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Samstag, 3. Juli: 0:00 – 0:45 Uhr (Nacht von Sa. auf So.) auf Arte

Metropolis: Thema u. a.: Stieg Larsson
Magazin.
Zu Ruhm kam der schwedische Schriftsteller Stieg Larsson erst nach seinem Tod. 2004 verstarb der Autor der erfolgreichen Millennium-Trilogie. Bestsellerlisten und die Verfilmung seiner Krimis brachten ihm posthum großen kommerziellen Erfolg. Mehr als 26 Millionen Exemplare seiner Bücher wurden bisher verkauft. Die Verfilmung der Millennium-Trilogie hat bisher 61 Millionen Euro eingespielt.
Im Mai sind zwei Biografien über Stieg Larsson erschienen. Sie zeichnen das Bild des politisch engagierten Journalisten Larsson nach. Seit seiner Jugend arbeitete er für das kleine, aber einflussreiche linke Magazin „EXPO“ in Stockholm im Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Schweden.
Kurdo Baksi, ein langjähriger politischer Weggefährte im Kampf gegen den Rechtsextremismus, beschreibt ein Stück gemeinsamen Weges in seiner Biografie. Jan-Erik Petersson, ein ehemaliger Lektor, legt seinen Schwerpunkt auf den politischen Menschen und die letzten Jahre Stieg Larssons, in denen er und seine Lebensgefährtin Eva Gabriellson aufgrund von Todesdrohungen aus der rechtsradikalen Szene nur noch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen leben konnten.

Samstag, 10. Juli: 12:55 – 13:40 Uhr auf EinsFestival

SchussWechsel – Fotografen in einem zerrissenen Land
Film von Sacha Mirzoeff und Bettina Borgfeld.
„Es ist extrem einfach, hier gute Bilder zu finden“, meint Fotograf Reinhard Krause. „Viel schwieriger ist es, zu verstehen, was wirklich hier passiert.“ Nur zwei Wochen wollte Reinhard in Israel bleiben, um einen Kollegen bei Reuter zu vertreten. Da beginnt die zweite Intifada. Die ganze Welt schaut auf Israel und Reinhard bleibt.
Reinhard, Chef des Fotodienstes der Nachrichtenagentur Reuters in Jerusalem, krempelt die Berichterstattung um. Er baut je ein Team von palästinensischen und israelischen Fotografen auf, die jeweils ihre Sicht auf das Geschehen fotografieren.
„SchussWechsel“ ist auch ein Film über die Allgegenwart von Gewalt. Bei einem israelischen Angriff entrinnt der palästinensische Fotograf Ahmed Jadallah nur knapp dem Tod. Schon schwer verletzt am Boden liegend 'schießt' er mit letzter Kraft ein Foto – es wird den World Press Award 2003 gewinnen. Und Nir Elias, ein israelischer Kollege, fotografiert einen Angriff von Palästinensern auf eine jüdische Siedlung. Seinen Kollegen neben ihm trifft eine Kugel.
Dennoch haben diese Fotografen wenig gemein mit dem Mythos des Kriegsfotografen. Die Story erzählt vom Leben jenseits der wohlbekannten Bilder. Eine Gratwanderung zwischen emotionaler Nähe und professioneller Distanz.

