Berufsbild und Arbeitsmarktsituation

Weil sich die eigentlichen Aufgaben des Journalisten, nämlich die Beschaffung, Bewertung, Prüfung sowie Vermittlung von Information in den vergangenen Jahren durch neue Medien und ihre Möglichkeiten erheblich erweitert haben, ist das Berufsbild des Journalisten für viele junge Menschen umso attraktiver geworden. So brauchen angehende Journalisten, die in den Beruf einsteigen wollen, heutzutage zunehmend crossmediale Kenntnisse und Fähigkeiten. Denn den Journalisten, der in einem Medienhaus in einem Ressort einsteigt, während der Ausbildung mehrere Abteilungen durchläuft und anschließend als Fachjournalist oder im Regionalteil einer Zeitung bis ans Ende seiner beruflichen Laufbahn arbeitet, gibt es immer seltener.
 

Wenn Flexibilität gefragt ist

Für Nachwuchsjournalisten ist es also unabdingbar, sich die journalistische Neugier zu bewahren, neuen technischen Features gegenüber aufgeschlossen zu sein und crossmedial zu denken. Diese Fähigkeiten können sie angesichts des rasanten Tempos technischer Entwicklungen während der Ausbildung oft nur bis zu einem gewissen Grad erwerben. Optimal ist es, wenn sich angehende Journalisten in einigen Wissensgebieten ein spezielles, profundes Wissen aneignen, während sie sich bezüglich neuer Medientechniken stets auf dem Laufenden halten und für die Umsetzung ihrer Beiträge vielleicht auch bereit sind, Geräte und Programme auszuprobieren, die in ihren Redaktionen noch nicht in Gebrauch sind.

Denn – dieser Trend zeichnet sich schon seit Mitte der 1990er-Jahre ab – die Grenzen zwischen den verschiedenen Berufsfeldern in den Medien werden zunehmend fließend. Eingeleitet wurde diese Entwicklung dadurch, dass dank moderner Desktop-Publishing-Programme wie QuarkXPress Printjournalisten das Layout für ihre Beiträge selbst gestalteten, statt dies einem Grafiker zu überlassen. Mittlerweile sind sogar crossmediale Produktionen, also die Berichterstattung in Bild, Ton und Wort, selbst für Printjournalisten nicht mehr ungewöhnlich. Videos und Tonaufnahmen nutzen sie zwar nicht für das eigentliche Medium, sehr wohl aber für Beiträge auf der Homepage oder in sozialen Medien, durch welche sie auf den eigentlichen Bericht aufmerksam machen.

Darüber hinaus ist auch die eigentliche Aufgabe von Journalisten im Wandel begriffen. So will der Mediennutzer nicht mehr nur Informationen bekommen, diese sollten zudem unterhaltsam präsentiert werden. Hier vermischen sich die Grenzen zwischen Journalismus und Infotainment. Der Grad der Vermischung unterscheidet sich natürlich von Medium zu Medium erheblich. Während Fernsehehen und Internet sehr einfache Möglichkeiten bieten, Informationen unterhaltsam zu präsentieren, sind diese für Printjournalisten eher eingeschränkt. Hier lässt sich im Gegenzug der Trend beobachten, dass der Unterhaltungsteil von Zeitungen und Zeitschriften kontinuierlich ausgebaut wird.

Diese Entwicklung lässt sich noch ganz gut mit dem journalistischen Ethos in Einklang bringen, weil auch im Infotainment die Informationen im Vordergrund stehen und sich nur die Art der Präsentation geändert hat. Aber auch die Grenzen von Journalismus und PR verschwimmen zusehends. Während Schleichwerbung, also die positive Benennung von Produkten oder Dienstleistungen im Zuge der Berichterstattung, im Journalismus noch strikt verpönt ist, wird die Themensetzung im Alltag sehr wohl oft von den Interessen der möglichen Anzeigenkunden geprägt.
 

Neue Herausforderungen für Journalisten

Diese Entwicklungen bergen für Journalisten die Gefahr, dass ihre eigentliche Aufgabe mit anderen Tätigkeiten so sehr überfrachtet wird, dass die Qualität der Berichterstattung leiden könnte. Diese mit anderen Tätigkeiten sowie der Präsenz in sozialen Netzwerken in Einklang zu bringen, dürfte die größte Herausforderung für Medien und Journalisten in den kommenden Jahren sein.
 

Arbeitsfelder

Trotz der ungleich größeren Medienvielfalt, die sich durch das Internet entwickelt hat, arbeitet der Großteil der rund 43.500 fest angestellten Journalisten nach wie vor im Printbereich. Größter Arbeitgeber sind immer noch die Tageszeitungen, wo nach Angaben des Deutschen Journalisten-Verbandes nach wie vor rund 13.500 fest angestellte Journalisten arbeiten. Hinzu kommen Zeitschriften und Anzeigenblätter mit circa 9.000 fest angestellten Journalisten, ebenso viele sind beim Rundfunk tätig.

Bei Pressestellen von Unternehmen, Parteien und Verbänden sind rund 7.000 Journalisten in Festanstellung tätig, während im Online- und Multimedia-Sektor insgesamt rund 4.000 Journalisten einen festen Arbeitsvertrag haben. Das Schlusslicht dieser Statistik bilden Agenturen und Pressebüros mit etwa 1.000 Journalisten.
 

Wie viele Freelancer gibt es?

