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Dienstag, 20. Januar: 23:00 – 24:00  Uhr auf hr fernsehen

Das Schweigen der Quandts
Ein Film von Eric Friedler und Barbara Siebert.
Die Familie Quandt gehört zu den reichsten und einflussreichsten Familien Deutschlands. Dass sie kaum bekannt ist, hat einen guten Grund. Große Teile ihres Vermögens soll sie während der NS-Zeit durch die Arbeit von KZ-Insassen und Zwangsarbeitern erlangt haben. Für ihren Film recherchierten Eric Friedler und Barbara Siebert über fünf Jahre in Archiven im In- und Ausland. Mit Hilfe dieser Dokumente ist es ihnen gelungen, Stück für Stück die Herkunft von Teilen des Familienvermögens offen zu legen. Zum weltumspannenden Konzernimperium der Quandts zählten in den vergangenen hundert Jahren Unternehmen wie Altana, Milupa, Varta und – bis heute – die Industrie-Ikone BMW. Doch die Quandts verbargen bislang ihre Familiengeschichte und die Herkunft von Teilen ihres Vermögens. Die Archive ihrer Firmen blieben Journalisten und Historikern verschlossen. Die Recherchen von Eric Friedler und Barbara Siebert kamen zu dem Ergebnis, dass die Quandts offenbar die wirtschaftlichen Vorteile nutzten, die der Nationalsozialismus ihnen bot. Sklavenarbeit von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern ermöglichten Profite und den Ausbau ihres Konzerns. Das belegen unter anderem erschütternde Aussagen letzter Überlebender des Konzentrationslagers Hannover-Stöcken.

Dienstag, 6. Januar: 00:15 – 1:15 Uhr (Nacht von Di. auf Mi.) auf Phoenix

Immer wieder sonntags – 50 Jahre Internationaler Frühschoppen und Presseclub
Dokumentation von Lothar Schröder (2003).
In einer Zeit, als das Fernsehen noch in „den Kinderschuhen steckte“, saßen sechs Journalisten aus fünf Ländern um einen großen Nierentisch und diskutierten die große Politik. Sie nannten es den „Internationalen Frühschoppen“. Sie reden jetzt seit 55 Jahren, seit rund 20 Jahren heißt die Sendung „Presseclub“, und mittlerweile besteht die Runde aus fünf Journalisten, die überwiegend aus Deutschland kommen.
34 Jahre saß Werner Höfer immer wieder sonntags mit seinen Gästen bei Weißwein und Apfelsaft zum Frühschoppen. Der Trunk nach dem Kirchgang verlagerte sich für immer mehr Bürger vor den Fernseher statt ins Wirtshaus. Der „Internationale Frühschoppen“ wurde zum televisionären Muss, zum Familientreffpunkt vor der Flimmerkiste: High Noon im Wohnzimmer. Einzig die Frauen waren bedingt durch die mittägliche Sendung ausgeschlossen – sie mussten den Sonntagsbraten herrichten, während der Vater in der guten Stube schon mal mit der Welt anstieß.
Fritz Pleitgen, Gerd Ruge, Peter Scholl-Latour erinnern sich an die Höhepunkte ebenso wie der Franzose Alfred Grosser, der Amerikaner Don F. Jordan oder der Russe Nikolai Portugalow.
Der Film will keine Sammlung thematischer Highlights sein. Ein fünfköpfiges Team hat in akribischer Arbeit 300 Sendungen in Kategorien eingeteilt und 5.000 Filmausschnitte auf die Festplatte kopiert – immer auf der Suche nach Nebensächlichkeiten, die aus einer gepflegten Gesprächssendung ein Ritual machten. Danach begann das Puzzlespiel für Autor Lothar Schröder und am Ende steht ein Rückblick, der mit zeitlicher Distanz alles nicht mehr so ernst nehmen muss.

Dienstag, 6. Januar: 22:15 – 23:15 Uhr auf Phoenix (Nacht von Di. auf Mi.) auf Phoenix

Unsere Volksvertreter – Politikergespräche im deutschen Fernsehen (1/2):
Wer lügt, gewinnt?

Dokumentation von Klaus-Michael Heinz (2003).
Dürfen Politiker lügen – wie Helmut Schmidt mit Blick auf die Sicherheit der Renten? Darf Helmut Kohl, blühende Landschaften im Osten Deutschlands verheißend, Steuererhöhungen verneinen, jedoch nur bis zum Wahltag? Und wie war das mit den Versprechungen des Kanzlers Gerhard Schröder, an denen er sich messen lassen wollte? Anne Will stellt diese Fragen. Und nach Betrachtung all der Schätze aus den Archiven der Fernsehsender erhält sie darauf vielsagende Antworten.
„Zwischen mir und meinen Positionen ist nachgewiesenermaßen doch ein gewisser Unterschied“, verhaspelte sich der putzmuntere Guido Westerwelle. Ein Freudscher Versprecher, wie er schöner nicht sein könnte. Und ein Anlass für Fragen: Muss das so sein, dass in einer Fernsehdemokratie diese Kluft entsteht? Und warum ist der Umgang mit der Wahrheit so schwierig? Muss denn wirklich immer, über Jahrzehnte hinweg, die eine Partei der anderen vorwerfen, „weit weg von der Wahrheit zu sein“, wie sich Kanzler Helmut Schmidt über Franz-Josef Strauß in einem TV-Marathon kurz vor der Bundestagswahl 1976 äußerte? Mit geradezu französischer Leichtigkeit zeigt sich abgeklärt Daniel Cohn-Bendit, früher 68er und heute Parlamentarier in Brüssel. Warum Politiker lügen? „Weil es so ist“.


