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Berufsbild
In Deutschland arbeiten nach neuesten Untersuchungen[1] rund 48.000 hauptberufliche und eine nicht näher bezifferbare Zahl an nebenberuflichen Journalisten für Zeitungen, Zeitschriften, Magazine, Online-Medien, TV-und Radio-Sender. Trotz des modernen Images der Medien ist der Journalismus ein Beruf mit Tradition, dessen Wurzeln im Anfang des 17. Jahrhunderts liegen, als die ersten regelmäßig erscheinenden Zeitungen in Antwerpen und Straßburg publiziert wurden.
Zu den Haupttätigkeiten eines Journalisten gehören Recherchieren, Dokumentieren, Formulieren, Redigieren, Präsentieren, Organisieren und Planen. Dazu werden immer stärker Kenntnisse der Betriebswirtschaft und der IT gefordert. Statistisch verbringt ein Journalist fünf Stunden pro Tag mit Recherche und dem Verfassen und Redigieren von Texten[2].
Journalisten informieren die Öffentlichkeit über Sachverhalte oder Vorgänge, die von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung sind. Damit tragen sie zum Prozess der öffentlichen Meinungsbildung bei und erfüllen somit eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Um dieser Aufgabe als Kontrollinstanz der Gesellschaft gerecht werden zu können, stehen Journalisten besondere Recherchebefugnisse zu, die die Pressegesetze der Länder unter den Begriffen „Auskunftsrecht“ oder „Informationsrecht“ regeln.
Der Zugang zum Berufsfeld des Journalisten ist offen, d. h. es gibt keine gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungswege. Dieser freie Berufszugang leitet sich aus dem Artikel 5 des Grundgesetzes ab, der jedem Bürger das Recht zuspricht, „seine Meinung in Schrift, Wort und Bild frei zu äußern und zu verbreiten.“ Gleichwohl haben sich Ausbildungsstandards wie das journalistische Volontariat durchgesetzt.
Da der Beruf des Journalisten nicht durch übergeordnete Instanzen reguliert wird, diese Berufsgruppe aber gleichzeitig rechtliche Privilegien genießt, muss ein Journalist eine Reihe von persönlichen und fachlichen Anforderungen erfüllen, um seinen Beruf verantwortungsbewusst ausüben zu können. Zu diesen Anforderungen zählen unter anderem
- gute Allgemeinbildung
- ausgeprägtes Sprachgefühl
- analytisches Denken
- schnelle Auffassungsgabe
- gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein
- persönliche Integrität
- hohe Vermittlungskompetenz
- Belastbarkeit und Kreativität
Die Arbeitsbelastung der Journalisten ist relativ hoch. Dies liegt sowohl an den Stellenkürzungen der letzten Jahre als auch an der immer schnelleren Taktung der Berichterstattung. Trotzdem ist diese Berufsgruppe mit ihrem Beruf sehr zufrieden[3] und genießt die Abwechslung, die die Tätigkeit oftmals mit sich bringt. Daher übt das Berufsziel „Journalist“ nach wie vor eine hohe Anziehungskraft auf Berufs- und Quereinsteiger aus.
Journalismus ist ein professioneller Beruf wie der des Arztes, des Lehrers oder des Rechtsanwaltes. Dies lässt sich an verschiedenen Attributen festmachen:
- Journalisten verfügen über ein eigenes berufliches Fachwissen und Fachkompetenzen. Hierzu zählen nicht nur handwerkliche Fähigkeiten wie Recherchieren, Schreiben oder Redigieren. Hinzu kommen medienspezifische Kompetenzen sowie Fachinhaltskompetenzen im jeweiligen Berufserstattungsfeld (z. B. Wirtschaft, Sport, Medizin etc.).
- Die Ausbildung zum Journalisten darf zwar aufgrund der grundgesetzlich gebotenen Pressefreiheit und aufgrund des damit verbundenen offenen Berufszugangs nicht durch eine Ausbildungsverordnung o. ä. reglementiert werden. Dennoch haben sich spezifische Ausbildungsformen herauskristallisiert, in denen die vorgenannten Kompetenzfelder vermittelt werden. Die meisten Journalisten sind Akademiker.
- Es existieren ethische Normen, denen sich Journalisten freiwillig unterwerfen. Auf individualethischer Ebene hat der DFJV als Vorreiter einen solchen Ethikkodex entwickelt. Eine ältere Tradition hat der institutionenethische Pressekodex, der für Verlage gilt.
- Journalismus ist ein Beruf, der im besonderen Maße einen wichtigen Dienst für die Allgemeinheit leistet. Denn Journalisten informieren die Öffentlichkeit über Sachverhalte oder Vorgänge, die von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung sind. Sie leisten damit einen zentralen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung.
- Journalisten arbeiten im hohen Maße eigenständig. Bei der Ausübung ihres Berufs sind sie weitgehend unabhängig von Dritten. Sie erschließen sich Inhalte selbstständig und tragen eine hohe Verantwortung, indem sie diese an ihre Rezipienten weitergeben.
- Wie andere Berufe organisieren sich auch Journalisten in Berufsvertretungen. Der DFJV nimmt unter ihnen eine führende Rolle als Dienstleister ein.
[1] Vgl. Weischenberg, Siegfried/Malik, Maja/Scholl, Armin, (2006): Die Souffleure der Mediengesellschaft, Hamburg.
[2] Ebd.
[3] Vgl. Erdmann, G./Janke, W./Breitling, K.,(2006): Stressverarbeitung (Stressbewältigung) bei Berufen mit hoher Belastung: Journalisten, Berlin.