Neben den fest angestellten Journalisten absolvieren außerdem rund 3.000 Volontäre ihre Ausbildung in einer der genannten Mediensparten. Und schließlich liefern etwa 26.000 freie Journalisten regelmäßig Beiträge für die verschiedenen Medien. Allerdings dürfte die Zahl der Menschen, die journalistisch arbeiten, tatsächlich um einiges höher sein. Hierbei handelt es sich nämlich lediglich um die Journalisten, die hauptberuflich als Freelancer arbeiten und bei der Künstlersozialkasse erfasst sind. Nicht enthalten sind beispielsweise die freien Mitarbeiter, die einem Hauptberuf nachgehen und nebenbei für den Lokalteil ihrer Heimatzeitung schreiben. Der Deutsche Journalisten-Verband beruft sich auf Arbeitsmarktforscher und geht davon aus, dass der Anteil an freien Journalisten künftig eher noch ansteigen dürfte. Allerdings werden viele Freie vermutlich nicht nur im Journalismus arbeiten, sondern sich nebenbei ein zweites berufliches Standbein aufbauen.
 

Arbeitsmarkt

Bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert galt der Journalismus als sehr sichere Berufssparte, in der nahezu keine Arbeitslosigkeit herrschte. Ab Anfang der 1980er-Jahre herrschte sogar ein regelrechter Boom in Medienwirtschaft und Journalismus. Dieser war allerdings eher eine Folge medienpolitischer Entscheidungen sowie politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen.

So verloren die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Monopol, woraufhin zahlreiche privat geführte Radio- und Fernsehsender gegründet wurden und auf ihren Sendeplätzen eine Plattform für die Werbewirtschaft boten. Schließlich erhalten diese Sender anders als die öffentlich-rechtlichen keinen Anteil an den Rundfunkgebühren, sodass sie sich ausschließlich über Werbung finanzieren müssen.
 

Die Einheit setzt den Boom fort

Nachdem sich Ende der 1980er-Jahre der Medienmarkt gefestigt hatte, sorgten neue Technologien und vor allem der Fall der Berliner Mauer für eine Fortsetzung des Booms. Durch die beginnende Digitalisierung konnten immer mehr Haushalte eine größere Vielfalt an Programmen empfangen – ein Angebot, das viele Verbraucher nutzten.

Nachdem im sozialistischen Teil Deutschlands auch die Medien staatlich reglementiert waren, fehlte nach dem Mauerfall in den neuen Bundesländern zunächst ein funktionierendes Pressewesen. Diese Chance nutzten westdeutsche Medienkonzerne, um entweder traditionsreiche Titel aus dem Osten zu übernehmen oder neue Formate auf dem nun größeren deutschen Medienmarkt zu etablieren.
 

Darum ist der Medienmarkt abgestürzt

Die goldenen Jahre in der deutschen Medienlandschaft waren jedoch ab 2001 zunächst vorbei. Verantwortlich dafür waren mehrere Faktoren: Einerseits war der Neue Markt komplett zusammengebrochen und andererseits wurde – auch beeinflusst durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 – eine weltweite Konjunkturkrise verzeichnet. Kursrückgänge und Umsatzeinbußen hatten wiederum zur Folge, dass die Werbebudgets in den Firmen – teilweise massiv – beschnitten wurden. Sinkende Werbeeinnahmen bei zugleich schrumpfenden Marktanteilen und Auflagenzahlen führten dazu, dass zahlreiche Medienunternehmen rote Zahlen schrieben, welche sie zumindest teilweise durch Einsparungen, Rationalisierungsmaßnahmen und die Reduzierung der Stammbelegschaften zu kompensieren versuchten.
 

Was bringt die Zukunft?

Obwohl sich die Lage zwischenzeitlich etwas entspannt hat und Konzerne sogar wieder Rekordergebnisse vermelden, hat sich die Branche insgesamt bislang nicht von diesem Kahlschlag erholt. Ein Grund dafür liegt auch in dem geänderten Nutzungsverhalten – insbesondere der jungen Generation – der Medienkonsumenten. Diese beziehen ihre Informationen hauptsächlich aus dem Internet, sozialen Netzwerken und diversen Apps. Die Medienbranche beginnt also, über neue Modelle zur Finanzierung von Medien und Journalismus nachzudenken.

Ein Schritt besteht darin, dass nicht mehr alle Informationsangebote des jeweiligen Mediums kostenfrei im Netz veröffentlicht werden. Hier ist es inzwischen durchaus üblich, dass für die Freischaltung einzelner Beiträge bezahlt wird oder diese nur Abonnenten frei zugänglich sind. Einen etwas anderen Weg gehen einige Onlinezeitungen, die ausschließlich im Netz für die Mediennutzer verfügbar sind. Die Betreiber der Onlinezeitungen finanzieren ihr journalistisches Angebot häufig über Crowdfounding oder über die Gründung eines Vereins. Durch Mitgliedsbeiträge und Spenden von Mitgliedern und Gönnern können die laufenden Kosten zumindest teilweise finanziert werden. Der Vorteil: Diese Medien sind unabhängiger von Anzeigenkunden, weshalb sie insgesamt kritischer berichten können.

Eine Prognose über die Entwicklung des Arbeitsmarktes für Journalisten ist auch vor dem Hintergrund der jüngsten medienpolitischen Entscheidungen schwierig. Denn zahlreiche Verlage entwickeln sich hin zu international agierenden Medienunternehmen, wodurch eine weitere Konzentrationswelle in Gang gesetzt wurde. Daraus kann sich für den einzelnen Journalisten eine problematische Abhängigkeit von nur einem Arbeitgeber ergeben, sofern es ihm nicht gelingt, sich weitere Einnahmequellen zu erschließen. Beispielsweise kann er einen Blog zu seinem Fachgebiet ins Leben rufen und damit zugleich passives Einkommen generieren und seine fachliche Kompetenz unter Beweis stellen, um den Marktwert zu steigern.

 


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