Unsere Volksvertreter – Politikergespräche im deutschen Fernsehen (2/2): 23:15 – 00:15 Uhr auf Phoenix
Wer antwortet, verliert?

Dokumentation von Klaus Michael Heinz (2003).
Sind Journalisten die Anwälte des Zuschauers, und wenn ja, gegen wen verteidigen sie ihn? Müssen Politiker Journalisten überhaupt antworten? Gibt es Fragen, von denen Journalisten wissen, dass sie ein Politiker niemals befriedigend beantworten wird? Anne Will zeigt aufschlussreiche Politker-Statements.
Gibt es Fragen, die ein Politiker etwa im Wahlkampf kaum ehrlich beantworten kann? Dazu eine Belehrung des Ex-Außenministers Joschka Fischer: „Es gibt Fragen, die zwingen einen nachgerade in die Platitüde!“ Warum stellen Journalisten trotzdem solche angeblich nicht beantwortbare Fragen? Dazu die Wahlsendungen 1969: Es ist klar, dass eine sozialliberale Koalition zustande kommen wird, und dennoch geben Wolfgang Mischnick oder Helmut Schmidt keine klaren Antworten.
Warum stellen Journalisten unermüdlich Fragen nach den persönlichen Karriereabsichten von Politikern, wo doch noch nie eine klare Antwort erfolgte? Dazu die „Fallbeispiele“ Egon Bahr, Johannes Rau, Franz-Josef Strauß, Gerhard Schröder und Edmund Stoiber: Sie alle versicherten nachdrücklich oder ließen verlautbaren, nicht Bundesgeschäftsführer, nicht Kanzlerkandidat oder Bundespräsident werden zu wollen, und wie wurden es dennoch. Ein unehrliches Spiel? Anne Will wirft Fragen auf. Und löst eine mitunter heftige Diskussion aus, bei der die Fronten nicht immer klar sind – von wegen hier Journalisten und dort Politiker.

Sonntag, 4. Januar: 12:00 – 12:30 Uhr auf Arte

Künstler hautnah: Mohamed Bourouissa
Dokumentationsreihe, Frankreich 2008.
Die Kunst erobert die Banlieus und die Banlieus die Kunst. Der junge algerische Fotograf Mohamed Bourouissa lebt und arbeitet in Paris. Seine Fotoserie „Périphériques“ thematisiert in nachgestellten Szenen das Leben und den Augenblick in den französischen Vorstädten. Obwohl dieser Arbeit eine soziale Problematik zugrunde liegt, ist Bourouissas Ansatz ein künstlerischer. In Situationen, die man eher vom Fotojournalismus kennt, inszeniert er die Vorstädte als konzeptuelles Kunstobjekt. So räumt er mit den gängigen Klischees auf und hinterfragt gesamtgesellschaftliche Machtverhältnisse.
Der Fotograf, der vor allem nachts fotografiert, nimmt sich viel Zeit für die Auswahl der Standorte und der Protagonisten. Seine Bilder stellen Konfliktsituationen nach: Ein junges Paar streitet sich, zwei Boxer stehen sich gegenüber, zwei verfeindete Banden treffen aufeinander, Jugendliche geraten in Konflikt mit der Polizei. So entstehen starke Szenen voll unterschwelliger Suggestion und Spannung.
Die Bilder von Mohamed Bourouissa gehen in ihrer Komposition über das eigentliche Thema hinaus und erinnern an die bemerkenswerten Fotografien von Jeff Wall. Thematisch spielen die Bilder auf die Englische Schule an und verweisen auf Künstler wie Martin Parr oder Paul Graham. Durch seinen Erfolg in Frankreich, Holland, England und Italien erreicht er ein Publikum auch außerhalb der Banlieus, obwohl er seine Bilder vor allem dort inszeniert. Für seine Protagonisten, die Bewohner der Vorstädte, leistet er somit auch Kommunikationsarbeit in die „andere Welt“, außerhalb der Banlieus.

Samstag, 3. Januar: 13:30 – 14:00 Uhr auf Arte

Zapping International: Das Fernsehen der Kirgisen
Magazin, Frankreich 2008.
Die Fernsehzuschauer in Kirgisien finden sich mit ihren Sorgen und Nöten anscheinend am besten in der brasilianischen Telenovela „The Clone“ wieder. Die Liebesgeschichte zwischen einem Brasilianer und einer Marokkanerin schlägt alle Einschaltrekorde. Ihr Erfolg ist so groß, dass Hochzeiten in den entlegensten kirgisischen Dörfern momentan ebenso wie in der Serie ablaufen. Viele Babys werden nach Said und Jadie, den beiden Helden von „The Clone“, benannt. Es ist wohl vor allem der gemäßigte und mit dem modernen Leben vereinbare Islam, der den Kirgisen an dieser Serie vom anderen Ende der Welt so gut gefällt.
Doch natürlich findet man beim Zappen auf einem der zehn Sender des Landes auch hin und wieder eine rein kirgisische Sendung. Beispielsweise „Saltsanat“ auf Kanal 5, in der es ausschließlich um die kirgisischen Traditionen geht, oder auch „Bravo“, eine Art „Kirgisien sucht den Superstar“. Der größte Filmerfolg der letzten Zeit war „Sunduk Predkov“, eine Liebesgeschichte zwischen einem Kirgisen und einer Pariserin.