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Die Entwicklung des Arbeitsmarktes für Journalisten kann in einer Rückschau auf das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends als insgesamt befriedigend bezeichnet werden, gleichfalls ist die Beschäftigungssituation im Journalismus allerdings krisenanfällig und von Unsicherheiten geprägt.

Zu Beginn des Jahrtausends ließen immer mehr private TV-und Hörfunkanbieter und neue Informationsangebote im Internet den Bedarf an Journalisten wachsen. Dies änderte sich mit der Konjunktur- und Medienkrise, die 2001 begann, schlagartig. Anzeigenerlöse blieben aus, und selbst große und renommierte Verlage entließen viele Mitarbeiter oder stellten publizistische Projekte sogar ganz ein. Tiefpunkt war das Jahr 2003 mit über 7.000 arbeitslos gemeldeten Journalisten. [Abb. 1] Dazu kamen Kollegen, die sich als „Freie“ mehr schlecht als recht durchschlugen, so dass die "Dunkelziffer" an arbeitslosen Journalisten vermutlich erheblich höher lag.

 

 

In den letzten Jahren entspannte sich die Situation. So fiel die Zahl der arbeitslos gemeldeten Journalisten 2008 auf 4.200. [Abb. 1] Zudem sank die Arbeitslosigkeit von Journalisten schneller als bei anderen Akademikergruppen. Allerdings hatten Verlage neben dem strukturellen Medienwandel durch die Wirtschaftskrise eine zweite Herausforderung zu bewältigen, die deutliche Spuren hinterlassen hat. So haben weitreichende strategische Schritte die Struktur vieler Redaktionen beeinflusst: Auslagerungen, Redaktionsfusionen und Redaktionskooperationen waren und sind hier zentrale Maßnahmen. [1] Auf dem Arbeitsmarkt für Redakteure und Journalisten stieg die Zahl der arbeitslosen Publizisten im Jahr 2009 erstmals seit 2003 wieder an. Auch die Anzahl der Stellenangebote sank 2009 auf den tiefsten Stand in diesem Jahrzehnt, der Adecco-Stellenindex zählte weniger als 900 Angebote.

Dagegen ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stets stabil geblieben. [Abb. 2] So waren 2009 16,7 Prozent mehr Redakteure und Journalisten mit Fach- und Hochschulabschluss in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen beschäftigt als im Jahr 2000. Bei Publizisten ohne akademischen Abschluss stieg die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um 11,5 Prozent an. Bei den freien Journalisten kletterte die Zahl von 46.000 Beschäftigten im Jahr 2000 auf 61.000 im Jahr 2008 an.[2]

 

 

Viele Journalisten versuchen der Arbeitslosigkeit zu entgehen, indem sie sich als "Freie" selbstständig betätigen. Zudem hat sich in den letzten Jahren ein journalistisches Überangebot aufgebaut, das von Auftraggebern und Verlagen immer wieder dazu missbraucht wird, Honorare und Löhne zu drücken. Der Berufseinstieg fällt nach wie vor schwer.

Qualifikation und Qualität als beste Absicherung gegen Arbeitslosigkeit

Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass der Arbeitsmarkt für Journalisten volatil und krisenanfällig ist. Die beste Absicherung gegen Arbeitslosigkeit besteht in der Aneignung von fachlichen und handwerklichen Fähigkeiten, die den Journalisten auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig halten.

Dies gilt sowohl für Absolventen und Volontäre als auch für berufserfahrene Journalisten. Zudem bietet sich eine frühe Spezialisierung auf ein bestimmtes Ressort, Fachthema oder einen speziellen Gegenstand an, sodass der Journalist aufgrund seiner hohen Fachkompetenz nicht ohne weiteres entbehrt werden kann.

Ergänzend dazu sollte durch Qualifizierungsmaßnahmen wie Trainings oder Workshops, die berufsbegleitend durchgeführt werden können, die publikumsgerechte Vermittlungskompetenz weiter ausgebaut und gestärkt werden. Durch den Erwerb dieser Qualifikationen können Journalisten als Fachjournalisten von der steigenden Nachfrage nach fachlich und qualitativ aufbereitetem Journalismus profitieren.

Fachjournalismus auf Wachstumspfad

Fachjournalismus ist seit den 1980er Jahren ein Erfolgsbegriff. Die Nachfrage von Lesern, Zuschauern und Zuhörern nach fachlich fundierten Beiträgen steigt, wie die beständige Zunahme und Ausdifferenzierung der Fach- und Publikumsmedien beweist. Auch die Nachfrage der Medien nach Fachjournalisten wächst. Die Honorare liegen heute im Schnitt 30 Prozent über denen eines Allroundjournalisten. Qualität hat eben ihren Preis.

Der Hintergrund für das steigende Interesse ist, dass sich moderne Gesellschaften wie unsere unaufhaltsam zu Wissensgesellschaften entwickeln, in denen Wissen der zentrale Standort- und Wettbewerbsfaktor ist und wissensintensive Industrien den höchsten Anteil am Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften.

Wissensgesellschaften sind gekennzeichnet durch eine exponentielle Zunahme des Wissens bei seiner gleichzeitigen Fragmentierung. Das betrifft vor allem Fachwissen. Doch selbst das, was früher unter Allgemeinbildung (Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport usw.) gefasst wurde, differenziert sich immer mehr aus und kann schon heute kaum noch überblickt werden.

Fachjournalismus boomt nach wie vor – und ein Ende ist nicht in Sicht. Wie bereits eine Studie der Bertelsmann-Stiftung und der Universität Münster im April 2003 herausgefunden hat, wird der Bedarf an fachlich kompetenter Berichterstattung stetig wachsen. Der Kurzbericht Nr. 10/99 des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie der IAB-Bericht zur beruflichen Bildung 2010 [3] besagen, dass das "Publizieren" zu den Dienstleistungsbereichen gehört, die bis 2025 am stärksten wachsen werden.

 

[1] Journalistische Qualität in der Wirtschaftskrise, (2010), Konstanz, K. Beck u.a. in Kooperation mit dem DFJV
[2] Der Arbeitsmarkt für Akademiker in Deutschland, BA für Arbeit (2010), Bonn, S. 44ff.
[3] Beruf und Qualifikation in der Zukunft, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn, S. 52f.