Volltextsuche
Login
Februar 2011
Montag, 7. Februar: 12:05 – 13:00 Uhr auf hr2
Doppel-Kopf – Am Tisch mit Volker Schlöndorff, „Kamera-Auge“
Gastgeber: Jochanan Shelliem.
Geboren in Wiesbaden-Biebrich berichtet Volker Schlöndorf von seinen ersten Kinoerfahrungen, von seinen sehnsüchtigen Blicken nach der holden Schönheit im Filmkunstkino von Wiesbaden. Und er berichtet davon, wie der Vater seinen Berufswunsch Kameramann hintertrieb. Worauf der junge Schlöndorff in die Bretagne flüchtete, wo er sich mit Bertrand Tavernier in einer Klasse wiederfand. Schlöndorff berichtet von seiner Zeit mit Louis Malle und seinem Großprojekt, der Verfilmung von Günter Grass‚ Roman „Die Blechtommel“. Volker Schlöndorff beschreibt die Atmosphäre einer Zeit, da sich das große europäische Kino neu und wild erfand. Von Heinrich Böll und vom „Plötzlichen Reichtum der armen Leute von Krombach“ erzählt der Regisseur im „Doppel-Kopf“-Gespräch mit Jochanan Shelliem, als ihm der Hessische Rundfunk ein Bündel vergilbter Aufzeichnungen vom Dachboden einer kleinen Gemeinde bei Biedenkopf zeigte.
Mittwoch, 9. Februar. 10:05 – 10:30 Uhr auf WDR 5
Celluloid Dreams – Vom Verschwinden der Filmkopie
Feature von Nicolaus Schröder.
Am Anfang war die Kopie: Die Filmkopie, die mit den Jahren verkratzt, die ausbleicht, schrumpft und reißt und damit auf die Jahre verweist, die seit der Uraufführung vergangen sind. Manchmal haben diese Kopien sonderbare Geschichten. Sie tauchen nach Jahrzehnten in norwegischen Krankenhauskellern auf, werden in Archiven in Uruguay in unbeschrifteten Dosen gefunden oder unter dem Bett des Regisseurs hervorgezaubert; sie sind vor Krieg und Vernichtung in Privatwohnungen bewahrt worden oder wurden vor der sowjetischen Zensur gerettet, weil sie gegen Kinokopien von US-Western getauscht werden konnten. Die Digitalisierung raubt der Filmkopie ihre physische Erscheinung. Eine Kinokopie, das sind gut 20 Kilo Gewicht, verteilt auf vier Rollen, die umgespult und auf den Projektor gewuchtet wurden. Filme vorzuführen war einmal ein Knochenjob. Heute geht alles digital, schnell und leicht. Doch Wehmut bleibt beim Blick zurück, denn schon allein der besondere Geruch alter Filmrollen bringt jeden Cineasten zum Träumen.
Samstag, 19. Februar: 22:03 – 23:00 Uhr auf SWR2
„Die Sterne gehen im Zickzack“ – Hugo Balls Flucht aus dem Auswurfsvarieté
Feature von Werner Simon Vogler.
”Dokumente nicht der Erbauung, sondern der Paradoxie hinterlassen”, notierte der Dramaturg und expressionistische Dichter Hugo Ball zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Wie das? Kennen wir ihn nicht als Begründer des Dada, der 1916 im Züricher Exil mit seinen scheinbar sinnlosen Lautgedichten gegen die pervertierte Logik des Krieges und einer sinnentleerten Zeit rebellierte? Tatsächlich blieb der Ober-Dadaist Dada nur wenige Monate treu; noch bevor aus der avantgardistischen Bewegung ein Ismus wurde, zog sich Ball zurück. Er wurde in Bern politischer Journalist, der leidenschaftlich gegen den Kriegswahnsinn anschrieb und sich mit seinem 1919 erschienenen Buch “Zur Kritik der deutschen Intelligenz” zwischen alle Stühle setzte. Reisen ins Nachkriegsdeutschland, wo er, nicht zuletzt in seiner Heimatstadt Pirmasens, als Vaterlandsverräter verschrien wurde, überzeugten ihn, dass sowohl seine ästhetische wie die politische Revolte wirkungslos bleiben musste. Er fand nun zum Katholizismus, dem Glauben seiner Pirmasenser Kindheit, zurück und fand darin das Gegengift zum Nihilismus der Zeit. In “Die Flucht aus der Zeit”, ein 1926 veröffentlichtes Konzentrat seiner Tagebuchnotizen, versuchte er die Folgerichtigkeit seiner vielen Wendungen und Fluchten zu begründen, denn “man muss sich verlieren, wenn man sich finden will”.
