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Montag, 9. Mai: 22:05 – 23:00 Uhr auf SWR2

Versende deine Daten – Der Wandel von Intimität und Öffentlichkeit
Essay von Martin Zeyn.
„Ihr seid die erste Generation, die im Gulag Amerika aufwächst“, heißt es im Roman „Little Brother“ des kanadischen Bloggers und Journalisten Cory Doctorow, in dem der Staat flächendeckend seine Bürger überwacht. Ein Kassandra-Ruf, frei zugänglich im Netz (www.craphound.com). Aber gerade im Internet verhallt die Warnung vor den Daten-Kraken, während Millionen von Nutzern leichtfertig höchst Persönliches twittern, facebooken oder googeln und damit preisgeben. Gibt es eine neue Tyrannei der Intimität, jetzt digital und weltweit abrufbar? Der Essay untersucht die Veränderung des Begriffs der Öffentlichkeit im Zeichen des Internets und liest Richard Sennetts renommierte Studie „Verfall und Ende des öffentlichen Lebens“ neu.

Donnerstag, 12. Mai: 12:05 – 13:00 Uhr auf hr2-kultur (Wiederholung um 23:05 Uhr)

Doppel-Kopf: Am Tisch mit Denis Scheck, „Literatur-Gourmet“
Gastgeberin: Sylvia Schwab.
Ihn einen „Literatur-Gourmet“ zu nennen, den Literaturredakteur und Moderator, Autor und Übersetzer Denis Scheck, liegt nahe. Denn Bücher sind für sein Leben eine Conditio sine qua non. Außerdem ist gerade ein neues Buch von ihm erschienen, sein Titel: „Sie & Er – Der kleine Unterschied beim Essen und Trinken“. Sylvia Schwab spricht mit Denis Scheck nicht nur über männliche und weibliche Essgewohnheiten oder die Gemeinsamkeiten von lesen und essen, kochen und schreiben. Sondern auch über Literaturkritik im Rundfunk und Fernsehen und – natürlich – über Denis Schecks schwäbischen Wurzeln.

Freitag, 13. Mai: 9:05 – 9:20 Uhr auf WDR 5 und 20:15 – 20:30 Uhr auf NDR Info

Zeitzeichen: Die erste ZDF-Sendung „Dalli Dalli“ wird ausgestrahlt (13.5.1971)
Sendung von Ariane Hoffmann.
Acht prominente Kandidaten, eine Jury, Schnellzeichner Oskar und Moderator Hans Rosenthal: Das war „Dalli Dalli“, eine der beliebtesten ZDF-Fernsehshows der 1970er-Jahre. Einmal im Monat unterhielt sie die Zuschauer 90 Minuten lang. Die Kandidaten mussten sich Wort-, Assoziations- und Aktionsspielen stellen und Bilder erkennen. Bewertet wurden ihre Leistungen von einer strengen Jury, die gnadenlos doppelt genannte Begriffe abzog. Jede Spielrunde startete der quirlige, kleine Hans Rosenthal mit dem Ausruf „Dalli Dalli“, später kam noch ein Luftsprung hinzu. Am Ende wurden die erspielten Punkte aller Kandidaten zusammengezählt und sowohl in D-Mark als auch in Schilling umgerechnet, da die Sendung eine deutsch-österreichische Gemeinschaftsproduktion war. Das Geld kam immer einer unverschuldet in Not geratenen Familie zugute. Bis 1986 sendete das ZDF 153 Ausgaben von „Dalli Dalli“. Dann erkrankte Hans Rosenthal an Krebs. Nach seinem Tod 1987 wurde die Sendung eingestellt. Doch auch heute noch sind viele Fernsehzuschauer der Meinung: „Das war Spitze!!“

Sonntag, 15. Mai: 18:05 – 19:00 Uhr auf hr2-kultur

Schriftstellerleben: Max Frisch – eine Biographie
Feature von Heinz-Ludwig Arnold.
Am 15. Mai 1911 wurde Max Frisch in Zürich geboren. Der Schriftsteller und Architekt wurde vor allem durch Theaterstücke wie „Biedermann und die Brandstifter“ bekannt und durch Romane wie „Homo Faber“, „Mein Name sei Gantenbein“ oder „Stiller“. Heinz-Ludwig Arnold schuf aus langen Gesprächen, die er 1974 mit Frisch führte, ein Porträt des Schriftstellers.

Montag, 16. Mai: 9:05 – 9:20 Uhr auf WDR 5 und 20:15 – 20:30 Uhr auf NDR Info

Zeitzeichen:Die erste Nummer der Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ erscheint (16.5.1946)
Sendung von Christoph Vormweg.
In den wirren Nachkriegsjahren mit britischer Zensur und Papiermangel erschien das Düsseldorfer „Handelsblatt“ in einer Auflage von 10.000 Exemplaren einmal pro Woche. Heute sind es über 130.000 „börsentäglich“. Doch die Krise hat auch die wichtigste Wirtschaftszeitung Deutschlands gebeutelt. Nichts Neues für die Macher des „Handelsblattes“. Nach dem Siegeszug im Wirtschaftswunderland gab es immer wieder Herausforderungen: 1970 die Fusion mit dem konkurrierenden „Industriekurier“ und 2000 die neue Konkurrenz der „Financial Times Deutschland“. Die große Frage heute: Wird sich das „Handelsblatt“ in gedruckter Form halten können? Nach rigorosem Stellenabbau hat die Redaktion vor kurzem eine „Digital-Offensive“ gestartet.

Freitag, 20. Mai: 9:05 – 9:20 Uhr auf WDR 5 und 20:15 – 20:30 Uhr auf NDR Info

Zeitzeichen: Der Geburtstag des Schriftstellers Wolfgang Borchert (20.5. 1921)
Film von Christiane Kopka.
„Ein Mann kommt nach Deutschland. Er war lange weg der Mann. Sehr lange. Vielleicht zu lange. Und er kommt ganz anders wieder als er wegging.“ So beginnt Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“, das zum größten Erfolg der Nachkriegsjahre avancierte. Auch Borchert war lange weg, und als er zurück kam, erkannte ihn seine eigene Mutter kaum wieder: Der Krieg hatte aus dem übermütigen Swing-Heini und Bürgerschreck einen alten Mann gemacht. Eigentlich wollte er wieder als Kabarettist und Schauspieler arbeiten, doch eine schwere Lebererkrankung fesselte den 25-Jährigen ans Bett. So schrieb er im Herbst 1946, in nur acht Tagen, sein trostloses Stück über den Kriegsheimkehrer Beckmann. Wenige Monate später sendete der Nordwestdeutsche Rundfunk „Draußen vor der Tür“ als erstes eigenproduziertes Hörspiel und machte den jungen Autor damit über Nacht berühmt. Die noch erfolgreichere Theateruraufführung im November 1947 erlebte Wolfgang Borchert schon nicht mehr: Er starb einen Tag zuvor in einem Schweizer Sanatorium.