Volontariat

Vorteile

Der größte Vorteil, den ein Volontariat bietet, ist der praxisnahe Bezug dieser Ausbildung. Denn in den meisten Medienunternehmen, die Volontärsstellen anbieten, sind die Volontäre von Anfang an in die Abläufe eingebunden und übernehmen sogar eigenständige Aufgaben.

Sobald der Volontär eingearbeitet ist und die Abläufe in der Redaktion kennt, hat er prinzipiell dieselben Aufgaben wie ein Redakteur: Der Volontär bearbeitet eigene Themen, recherchiert seine Berichte, die er anschließend schreibt und er redigiert die Beiträge, die von freien Mitarbeitern eingereicht werden. Der einzige Unterschied zu den erfahrenen Kollegen besteht darin, dass der Volontär seine Beiträge nicht eigenverantwortlich veröffentlicht. Er legt diese üblicherweise seinem Ausbildungsredakteur vor, der sie redigiert und anschließend freigibt.

Zudem bietet das Volontariat einen finanziellen Vorteil: Statt Kurs- oder Semestergebühren bezahlen zu müssen, erhalten Volontäre eine monatliche Vergütung. Deren Höhe ist tariflich gebunden und davon abhängig, welcher Tarifvertrag beim jeweiligen Medienunternehmen gilt.
 

Nachteile

Das hohe Maß an Praxisbezug im Volontariat kann auch als Nachteil gesehen werden. Denn die theoretische Ausbildung nimmt hier eine sehr untergeordnete Rolle ein. Diese ist jedoch absolut notwendig, damit die jungen Journalisten im späteren Berufsleben auch ausreichend über ihre Arbeit reflektieren können.

Hinzu kommt, dass die theoretische Ausbildung von den Medienunternehmen höchst unterschiedlich gehandhabt wird. Bei größeren Verlagen ist es etwa üblich, dass sich alle Volontäre im Rahmen von Volontärstagen treffen und gemeinsam die theoretische Ausbildung erhalten. Andere Sender und Verlagshäuser wiederum schicken ihre Volontäre auf Kurse, in welchen einzelne Aspekte der theoretischen Ausbildung intensiv behandelt werden. Üblich ist es außerdem, dass die Beiträge der Volontäre innerhalb der Redaktion vor der Veröffentlichung intensiv analysiert und anschließend gemeinsam mit dem Volontär besprochen werden.

Da es nach wie vor keinen einheitlichen Standard für die theoretische Ausbildung im Rahmen eines Volontariats gibt, kann es möglicherweise einen großen Unterschied machen, bei welchem Unternehmen der Volontär die praktische Ausbildung absolviert hat. Ein weiterer Aspekt: Die theoretische Ausbildung ist in die jeweiligen redaktionellen Abläufe der Medienunternehmen integriert. Deshalb ist die theoretische Ausbildung in den einzelnen Häusern meist auch sehr stark auf den Ausbildungsbetrieb zugeschnitten. Zwar lernt der Volontär dadurch, seine Beiträge zielgruppengerecht zu erstellen, jedoch können so die Möglichkeiten im späteren Berufsleben stark eingeschränkt sein. Das gilt vor allem für Volontäre, die ihre Ausbildung in einem Medienunternehmen absolviert haben, das eine eindeutige politische Ausrichtung hat, welche auch in der Berichterstattung deutlich wird.

Nachdem die Redaktionen in den vergangenen Jahren flächendeckend verschlankt wurden, besteht außerdem die Gefahr, dass der Volontär als eine im Vergleich zum Redakteur günstige Arbeitskraft gesehen wird. Zwar kann es in einzelnen Fällen notwendig sein, dass ein Volontär nach seiner Einarbeitung zumindest zeitweise die vollen Aufgaben eines Redakteurs in der Redaktion übernimmt, jedoch sollte dies keinesfalls ein Dauerzustand sein.
 

Was macht ein gutes Volontariat aus?