Dienstag, 22. Februar: 12:05 – 13:00 Uhr auf hr2
Doppel-Kopf: Am Tisch mit Christoph Twickel „Stadtbewegungsforscher“
Gastgeber: Klaus Walter
Christoph Twickel, Jahrgang 1966, arbeitet seit vielen Jahren in Hamburg als Print- und Radiojournalist. In kaum einer anderen deutschen Großstadt treffen die gesellschaftlichen Gegensätze härter aufeinander. Als Chronist und manchmal auch als Aktivist verfolgt und begleitet Twickel die innerstädtischen Konflikte im weiten Feld zwischen Hochkultur, Subkultur und Politik. Das jüngste Resultat dieser Arbeit ist das vielbeachtete Buch „Gentrifidingsbums – oder eine Stadt für alle“. Darin beschreibt Twickel mit ebenso viel Insiderwissen wie Humor die vielschichtigen Auseinandersetzungen und Entwicklungen, die von Stadtforschern unter dem Begriff Gentrifizierung zusammengefasst werden. Die verschlungenen Prozesse von Aufwertung, Teilhabe, Umverteilung und Vertreibung in Hamburger Stadtvierteln können als exemplarisch für das Leben in deutschen Großstädten im 21.Jahrhundert gelten, siehe Stuttgart, Berlin, Frankfurt oder Kassel.
Sonntag, 27. Februar: 12:05 – 13:00 Uhr auf hr2
Thomas-Mann-Wochenende: Thomas Mann – ein deutscher Nationaldichter?
Moderation: Ruthard Stäblein
„Wo ich bin, ist Deutschland“ – schrieb Thomas Mann 1938 bei Betreten der USA. Als er 1952 aus dem Exil zurückkehrte, ging er nicht nach Deutschland, sondern in die Schweiz. Denn die Emigranten waren damals in Deutschland nicht besonders willkommen. Mit seinen „verzweifelt deutschen“ Werken wollte Thomas Mann als „Nationalschriftsteller“ gelten, wurde aber erst Jahrzehnte nach seinem Tod als solcher anerkannt.
Darüber diskutieren Hermann Kurzke von der Universität Mainz, Hans Wißkrichen vom Buddenbrookhaus Lübeck und der Autor von „Pazifik Exil“ Michael Lentz.
Eine Aufnahme der öffentlichen Veranstaltung vom 25. Februar 2011 aus der Deutschen Nationalbibliothek – in Zusammenarbeit mit dem S. Fischer Verlag.
Sonntag, 27. Februar: 17:30 – 18:00 Uhr auf NDR Info
Frauenforum: Schöne Grüße aus Hollywood – Vom Leben und Arbeiten in der Traumfabrik
Feature von Doris Jankowski.
Es gibt sie, die deutschen Traum-Karrieren in Hollywood: Die Schauspielerin Marlene Dietrich wurde dort zum Weltstar und aktuell ist Diane Kruger auf dem besten Weg, sich international einen großen Namen zu machen. Doch diese Erfolgswege sind äußerst rar. Man braucht Können, Glück und ein optimales Timing, um die richtigen Leute auf sich aufmerksam zu machen.
Das gilt sogar für Frauen, die hinter den Kulissen der Traumfabrik arbeiten. In der Sendung berichten eine Produzentin, eine Assistentin, eine Journalistin und ein Scriptgirl, wie sie mit Glück und Zufall nach Los Angeles gelangten, wie es ist, mit Schauspielern wie Brad Pitt, George Clooney oder international renommierten Regisseuren zusammen zu arbeiten, wie es sich anfühlt, die Verantwortung für Millionen-Dollar-Produktionen zu übernehmen und wie weit sie mittlerweile von einem „normalen“ Leben in Deutschland entfernt sind.
