffentlichte.

Herausforderungen:

  • Zum einen ist beim Innovationsjournalismus eine ressortübergreifende, ganzheitliche Perspektive auf den Gegenstand erforderlich. In der journalistischen Praxis steht dem zum einen das übliche Ressortdenken entgegen, das häufig Innovationsthemen sogar verhindert: Ein Innovationsthema kann leicht für das Wirtschaftsressort eher ein Wissenschaftsthema und für das Wissenschaftsressort eher ein Politikthema sein – und deshalb für das eigene Ressort uninteressant.
  • Zudem verhindern auch die Qualifikationen der Journalisten oft eine ganzheitliche Betrachtungsweise: Ein Redakteur mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund tut sich mit den technischen Aspekten eines Innovationsthemas oft schwer, ein Naturwissenschaftler erkennt möglicherweise die ökonomischen Zusammenhänge des Themas nicht in ihrer vollen Komplexität.


Anforderungen:

  • Innovationsjournalismus, der nicht nur Ausschnitte, sondern die gesamt-gesellschaftliche Bedeutung einer Innovation analysieren will, ist auf interdisziplinäre Journalisten-Teams oder Projektredaktionen angewiesen.
  • Die zweite grundsätzliche Forderung an eine journalistische Berichterstattung über Innovation, die nach den gesellschaftlichen Auswirkungen fragt, ist das Verständnis von Innovation als Prozess. Tatsächlich wird Innovation in der Berichterstattung der Medien meist punktuell und eben nicht prozesshaft gesehen: Gegenstand der Berichterstattung sind meist ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung, nur ganz selten wird über den Prozess berichtet, der zu diesem Ergebnis geführt hat. Die Entwicklung neuer Ideen und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Veränderungen werden also in der Regel nicht journalistisch begleitet, sondern erst zu einem späten Zeitpunkt zu einem Thema.


Probleme:
Der Begriff "Innovation" ist prinzipiell positiv besetzt – Innovation wird mit Fortschritt und Chancen, weniger mit Misserfolgen und Risiken gleichgesetzt. Daher besteht die Gefahr, dass eine Berichterstattung über Innovation bereits eine Nähe zu Public Relations besitzt, die problematisch werden kann. Eine Idee, die als "Innovation" bezeichnet wird, besitzt möglicherweise mehr Chancen auf einen Markterfolg. Journalisten, die über neue Ideen und vermeintliche Innovationen berichten, sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein – sie sind Teil des Innovationssystems und tragen mit ihrer Arbeit (bewusst oder unbewusst) zum Erfolg oder Misserfolg bei.

Ausblick:
Wenn sich Journalisten dieser Aufgabe ebenso bewusst sind wie der Tatsache, dass sie selbst ein Teil des Innovationssystems sind, können sie Bedeutungsrahmen gestalten und vervollständigen. Damit erfüllen sie ihre Aufgabe und werden gleichzeitig den Anforderungen des Innovationsjournalismus gerecht – nämlich ganzheitlich und prozessorientiert zu berichten.

Quellen:
- Andreas Schümchen: Innovation Journalism, in: Deutscher Fachjournalisten-Verband (Hg.): Journalistische Genres, S. 41-50.

 


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