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Juli 2010
Donnerstag, 1. Juli: 9:05 – 9:20 Uhr WDR 5 und 20:15 – 20:30 Uhr auf NDR Info
Zeitzeichen 1.7.1835: Die Gründung des Bertelsmann-Verlages
Von Dieter Saake.
Die Geschichte klingt unglaublich, sie ist aber wahr. Aus einem kleinen christlichen Buchverlag in der westfälischen Provinz wird innerhalb eines Jahrhunderts Europas größtes Medienunternehmen: der Gütersloher Bertelsmann-Konzern. Keimzelle dieses Erfolges war der Lesering, die Idee, den bildungshungrigen Menschen der Nachkriegszeit die Bücher zum günstigen Preis nach Hause zu liefern.
Hinter dieser Idee stand Reinhard Mohn – der Mann, der mit unternehmerischer Weitsicht und mutigen Entscheidungen aus dem Provinzverlag ein Weltunternehmen machte. Dabei ging er stets mit der Zeit: Mohn setzte zunächst aufs Buch, dann auf die Schallplatte, in den 80er-Jahren kam das Fernsehen dazu, in den Neunzigern das Internet. Heute gebietet seine Witwe Liz Mohn weitgehend über den Konzern und seine 100.000 Mitarbeiter. Und muss erstmals mit roten Zahlen kämpfen. In der Wirtschaftskrise gingen die wichtigen Werbeerlöse bei Zeitschriften und Privatfernsehen zurück und auch das Buchklubgeschäft dümpelt vor sich hin. Bertelsmann muss sich dringend nach einem neuen Wachstumsmarkt umsehen.
Samstag, 3. Juli: 19:05 – 19:30 Uhr auf MDR Figaro
Essay: Wenn ein Geschäftsmann seinen Neigungen nachgeht – Daniel Defoe
Porträt von Michael Schulte.
Von seinem Erscheinen an ist Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ ein Riesenerfolg. Vier Auflagen werden binnen weniger Monate verkauft, und der Autor kann von den Einahmen sorgenfrei leben. Das allerdings war nicht immer so. Der zu seiner Zeit berühmte Journalist und leidlich erfolgreiche Geschäftsmann Defoe war wegen Volksverhetzung verurteilt worden – ungewöhnlich hart: mit dreimaligem Stehen am Pranger, Verlust seines Vermögens und einer Haftstrafe von unbestimmter Dauer. Aber er kommt nach erstaunlich kurzer Zeit frei, wird – unter anderem – Spion, gründet eine Zeitschrift und macht sich mit Artikeln in allen politischen Lagern Feinde. Erst als der ehemalige Pirat Alexander Selkirk auftaucht, wendet sich für Defoe das Blatt.
Montag, 5. Juli: 9:05 – 9:30 Uhr auf SR2
Nordkorea:Leben im Schatten der Propaganda
Von Peter Kujath.
Das Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea ist derzeit so angespannt wie seit Jahren nicht mehr. Grund ist der Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffes, bei dem Ende März 46 Soldaten ums Leben kamen. Internationalen Ermittlern zufolge hatte Nordkorea das Schiff mit einem Torpedo angegriffen. Die Demokratische Volksrepublik Korea – so heißt Nordkorea offiziell – ist weitgehend isoliert. Die Wirtschaft liegt am Boden, Propaganda bestimmt den Alltag der Menschen. Ausländische Journalisten werden nur selten ins Land gelassen und dürfen sich während ihres Aufenthalts nicht frei bewegen. Trotzdem ergibt sich bei diesen Reisen das Bild eines Landes, das sich zwischen Trotz und Verzweiflung bewegt
Dienstag, 13. Juli: 12:05 – 13:00 Uhr (Wh. um 23:05 Uhr) auf hr2
Doppel-Kopf: Am Tisch mit Fritz Pleitgen, „Revier-Europäer“
Mit Karin Röder als Gastgeberin.