Weil es für ein Volontariat nach wie vor keine einheitlichen Auswahlkriterien gibt, fällt es auch den angehenden Journalisten oft schwer, ein gutes von einem schlechten Volontariat zu unterscheiden. Der Deutsche Journalisten-Verband hat deshalb einige Ratgeber zu diesem Thema herausgegeben. Einen Eindruck können sich die Volontäre aber auch selber verschaffen, wenn sie sich folgende Fragen stellen:
 

  • Gibt es im Unternehmen mehrere Redakteure und verschiedene Ressorts, die eine breit gefächerte Ausbildung ermöglichen? Falls nicht: Arbeitet der Ausbildungsbetrieb mit anderen Medienunternehmen zusammen?
  • Muss der Volontär ausschließlich journalistische Aufgaben erfüllen oder auch Anzeigen verkaufen oder ähnliches?
  • Wird ein schriftlicher Anstellungsvertrag vor dem Beginn der Ausbildung ausgestellt?
  • Wird in diesem das Ausbildungsverhältnis ausdrücklich als Volontariat oder Redaktionsvolontariat bezeichnet?
     

Diese Punkte sind im Vertrag wichtig:

  • Ist die Ausbildungsdauer mit dem genauen Beginn und dem genauen Ende vermerkt?
  • Gibt es einen Ausbildungsplan und wird ein Ausbilder benannt?
  • Ist eine Probezeit vereinbart? Diese dauert üblicherweise drei Monate.
  • Wird auf den geltenden Tarifvertrag hingewiesen?
  • Sind Monatsgehalt und Jahresurlaub festgehalten und entspricht beides den tariflichen Bestimmungen?
  • Ist der Anspruch auf ein Zwischenzeugnis geregelt, das meist drei Monate vor dem Ende des Volontariats ausgestellt wird? Dies ist wichtig, falls der Volontär nicht übernommen wird oder er sich initiativ bei einem anderen Medienunternehmen bewerben möchte.
  • Ist der Anspruch auf das qualifizierte Arbeitszeugnis nach dem Ende des Volontariats vermerkt?

 

Das sollte der Ausbildungsplan enthalten

  • Festgehalten sollte sein, welche Ressorts der Volontär im Rahmen der Ausbildung durchläuft. Es sollte sich um mindestens drei verschiedene Ressorts handeln, um eine umfassende Ausbildung zu gewährleisten.
  • Eine überbetriebliche Ausbildung sollte angeboten werden. Der zeitliche Umfang sollte etwa sechs Wochen, verteilt auf die Zeit des Volontariats betragen. Auch sollte festgehalten sein, ob der Arbeitgeber für diese Kosten aufkommt.
  • Werden regelmäßig interne Schulungen angeboten?
  • Gibt es einen Ausbildungsbeauftragten und wer ist das?
  • Gibt es eine systematische Einführung zu Beginn des Volontariats?
     

Wie bekommt man einen guten Volontariatsplatz?

Etwa 80 Prozent aller Nachwuchsjournalisten absolvieren zur Ausbildung ein Volontariat bei einem Medienbetrieb. Die wichtigste Rolle in der Ausbildung spielen Tageszeitungen, wo rund 1.200 Volontärsplätze angeboten werden, gefolgt von Zeitschriften mit rund 800 Volontärsstellen und Hörfunkstationen mit über 500 Volontärsstellen. Nach dem Ende des Volontariats müssen sich die jungen Journalisten aber anderweitig bewerben oder eine freiberufliche Tätigkeit anstreben, weil nur etwa ein Drittel der Volontäre beim Ausbildungsbetrieb weiterbeschäftigt wird – meist im Rahmen von Pauschal- oder Zeitverträgen.

Die Qualität der Ausbildung und auch die Vergütung unterscheiden sich von Medium zu Medium teilweise erheblich, wobei die Situation in Zeitungen und Zeitschriften durchaus vergleichbar ist. Am begehrtesten sind die Volontärsstellen bei öffentlich-rechtlichen Sendern, wo die Bewerber ein hochwertiges und anspruchsvolles Volontariat erwartet.
 

Welche Voraussetzungen werden verlangt?