Sonntag, 11. Juli: 1:40 – 2:30 Uhr (Nacht von So. auf Mo.) auf hr-fernsehen

Das Kind, der Tod und die Wahrheit – Das Rätsel um den Palästinenserjungen Mohammed Al-Durah
Dokumentarfilm von Esther Schapira und Georg M. Hafner.
Das Bild ging um die ganze Welt: Ein Vater kauert hinter einem Betonfass, schützend den Arm um seinen kleinen Sohn gelegt. Er versucht, sich und sein Kind zu retten. Die tragische Szene wird gefilmt von einem Kameramann des französischen Fernsehkanals France 2. Weltweit ist zu sehen, wie Mohammed Al-Durah, der zwölfjährige Palästinenserjunge, an der Netzarimkreuzung in Gaza in den Armen seines Vaters stirbt, Opfer eines mörderischen Schusswechsels zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten.
Aber stimmt die Geschichte? Oder sind die westlichen Medien Opfer palästinensischer Propaganda geworden? Ist die spektakuläre Szene eine Fälschung? Erste Zweifel an der schlichten Wahrheit formulierte die ARD-Dokumentation „Drei Kugeln und ein totes Kind – Wer erschoss Mohammed Al-Durah?“ von 2002. Die akribische Recherche zeigte damals, dass nahezu ausgeschlossen ist, dass israelische Soldaten das Kind am 30. September 2000 erschossen. Was damals noch für heftige Angriffe gegen die ARD sorgte, ist mittlerweile allgemein akzeptiert. Demnach wären Palästinenser verantwortlich für den Tod des kleinen Jungen. Doch vielleicht ist die wahre Geschichte noch viel unglaublicher: Wurde Mohammed Al-Durah überhaupt erschossen? Die Zweifel jedenfalls an der Authentizität der Szene sind so schwerwiegend, dass kürzlich ein Gericht in Paris urteilte, es sei zulässig, von einer Fälschung zu sprechen. Wegen dieser Szene haben Menschen getötet und sind Menschen gestorben. Auch Al Kaida nutzt die Bilder – in einem Rekrutierungsvideo im Internet. In Freitagspredigten und auf Flugblättern wurden Muslime aufgerufen, Mohammed Al-Durah zu rächen – ein Aufruf, der grausige Realität wurde mit der bestialischen Enthauptung des amerikanischen Journalisten Daniel Pearl durch Islamisten. Im Video seiner Hinrichtung wird das „Todesurteil“ als Rache für die „Ermordung“ Mohammed Al-Durahs gerechtfertigt und die berühmte Szene eingespielt. Weltweit wurden Straßen und Plätze nach ihm benannt, und bis heute werden Kinder in Palästina aufgerufen, den „Märtyrer Mohammed Al-Durah“ zu rächen und ihm nachzueifern. Die Dokumentation „Das Kind, der Tod und die Wahrheit“ geht den vielen Widersprüchen und Ungereimtheiten nach, versucht das Rätsel um den kleinen Palästinenserjungen zu lösen. Auf Mohammed Al-Durahs Grab steht: „Die in der Schlacht sterben, sterben nicht wirklich, sondern leben weiter“ – im Paradies, davon ist jeder gläubige Moslem überzeugt. Sollte Mohammed aber tatsächlich noch am Leben sein, dann wäre er heute zwanzig Jahre alt. Denkbar ist diese unglaubliche Geschichte, denn eines zeigen die Bilder ohne Zweifel nicht: den Tod Mohammed Al-Durahs.

Montag, 12. Juli: 20:15 – 21:00 Uhr auf BR-alpha

alpha-Forum: Wolfgang Müller-Härlin – Künstler und Kulturjournalist
Moderation: Wolf-Dieter Peter.

Mittwoch, 14. Juli: 20:15 – 21:00 Uhr auf EinsExtra

Das Mädchen und das Foto – Die Geschichte eines Bildes, das die Welt bewegte
Dokumentation von Marc Wiese.
1972 geht ein Foto um die Welt: Es zeigt die neunjährige Vietnamesin Kim Phúc, die mit schmerzverzerrtem Gesicht um ihr nacktes Leben läuft. Bei dem Versuch, einem Napalmbombenangriff zu entkommen, erleidet sie schwerste Verbrennungen.
Das Bild wird zu einem berühmtesten Foto des Vietnamkriegs.
Der AP-Fotograf Nick Ut erhält für seine Aufnahme den renommierten Pulitzer-Preis. Und das Klicken seines Auslösers rettet Kim Phúc das Leben. Nachdem er das Bild geschossen hat, bringt der Fotograf das Mädchen in das nächstgelegene Krankenhaus. Tage später – als das Foto längst weltberühmt ist – wird Kim Phúc in eine Spezialklinik für Verbrennungen in Saigon gebracht. Ohne die Veröffentlichung wäre sie gestorben.
Der Film zeigt die Geschichte des Fotos, aber auch die späteren Auswirkungen auf die Beteiligten.

Mittwoch, 14. Juli: 22:45 – 23:25 Uhr auf Arte

The Social Galaxy:
Dokumentarfilm von Hermann Vaske.
Während es vor zehn Jahren noch eine klare Trennung zwischen dem Leben online und dem Leben offline gab, ist diese Grenze heute aufgehoben. Das ist nicht unproblematisch, denn viele junge Menschen dokumentieren ihr Leben öffentlich auf Twitter, Facebook, MySpace und auf Blogs. Da gibt es kein Zurück: Was einmal öffentlich ist, ist kaum mehr zu löschen. David Rowan, Chefredakteur von „Wired UK“, spricht über das Problem des Datenmissbrauchs und wie Daten weitergereicht und zweckentfremdet werden. Und Simon Waterfall, Kreativdirektor von „Poke“ in London, berichtet, dass er allein auf seinem Weg zur Arbeit von 250 Kameras erfasst, beobachtet und aufgezeichnet wird.
Doch es gibt auch die gesuchte Öffentlichkeit, die bewusste Präsentation im allgemein zugänglichen Netz. Menschen, denen das über traditionelle Medien nie gelungen wäre, finden so eine Fangemeinde. Der Erfolg der Web-Stars ist allerdings nicht planbar, wie David Weinberger vom Berkman Center in Harvard bestätigt. Er beruht eher auf gegenseitiger Empfehlung von einem User zum nächsten und nicht darauf, dass ein Signal von einem Kommunikator an eine große Masse geschickt wird. Die konsumorientierte Gesellschaft ist dabei, so Bernard Stiegler vom Centre Pompidou, sich durch das Internet zu einer kontributiven Gesellschaft zu formen. Sie führt uns in Zeitalter der Amateure, wobei der Begriff Amateur keineswegs negativ zu verstehen ist, sondern sich über „aimer“, die Liebe, definiert. Es geht also um die Passion, die Leidenschaft, mit der zum Beispiel auch die Amateure auf YouTube arbeiten.