„Kultur durch Wandel – Wandel durch Kultur“ – so lautet das Motto von „Ruhr 2010“. Die Stadt Essen gehört zu den Europäischen Kulturhauptstädten 2010 und damit das ganze Ruhrgebiet. Fritz Pleitgen ist Geschäftsführer und Planer von „Ruhr 2010“. Es sieht ganz so aus, als sei er hier einer Herzensangelegenheit gefolgt. Denn er ist selbst ein Kind des Ruhrgebiets. Pleitgen gehörte zu den prominentesten und einflussreichsten Journalisten der ARD. Er hat das Handwerk von der Pike auf gelernt, zunächst als Volontär bei der Freien Presse Bielefeld. Später ging er zum Fernsehen des WDR und von dort in die ganze Welt: als Korrespondent nach Moskau, Washington, New York und Ost-Berlin. Fritz Pleitgen berichtete vom 6-Tage-Krieg und machte Filme im Nahen Osten von Land und Leuten. Danach wurde er Chefredakteur beim WDR-Fernsehen, Programmdirektor und schließlich Intendant. Er moderierte rund 300 Mal den Presseclub der ARD. Der 71-Jährige ist seit 41 Jahren mit seiner Frau Gerda verheiratet und Vater dreier Söhne und einer Tochter. Im „Doppel-Kopf“ von hr2-kultur mit Karin Röder als Gastgeberin erzählt der „Revier Europäer“, warum Kultur so wichtig ist und welche Rolle dabei die Kulturen der Welt spielen.
Freitag, 16. Juli: 9:05 – 9:20 Uhr auf WDR 5 und 00:15 – 20:30 Uhr auf NDR Info
Zeitzeichen 16.7.1985: Der Todestag des Schriftstellers Heinrich Böll
Von Christoph Vormweg
Kriegsheimkehrer- und Trümmerliterat, Kleine-Leute-Dichter, Kirchen- und BILD-Kritiker, Gewissen der Nation: die Etiketten für Heinrich Böll sind zahlreich. Millionenauflagen erreichte der erste deutsche Literaturnobelpreisträger nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ als erfolgreichstem Longseller. 2007 vermeldete sein Verlag immer noch 100.000 verkaufte Böll-Bücher pro Jahr – allein in deutscher Sprache. Und doch ist der Friedensbewegte gleich nach seinem Tod 1985 aus dem medialen Bewusstsein gerutscht. Passte der notorisch Unbequeme nicht mehr zum immer artigeren Zeitgeist? Oder sind – wie schon zu Lebzeiten behauptet wurde – Heinrich Bölls Werke ohne ihre aktuellen Bezüge nur die Hälfte wert?
Donnerstag, 22. Juli: 8:30 – 8:58 Uhr auf SWR2
SWR2 Wissen: Die weiße Stadt – Literaturort Belgrad
Von Maike Albath.
Früher war diese Stadt ein Zentrum der europäischen Avantgarde, heute scheint sie an den Rand des Geschehens gerückt zu sein: Belgrad, die weiße Stadt. In den 30er-Jahren trieben surrealistische Dichter unbeirrbar ihren Schabernack, mischten trotz der Zensur die Literaturszene auf, gründeten Verlage und nahmen in der Nachkriegszeit den jungen experimentellen Romancier Bora Cosic unter ihre Fittiche. Wie Belgrad den Zweiten Weltkrieg erlebt, ist Gegenstand der „Raikow-Saga“ von Milo Dor. Heute dreht der Regisseur und Lyriker Srdjan Dragojevic Filme über die jugoslawische Vergangenheit, den Balkankrieg und die Lage in seiner Heimatstadt. Nach den unruhigen Jahren herrscht Katerstimmung – aber Dichter und Schriftsteller haben ein anderes Metronom und bieten tiefere Einblicke in die Wirklichkeit eines Landes.