Der Bildungsstandard von Volontären gilt in Deutschland formal als sehr hoch. Als absolute Mindestvoraussetzung für den Einstieg in den Beruf gilt das Abitur, viele Medienunternehmen verlangen sogar ein erfolgreich absolviertes Studium. Etwa 70 Prozent der Volontäre haben zuvor ein Studium absolviert. Auf eine bestimmte Fächerkombination wird von den Personalchefs zwar kein Wert gelegt, jedoch liegt der deutliche Schwerpunkt bei den Geistes- und Sozialwissenschaften. In seltenen Fällen können Seiteneinsteiger auch ohne Hochschulreife ein Volontariat absolvieren, wenn sie eine anderweitige Berufsausbildung abgeschlossen und im erlernten Beruf gearbeitet haben. Üblicherweise haben die angehenden Journalisten vor dem Volontariat bereits ein Praktikum absolviert oder waren schon zuvor als freie Mitarbeiter für das Medium tätig.

Die Alternative, erst nach dem Volontariat ein Studium zu absolvieren, bietet auf den ersten Blick einige Vorteile, weil die Studenten ihre Fächer zielgerichtet auswählen können. Jedoch steht dieser Weg in der Realität nur den etwa 30 Prozent der Volontäre offen, die direkt nach dem Abitur in den Journalismus eingestiegen sind.
 

Nach welchen Kriterien werden Volontäre ausgewählt?

Für die Einstellungspraxis der Medienunternehmen lässt sich keine pauschale Aussage treffen, da jedes Unternehmen andere Schwerpunkte setzt. Weil der Beruf des Journalisten vielen jungen Menschen nach wie vor als Traumjob erscheint, gehen bei den Medienunternehmen aber sehr viel mehr Bewerbungen ein als tatsächlich Stellen besetzt werden. Weil sie die freie Wahl haben, verlangen einige Unternehmen inzwischen schon Zwei- oder gar Dreifachqualifizierungen. Ein beliebter Mix ist etwa die freie Mitarbeit in Kombination mit einem Studium und dem Besuch einer Journalistenschule.

Wer ein Volontariat absolvieren möchte, sollte seine Bewerbungen möglichst breit streuen. Im Idealfall kann der Bewerber neben Arbeitsproben auch Bescheinigungen über Praktika oder Auslandsaufenthalte beilegen.
 

Mindestlohn im Volontariat

Einen bundesweit einheitlichen Mindestlohn während des Volontariats gibt es nicht. Die Vergütung ist in Tarifverträgen geregelt und unterscheidet sich laut Tarifvertrag nach der jeweiligen Mediengattung. Zwar ist die Vergütung laut Tarifvertrag bei Tageszeitungen am höchsten, allerdings gibt es hier sowohl tarifgebundene Verlage als auch solche, die einen Haustarifvertrag haben oder nicht tariflich gebunden sind. Die Vergütung für Volontäre bei Zeitschriften ist hingegen etwas geringer als der tarifliche Lohn bei einer Tageszeitung, dafür ist der entsprechende Vertrag allgemeingültig, gilt also für alle Zeitschriften in Deutschland. Volontäre bei Hörfunk und Fernsehen liegen unter dem Satz für Tageszeitungen und Zeitschriften, aber auch hier ist das monatliche Salär abhängig vom Unternehmen, bei welchem der Volontär die Ausbildung absolviert.
 

Kombination mit Fernstudium

Wegen des sehr starken Praxisbezugs eines Volontariats ist es sinnvoll, die praktische Ausbildung mit einem Fernstudium zu ergänzen. Dies ist unter anderem beim Deutschen Journalistenkolleg möglich, wo das praxisorientierte Volontariat um die theoretischen Grundlagen erweitert wird. Darüber hinaus bietet das Deutsche Journalistenkolleg Praxiswerkstätten an, die ebenfalls eine sinnvolle Ergänzung zur täglichen Arbeit in der Redaktion darstellen können. Der Grund: Volontäre agieren hier abseits des meist hektischen Alltags, wodurch eine systematische Auseinandersetzung mit den Beiträgen sehr viel besser möglich ist als in der Redaktion.

 


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