Mittwoch, 14. Juli: 23:45 – 0:05 Uhr auf Arte

The Commercial Galaxy:
Dokumentarfilm von Hermann Vaske.
Der zweite Film im Rahmen des Themenabends bereist die „Commercial Galaxy“, die Welt der Wirtschaft. Er zeigt eindrückliche Beispiele dafür, dass in Zukunft die erfolgreiche Vermarktung kreativer Ideen und Projekte nur mit Hilfe der digitalen Welt zu bewerkstelligen sein wird.
 
Mittwoch, 14. Juli: 0:05 – 0:45 Uhr (Nacht von Mo. auf Di.) auf Arte

The Media Galaxy:
Dokumentarfilm von Hermann Vaske.
„The Internet got Obama elected“ – das Internet hat Obama zur Wahl verholfen – sagt der Werbestratege Benjamin Palmer. Der Wahlkampf richtet sich gezielt auf Internetnutzer und forderte sie auf, Einfluss auf Freunde und Verwandte zu nehmen. Er wurde ein exzellentes Beispiel für erfolgreiche Kommunikation im Web.
In einer weiteren Sequenz geht es um Print versus Blogs. Die Krise des Journalismus wurde auch von den unzähligen Blogs ausgelöst, die den traditionellen Journalismus aus den Fugen gehoben haben. Irina Slutsky von „Geek TV“ geht davon aus, dass man letztendlich keine gedruckten Erzeugnisse mehr braucht, da die digitalen Sachen einfach schneller sind. Anil Dash von der Blogging-Plattform „Six Apart“ hingegen sieht Blogs nicht als Bedrohung des Journalismus per se, sondern lediglich für schlechten oder bezahlten Journalismus. Blogs haben sich im Journalismus erfolgreich durchgesetzt. Social News Websites wie „reddit“ haben Konjunktur. Kein Redakteur, sondern die Leser bestimmen, was auf die Titelseite kommt. Hier kann auch die neue Form des Bürgerjournalismus stattfinden, wie etwa unzensierte Berichte über den Militärputsch in Thailand oder die Iranische Revolution zeigen.
Auch das Fernsehen muss sich der digitalen Revolution stellen. So zeigt das von Filmemacher Detlev Buck unterstützte Fußballfan-Projekt „23 Tage“, was man alles aus „Broadcast yourself“, dem Slogan von YouTube, machen kann. Und dann gibt es noch das mobile Internet, wie das wandlungsfähige iPhone mit seinen unzähligen Apps und kreativen Nutzungsmöglichkeiten.
Wo geht sie also hin, die Reise des Internets? Das Zauberwort heißt „Cloud Computing“ sagt der britische Designer Simon Waterfall. Die Hardware wird kleiner, leistungsfähiger und individueller werden. Das moderne Internet von heute ist gerade einmal zwölf Jahre alt – und immer noch unvorhersehbar. Man wird sich immer wieder überraschende Neuheiten einfallen lassen müssen, um bestehen zu können. In der „digitalen Bombe“ stecken also noch eine Menge Überraschungen.

Dienstag, 20. Juli: 1:30 – 2:15 Uhr (Nacht von Di. auf Mi.) auf EinsFestival

Hass auf Hitler – Die Ritchie Boys
Film von Christian Bauer.
'Die Ritchie Boys' erzählt die Geschichte von jungen Deutschen, meist Juden, die im US Exil lebten und 1944 im Auftrag der US Army nach Europa zurückkehrten, um in einer geheimen Einheit gegen Nazi Deutschland zu kämpfen. In Camp Ritchie, Maryland, durchliefen sie ein rigoroses Trainingsprogramm, das sie auf ihren Einsatz in Europa vorbereitete. Ihre Aufgabe: 'Die Erforschung der psychischen Widerstandskraft des Gegners und ihre Lähmung'. Ihre Waffen: Intensive Kenntnisse der deutschen Sprache und Mentalität. Zu den Männern, die in Camp Ritchie ausgebildet wurden, gehörten so bekannte Namen wie der Journalist und Autor Hans Habe, der Schriftsteller Stefan Heym, David Robert Seymour, Mitbegründer der Fotoagentur Magnum, und der Prager Regisseur Hanus Burger, über den der Autor Christian Bauer das Thema vor 15 Jahren entdeckte.
Viele der 'Ritchie Boys' machten nach dem Krieg Karriere in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Einige von ihnen sind noch am Leben: Ihre Erinnerungen, ausführliche Gespräche und privates Archivmaterial bilden den Kern des Films. 'Es hat die Ritchie Boys überrascht und gefreut, dass die Deutschen mehr Interesse an Ihrer Geschichte zeigen als die Amerikaner. Dass ich Deutscher bin, hat aber auch Erinnerungen und Gefühle hervorgerufen, die für beide Seiten nicht immer einfach zu ertragen waren', so Christian Bauer über die Dreharbeiten.