Ethik des Fotojournalismus

Mehr noch als die journalistische Ethik steht regelmäßig die Ethik des Fotojournalismus im Fokus der öffentlichen Meinung. Der Grund: Bilder prägen sich sehr viel intensiver in das Gedächtnis des Mediennutzers ein, als es bei Textpassagen der Fall ist. Jedoch lassen sich selbst die grundlegendsten ethischen Prinzipien, etwa nur Bilder mit einem Nachrichtenwert abzudrucken, die das Geschehen möglichst authentisch dokumentieren, im redaktionellen Alltag oft nur schwer umsetzen. Denn allzu oft müssen Fotojournalisten unter hohem Zeitdruck ein thematisch passendes Bild an die Redaktion liefern.

Ein weiteres Problem stellt seit einigen Jahren auch die Authentizität dar. Denn im Zeitalter der analogen Fotografie war es kaum möglich, ein Motiv grundlegend zu verändern, ohne dass der Mediennutzer Spuren der Änderungen bemerkte. Dies hat sich durch die Digitalfotografie und vor allem durch hochwertige Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop grundlegend geändert. Mit dieser Software ist es theoretisch sogar möglich, Personen aus Bildern zu retuschieren, hinzuzufügen oder durch andere Personen zu ersetzen, ohne dass die Veränderung bemerkt werden kann.

In diesem Fall könnte durch das Foto nicht nur reine Berichterstattung, sondern sogar regelrechte Propaganda betrieben werden. Diese Gefahr ist besonders groß, wenn das Bild sensible Themen wie Kriegschauplätze oder Demonstrationen zeigt. Aus diesem Grund marschieren viele Demonstranten maskiert. Sie verhindern damit zwar keine Manipulation oder missbräuchliche Verwendung des Bildes, können aber zumindest persönlich nicht mit dem Ereignis in Verbindung gebracht werden. Relativ bekannt und beliebt ist etwa die Guy-Fawkes-Maske, die nach einem Verschwörer benannt ist, der am 5. November 1605 ein Sprengstoffattentat auf König Jakob I. und das englische Parlament verübte.

Auch wenn Fotojournalisten mit einem Höchstmaß an Sorgfalt arbeiten, können ihnen bei der Zuordnung der Bilder oder während der Bildbearbeitung Fehler unterlaufen. Im Zeitalter der sozialen Medien ist die Gefahr besonders groß, dass sich unrichtige Bildbeiträge nicht mehr ohne Weiteres aus der Welt schaffen lassen. Insbesondere dann, wenn viele Leser den Artikel, das Bild oder den Beitrag teilen und so für eine weite Streuung sorgen. Die – später veröffentlichte – korrigierte Fassung wird hingegen nicht zwangsläufig von ebenso vielen Lesern geteilt. Zumindest rechtlich können sich Fotojournalisten und Medien absichern, indem sie auf Fehler in ihrem Medium schnell reagieren und diese Reaktion auch in den sozialen Medien dokumentieren.

 


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